Biotechnologie 17.09.1999, 17:22 Uhr

Britische Biotechnologie fürchtet deutsche Konkurrenz

Probleme bereiten nicht nur wählerische Investoren, sondern auch wachsende Widerstände von Handel und Öffentlichkeit.

Massive staatliche Förderung, eine der Biotechnik gegenüber recht unkritische Bevölkerung und nicht zuletzt die englische Sprache: drei Kriterien, die Großbritannien als Standort für internationale Biotechnikunternehmen besonders attraktiv machen. Doch dieses Bild beginnt sich zu verdüstern. „Das wachsende Defizit bei den Finanzierungsmitteln für Biotechnologie-Unternehmen ist ein national bedeutsames Problem“, stellt eine vom britischen Wissenschaftsminister David Sainsbury eingesetzte Expertenkommission in einem jetzt vorgelegten Bericht fest.
Tatsächlich gibt es Anzeichen, daß beim europäischen Marktführer Großbritannien Dynamik und Wachstum in der technologisch bedeutsamen Branche stagnieren. Ein Blick in den europäischen Life-Science-Report “99, den die Unternehmensberatung Ernst & Young im Frühjahr vorgelegt hat, zeigt: Großbritannien mit 270 Biotechnologiefirmen und das mit zehn Jahren Verspätung an den Start gegangene Deutschland mit 220 Biotechnologiefirmen liefern sich ein einsames Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. „Das gilt insbesondere für die kleinen und mittleren Unternehmen, die in einem globalen Wettbewerb um finanzstarke Partnerschaften mit der Pharmaindustrie stehen“, bestätigt Dr. Ulrich Gerths, Leiter des Life Sciences Teams bei Ernst & Young in Stuttgart. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind deutsche und britische Unternehmen fast gleich stark vertreten. Lediglich bei den großen Unternehmen mit mehr als 150 Mitarbeitern haben die Briten die Nase deutlich vorn.
Die rasante Entwicklung in der europäischen Biotechnologie hat sich in zwei stark wachsenden Regionen niedergeschlagen. Die eine liegt in Großbritannien mit den universitätsnahen Zentren Cambridge, Oxford und Edinburgh, die andere in Deutschland mit den drei BioRegionen München, Rhein-Neckar und Rheinland. Den Anstrengungen der Deutschen zollt denn auch der britische Expertenrat Respekt: „Uns hat die großzügige finanzielle Ausstattung deutscher Biotechnologieunternehmen beeindruckt. Eine solche Unterstützung empfiehlt sich auch für das Vereinigte Königreich, wenn es seine Führungsrolle im kommenden Jahrzehnt sichern will.“
Die Situation scheint paradox: Während hierzulande die einst geschmähte Branche mit reichlich Risikokapital eingedeckt zum technologisch-wirtschaftlichen Hoffnungsträger heranwächst, wird für Biotech-Unternehmen im europäischen Pionierland Großbritannien die finanzielle Luft dünn. Unumwunden heißt es im Bericht an die britische Regierung: „Deutschland ist mit seiner Förderstrategie der BioRegionen zu einem Katalysator für die Anleger von Risikokapital geworden.“
Seit 1997 sind hierzulande rund eine halbe Milliarde DM in die Biotechnologie geflossen. Dabei macht privates Kapital mit 400 Mio. DM den Löwenanteil aus. Warum sollten Existenzgründer angesichts voller Fördertöpfe ins Ausland abwandern?
„Anfangs hatten wir renommierte Standorte in England ins Auge gefaßt, aber die hierzulande unbürokratische Vergabe von Fördermitteln hat die Entscheidung dann doch für Deutschland fallen lassen“, sagt Ex-Novartis-Manager Prof. Hermann Lübbert, der vor einem Jahr mit 20 Mio. DM öffentlicher und privater Mittel ein eigenes Unternehmen, die Biofrontera Pharmaceuticals, in Leverkusen gegründet hat.
