Gentechnik 26.09.2008, 19:37 Uhr

Der Mythos von Mutation und Selektion

VDI nachrichten, Freiburg, 26. 9. 08, ber – Die Entwicklung von Mensch, Tier und Pflanze sei anders erfolgt, als es heutige Evolutionsbiologen noch immer darstellen, urteilt der Freiburger Mediziner Joachim Bauer in seinem neuen Buch. Das Erbgut samt seiner Mutationen sei nicht blindlings beständiger Auslese unterworfen, sondern reagiere mit speziellen Umbauwerkzeugen auf äußere Anforderungen – und zwar im Wesentlichen nicht permanent, sondern schubweise.

Evolution: Reagiert Erbgut auf ökologischen Druck?

Evolution: Reagiert Erbgut auf ökologischen Druck?

Foto: Lexmark

Hauptursache für den massenhaften Untergang von Arten seien globale Katastrophen gewesen, etwa Vulkanausbrüche oder Meteoreinschläge. „Allein innerhalb der letzten 500 Mio. Jahre gab es fünf solche Mega-Ereignisse einige davon hätten beinahe allem Leben den Garaus gemacht“, erklärte Bauer. „Diese Ereignisse sind alles andere als das, was Darwin sich als das steuernde Prinzip der Selektion vorstellte, denn sie waren für alles, was lebte, eine Katastrophe.“

Für Bauer waren vor allem solche „punktuell zugespitzten Ereignisse“ die Zündfunken für entscheidende Schritte der Evolution. „Diese Stressoren waren etwas völlig anderes als jenes über allen Lebewesen schwebende Damoklesschwert, das in der Sprache des darwinistischen Dogmas als Selektionsdruck bezeichnet wird“, urteilte der Mediziner.

Doch wie soll das Erbgut auf ökologischen Druck reagiert haben? „Genome besitzen genetische Werkzeuge, mit denen sie quasi ihre eigene Architektur verändern können“, antwortete Bauer: „Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist, Gene zu verdoppeln.“ Dies geschehe bevorzugt dann, „wenn die äußeren Bedingungen für das Leben als Ganzes bedrohlich werden“. Das Leben suche, „indem es seine Gene selbst verändert, sozusagen nach einem Ausweg“.

Dabei würden bevorzugt solche Gene verdoppelt, die sich bereits als nützlich erwiesen haben. Danach gebe die Zelle „die Kopie für Mutationen frei, während sie das Original, das sich ja bewährt hat, konserviert“. Darin sieht der Buchautor eine im Erbgut angelegte „geniale Strategie“, um sich aus der ökologischen Klemme zu ziehen.

Für Bauer sind die in seinem Buch diskutierten Fragen „für jeden von Bedeutung“. Es sei in den Genen keineswegs „unveränderlich vorherbestimmt, wie wir sind“. Vielmehr habe „die Art, wie wir leben, Einfluss auf unsere Gene“. Denn Erbanlagen „empfangen Signale und reagieren auf sie, kommunizieren also mit der Umwelt. Sie steuern nicht nur, sie werden auch gesteuert“.

Zweierlei räumt er allerdings gerne ein. Erstens bleibe Darwin „einer der großen Aufklärer der Neuzeit“. Schließlich sei ihm zu verdanken, dass die biblische Schöpfungsgeschichte nicht mehr als wissenschaftliches Erklärungsmodell für die Entstehung der Erde und des Lebens herhalten müsse.

Und zweitens bleibe vieles in Sachen Evolution „noch völlig ungeklärt“. Zwar sei „experimentell gut belegt, dass es schwere äußere Stressoren sind, die Genome veranlassen, ihre genetischen Umbauwerkzeuge zu aktivieren und ihre Architektur zu verändern“ – etwa Radioaktivität oder Nahrungsmangel. „Über die konkreten Ursachen der schubartigen Veränderungen, die sich in der Evolution tatsächlich abgespielt haben, wissen wir aber kaum etwas.“ W. SCHMIDT/ber

Lesetipps zur Evolutionstheorie

Joachim Bauer: Das kooperative Gen. Abschied vom Darwinismus. 224 S., Verlag Hoffmann und Campe 2008, 19,95 €.

Sean B. Carroll: Die Darwin-DNA. Wie die neueste Forschung die Evolutionstheorie bestätigt. 336 S., S. Fischer Verlag 2008, 19,90 €.

Marc W. Kirschner, John C. Gerhart: Die Lösung von Darwins Dilemma. Wie die Evolution komplexes Leben schafft. 416 S., Rowohlt Verlag 2007, 12,90 €.

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