Biotechnologie 23.05.2003, 18:25 Uhr

Biotechnologie in Nöten

Der Biotechnologie-Report 2003 von Ernst & Young erschüttert die Branche. Die Zahl der Betriebe sank, ein Ende der Konsolidierung ist in 2003 nicht abzusehen.

Schwere Zeiten brechen für die deutsche Biotechnologie an. Boomte die Branche in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig mit zweistelligen Zuwachsraten, musste sie 2002 Rückschläge einstecken. Zu diesem Ergebnis kommt der Biotechnologie-Report 2003 von Ernst & Young. Für die Studie, die jetzt zum vierten Mal erschien, schrieben die Berater 360 Core-Biotech-Unternehmen an. Das sind Firmen, deren Hauptgeschäftszweck die Kommerzialisierung der modernen Biotechnologie ist.
Die aktuelle Entwicklung: Bei den Kennzahlen Umsatz und Mitarbeiterzahlen verzeichnet die Erfolg verwöhnte Branche leichte Rückgänge. So sank die Zahl der Beschäftigten um 7 % auf 13 400. Traurig: 2001 hatte die Industrie noch 3700 neue Arbeitsplätze geschaffen. Auch der Gesamtumsatz brach ein. Er ging um 3 % zurück und lag 2002 bei 1,014 Mrd. „. Besorgnis erregend: Zum ersten Mal sank die absolute Zahl der deutschen Biotech-Unternehmen. Und zwar von 365 auf 360. Insgesamt wurden 2002 nur 25 neue Start-ups gegründet. Ihnen stehen jedoch 26 Insolvenzen gegenüber. Vier weitere Firmen wurden aufgekauft bzw. fusioniert. Stärkster Biotech-Standort bleibt Bayern mit 85 Unternehmen. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Baden Württemberg (67) und Nordrhein-Westfalen (42).
Winziges Trostpflaster: „Die Entwicklung im vergangenem Jahr war weniger schlimm als von vielen erwartet – die deutsche Biotech-Branche hat sich angesichts eines drastisch verschlechterten wirtschaftlichen Umfelds noch relativ gut behauptet“, sagt Alfred Müller, Vorstandsmitglied von Ernst & Young Deutschland und dort zuständig für den Bereich Life Science. Aber: Das Jahr 2003 verspreche keine Besserung. Die Konsolidierung der Branche habe erst begonnen.
Wie die Branche diese kritische Phase übersteht, bleibt abzuwarten. Denn die deutsche Biotech-Industrie steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. „Bedauerlicherweise findet dieser Bruch in einem Stadium statt, in dem die bisherige Entwicklung der Branche noch keine größere Zahl an stabilen Unternehmen hervorgebracht hat“, sagt Müller. Zwar gibt es hierzulande im europäischen Vergleich die meisten Firmen. Doch hinsichtlich Größe, Zahl der Produkte, Umsatz und Marktkapitalisierung rangiert Deutschland nur im Mittelfeld. So entfällt die Hälfte des Umsatzes auf nur zwölf größere – börsennotierte – Firmen. Im Gegensatz dazu erzielen viele kleine Firmen kaum Einnahmen.
Der Schwerpunkt der deutschen Biotech-Industrie liegt weiterhin auf der Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe, gefolgt von Diagnostika (rote Biotechnologie). Anwendungen in Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie (grüne Biotechnologie) oder in Industrie und Umweltschutz (graue Biotechnologie) spielen eine untergeordnete Rolle.
Doch der kommerzielle Durchbruch im Bereich Therapeutika lässt weiter auf sich warten. Nach wie vor ist kein Produkt auf dem Markt, dass von einer neu gegründeten deutschen Biotech-Firma entwickelt wurde. 2002 stand nur ein Wirkstoff vor der Zulassung. In der Entwicklungspipeline steckten 177 Projekte – sechs weniger als ein Jahr vorher. Erfreulich: Die Zahl der Vorhaben in Phase I – Beginn der klinischen Tests – stieg von 27 auf 34.
Das drängendste Problem: Es fehlt an Geld. „Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Finanzierung und wegen immer noch fehlender Umsätze kämpfen viele Firmen heute um das Überleben“, sagt Müller. Da die Börse weiterhin verschlossen ist, bleibt als Eigenkapitalquelle nur noch Venture Capital. Doch das Geld sprudelt seit 2001 nicht mehr. Vergangenes Jahr ging außerdem nicht nur die Zahl der Finanzierungsrunden weiter zurück. Auch das Volumen sank und lag im Durchschnitt nur noch bei 4 Mio. „. Keine der Kapitalspritzen erreichte ein Volumen von 35 Mio. “ oder mehr. 2002 hatte es immerhin drei Deals dieser Größenordnung gegeben. Gleichzeitig stieg der Verlust. Im Jahr 2001 lag er noch bei 551 Mio. „, in 2002 standen 661 Mio. “ auf der Soll-Seite. Zur Erinnerung: In 2000 hatte er noch bei 247 Mio. “ gelegen.
Wer im Geschäft bleiben will, spart also wo er nur kann. Vor allem bei den F&E-Ausgaben. Diese gingen 2002 erstmals zurück: um 11 % auf 1,09 Mrd. „. Damit unterscheidet sich die Entwicklung in Deutschland deutlich von der in anderen Ländern. Denn die F&E-Investitionen in Europa stiegen um 6 %. Insgesamt übertreffen die Forschungsausgaben aber auch in Deutschland noch den Branchenumsatz. Außerdem bemühen sich die Firmen verstärkt, kurzfristig Umsätze zu generieren und stellen ihre Geschäftsmodelle um. So bieten immer mehr Unternehmen auch Dienstleistungen an. Der Anteil der reinen Serviceanbieter stieg von 13 % auf 18 %.
Alles im allem blickt Ernst & Young verhalten optimistisch in die Zukunft: Vorstand Müller: „Bei aller Skepsis steht jedoch das grundsätzliche Potenzial der Biotech-Industrie außer Frage.“
SILKE LINNEWEBER

Fleißig geforscht wird in deutschen Biotech-Unternehmen nach wie vor. Die F&E-Ausgaben liegen noch immer über dem Umsatz. Sie sind allerdings – anders als im Ausland – rückläufig. Auch die Gesamtzahl der Unternehmen ist gesunken. Foto: Werkfoto

Alfred Müller, Leiter der Studie: „Das grundsätzliche Potenzial der BiotechIndustrie steht trotz allem außer Frage.“ Foto: E&Y

 

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