Sogar US-Unternehmen schauen sich in Deutschland verstärkt nach Finanzierungsmitteln um, weil im Mutterland des Risikokapitals das Geld für die Biotechnologie knapp geworden ist. „Wir beobachten verstärkt Anzeichen für Fördertourismus“, bestätigt Steffen Reich von der NRW-Initiative BioGenTec, Köln.
Im Vereinigten Königreich stagniert dagegen die Entwicklung bei den jungen Biotechnologieunternehmen seit 1998. Kapitalgeber schrecken unattraktive Bedingungen und das schlechte Image der Branche auf der Insel, berichtet das britische Fachblatt „Nature“. Führende Supermarktketten haben sich aus Furcht vor Umsatzeinbußen zu einer Initiative gegen „Gen-Food“ zusammengeschlossen.
Flops in der Medikamentenentwicklung beim Branchenflaggschiff British Biotech und die Affäre um das ebenfalls zu den britischen Top Ten zählende Biotech-Unternehmen Cortecs, dem die Londoner Börse betrügerische Manipulation von Geschäftsdaten vorwirft, lassen Anleger zurückhaltender agieren. Aufgeschreckt durch Akzeptanzverlust und Skandale, forderte die BioIndustries Association, die die Interessen der britischen Biotech-Unternehmen vertritt, mehr öffentliches Engagement von der Regierung.
Die legt nun tatsächlich Holz nach. Ein neues Förderprogramm will KMU mit Steuererleichterungen in Höhe von 150 Mio. Pfund (rund 428 Mio. DM) entgegenkommen. Erwartet wird, daß sich die Steuerersparnis bei den Firmen in 30 % niedrigeren Kosten für Forschung und Entwicklung niederschlägt. Im einzelnen ist vorgesehen, den Einstiegssteuersatz für Unternehmen mit einem Jahresgewinn von höchstens 10 000 Pfund (28 500 DM) innerhalb von zehn Jahren auf 10 % zu senken. Auch KMU, die bereits schwarze Zahlen schreiben, können sich über eine 12,5%ige Ermäßigung auf F+E-Investitionen freuen. Mitarbeiterbeteiligungen an Kapitalerlösen werden für drei Jahre steuerfrei gestellt. Die Unternehmen erhalten so finanziellen Spielraum, um Spitzenmanager aus der Industrie anzuwerben. Steuererleichterungen können auch die großen Unternehmen verbuchen, wenn sie in kleine Biotech-Firmen investieren.
100 Mio. Pfund (285 Mio. DM) stellt zudem ein Infrastrukturfond, eine Initiative der Regierung und des britischen Wellcome Trusts, zur Verfügung. Die Finanzspritze soll dem Ausbau von Existenzgründerzentren zugute kommen. Das Konzept setzt auf den engen Kontakt von Unternehmen in einem sich gegenseitig stützenden Netzwerk, das vor allem in der schwierigen Anfangsphase den nötigen Informations- und Erfahrungsaustausch sichert.
Wie sich nun zeigt, hat die Sache jedoch einen Haken. Insbesondere beim Ausbau von Forschungs- und Technologieparks drohe ein Konflikt zwischen expansionswilligen Unternehmen und dem Umweltschutz, warnen die britischen Sachverständigen in ihrem Bericht. Hintergrund sind heftige Auseinandersetzungen zwischen örtlichen Planungsbehörden, die keine weiteren Grünflächen zur Bebauung freigeben und ansiedelungswilligen Firmen. An dem Zwist scheiterte vor kurzem die Finanzierungszusage für den Ausbau des Wellcome Trusts Genome Campus in Hinxton, Cambridgeshire. Die Biotechnologieindustrie, die die Förderung des Zentrums als Nagelprobe für die Umsetzung der Regierungsinitiative angesehen hatte, sieht sich nun geprellt.
SILVIA VON DER WEIDEN
Biotechnologische Forschung ist kostspielig. Junge Biotechnikunternehmen sind ohne staatliche Förderung daher meist nicht überlebensfähig. Die großzügige Unterstützung deutscher Unternehmen beobachtet die Branche in Großbritannien mit wachsender Unruhe.
Im Mittelbau sind Großbritannien und Deutschland bei der Zahl der Unternehmen nahezu gleichauf.

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