Biotechnologie 12.10.2007, 19:30 Uhr

Biotechnologie auf Wachstumskurs  

Künftig soll die Messe jährlich stattfinden.

Europas Leitmesse für Biotechnologie ist auf Wachstumskurs: „Sie wird größer, vielfältiger und internationaler“, sagte Stephan Kühne, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG, anlässlich der Eröffnung der Biotechnica in Hannover: „Mit unserem neuen Vier-Säulen-Konzept schärfen wir Profil und Qualität der Veranstaltung.“ Dieses umfasst neben der traditionellen Ausstellung ein hochkarätiges Konferenzprogramm, ein Partnering-Forum sowie den Biotechnica-Award, Europas höchst dotierten Biotech-Firmenpreis.

Ein Wachstum von jährlich 35 % in den nächsten vier Jahren sagen Experten dem noch jungen Markt für ultraschnelle DNA-Sequenziermaschinen voraus – von jetzt etwa 135 Mio. $ auf dann rund 450 Mio. $. Weltweit führend sind hier derzeit die Firmen Roche, Illumina, Applied Biosystems.

„Allein die bereits vermarkteten Verfahren der Firmen Roche und Illumina/Solexa ermöglichen gegenüber der klassischen Sequenzierung eine Geschwindigkeitssteigerung und Kosteneinsparung jeweils um den Faktor 100“, sagte der Genomics-Pionier Prof. Alfred Pühler von der Uni Bielefeld.

Pühler hält es für durchaus realistisch, dass künftig die Bestimmung des eigenen Erbguts für gerade einmal 1000 $ möglich wird. Bisher kostete eine solche Bestimmung rund 5 Mio. $. Damit würde die DNA-Sequenzierung die wesentlich ungenaueren Microarray-Verfahren aus dem Genomicsmarkt verdrängen.

Derweil steht für Biotech „made in Germany“ eine kleine Sensation ins Haus: „Der erste komplett in Deutschland entwickelte Antikörper, der eine Zulassung erhält, könnte von uns kommen“, kündigte Trion-Geschäftsführer Dr. Horst Lindhofer an, nachdem Entwicklungspartner Fresenius Biotech die Auswertung einer klinischen Phase-III-Studie vorgenommen hatte und zu einem positiven Ergebnis gekommen war.

Kommt es bei Krebspatienten infolge der Erkrankung zu einer sogenannten Bauchwassersucht, so könnte der von Trion Pharma entwickelte Antikörper Triomab künftig die Behandlung vereinfachen. Noch in diesem Jahr soll ein Antrag bei der europäischen Zulassungsbehörde EMEA eingereicht werden. Nach erfolgreichem Vermarktungsstart 2008 könnten weitere Indikationen folgen.

Diesjähriges Top-Thema auf der Biotechnica waren zudem sogenannte Drug-device-Kombinationstherapien. Gerade solchen Kombiprodukten aus einem pharmakologischen Wirkstoff und einem Medizinprodukt werden hohe Wachstumsraten vorausgesagt.

Viele Medikamente entfalten erst in der richtigen Darreichung die optimale Wirksamkeit. Ein Partnering-Forum auf der Messe sollte Medikamentenentwickler und Geräteherstellern an einen Tisch bringen, um fruchtbare Allianzen schließen zu können.

Immerhin 5,4 Mrd. $ werden jährlich mit solchen Drug-Device-Combinations umgesetzt. Und die Technology Vision Group mit Sitz in Santa Cruz, Kalifornien, erwartet, dass der Umsatz bis zum Jahr 2010 sogar noch auf über 11 Mrd. $ klettern wird.

Im Bereich „Stents“ – die winzigen röhrenförmigen Implantate werden als Wandstütze für Blutgefäße einsetzt und können zusätzlich mit einem Wirkstoff beladen werden – wächst der Weltmarkt für Kombinationsprodukte derzeit durchschnittlich um etwa 11 %, wie eine Studie der amerikanischen Analysten von BCC Research ermittelt hat. Demnach könnten Stents bereits im Jahr 2010 weltweit ein Marktvolumen von etwa 8 Mrd. $ erzielen.

Ein weiterer Messeschwerpunkt galt in Hannover dem biomedizinischen Forschungsbereich der regenerativen Medizin, zu dem neben der Stammzellforschung auch das Züchten von Gewebe- und Zellverbänden (Tissue Engineering) gehört. Gerade bei schweren und bislang nicht heilbaren Krankheiten wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen hoffen Forscher, mit Stammzellen die Heilungschancen künftig wesentlich verbessern zu können.

Großes Interesse gilt nach wie vor der sogenannten weißen Biotechnologie, die industrielle Prozesse mit biologischen Molekülen erheblich optimieren kann. Anwendungsbeispiele finden sich in der Chemie-, Textil- oder Lebensmittelindustrie – etwa bei der Produktion von Fasern, Chemikalien oder Treibstoffen aus Stärke, Cellulose oder pflanzlichen Ölen.

Während sich allerdings die Biotech-Branche in Deutschland wirtschaftlich auf einem guten Weg befindet, drohen sich die politischen Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu verschlechtern.

„Die Realpolitik der Bundesregierung steht für uns in den letzten Monaten deutlich unter dem Zeichen Rückschritt statt Fortschritt“, beklagte der Vorsitzende der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Dr. Bernward Garthoff. Probleme bereiteten der Biotech-Branche vor allem die Auswirkungen der Steuerreform auf forschende Unternehmen sowie die Novelle des Gentechnik-Gesetzes.

Im vergangenen Jahr erzielten Arzneimittel auf biotechnologischer Basis in Deutschland einen Umsatz von immerhin 3,2 Mrd. € – ein Absatzplus gegenüber 2005 von rund 12 %. Fast jedes dritte in Deutschland zugelassene Medikament mit neuen Wirkstoffen stammt mittlerweile aus biotechnischer Entwicklung oder Produktion.

Der positive Trend bei Biopharmazeutika wird noch durch die gut gefüllten Entwicklungspipelines der Biotech-Unternehmen unterstrichen: 2006 befanden sich 321 Wirkstoffe in einer der drei klinischen Phasen – das entspricht einer Zunahme um ein Viertel gegenüber 2005.

„Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt und in den nächsten Jahren weitere Biopharmazeutika auf den Markt kommen werden“, betonte DIB-Chef Garthoff. Derzeit seien in Deutschland 127 Arzneimittel mit insgesamt 95 verschiedenen Wirkstoffen, die gentechnisch hergestellt werden, auf dem Markt. Davon stammten 16 aus deutscher Produktion.

Bereits zum fünften Mal wurde in Hannover zudem der mit 100 000 € dotierte European Biotechnica Award an die drei innovativsten europäischen Unternehmen aus Biotechnologie und Life Sciences vergeben.

Sieger wurde die britische Renovo Group, ein Hersteller von Biopharma-Produkten aus Manchester. Auf Platz zwei kam das Biotech-Unternehmen Genmab A/S aus Kopenhagen und den dritten Platz belegte die ebenfalls dänische Bavarian Nordic A/S, ein Biopharma-Unternehmen aus Kvistgaard.

„In diesem Jahr konnten wir insbesondere aus dem internationalen Umfeld eine steigende Bewerberzahl verzeichnen. Dieses Signal unterstreicht die wachsende Bedeutung der Biotechnologiebranche als Wirtschaftsmotor“, freute sich Messe-Vorstand Kühne. BETTINA RECKTER

Sequenzierung der eigenen DNA wird bald für 1000 $ möglich sein

Mit Wirkstoffen beladenen Stents winkt ein Milliardenmarkt

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