Hightech-Industrie 22.05.2009, 19:41 Uhr

Biotech: Keine Kapitalspritze  

Höherer Umsatz, mehr Neugründungen, niedrigere Verluste – die deutsche Biotechnologie steht laut einer neuen Studie passabel da. Doch vielen Firmen könnte bald das Geld ausgehen, weil sich Wagnisfinanzierer zurückziehen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 5. 09, ps

Auf den ersten Blick schlägt sich die deutsche Biotechnologie-Industrie in der Wirtschaftskrise wacker: Ende 2008 zählte die Branche laut dem neuen Biotechnologie-Report von Ernst & Young hierzulande 402 Unternehmen – nur eines weniger als im Vorjahr. 21 Firmen wurden neu gegründet, acht mehr als 2007. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 2 % auf über 10 500. Die Erlöse der Firmen legten sogar um 6 % zu und liegen nun bei 1,068 Mrd. € Gleichzeitig sanken die Verluste um 12 % auf 588 Mio. € Auch bei den Produkten haben die Medikamentenentwickler der Branche Fortschritte erzielt: Drei Wirkstoffe wurden vergangenes Jahr von den Behörden genehmigt, fünf weitere befanden sich in der Zulassung.

Tatsächlich steht die Branche aber vor einer Bewährungsprobe. Denn in der Rezession wird das Kapital knapp. „Die an sich gute Unternehmensentwicklung der letzten beiden Jahre droht durch deutliche Einschnitte in der Unternehmensfinanzierung ins Stolpern zu geraten“, glaubt Siegfried Bialojan, der das European Life Science Center von Ernst & Young leitet. Seine Befürchtung: Überstehen zu wenige Firmen die aktuelle Krise, fällt der Sektor als Treiber künftigen volkswirtschaftlichen Wachstums aus.

Hoher Kapitalbedarf und große Risiken schrecken derzeit die Investoren ab

Insgesamt brach die Eigenkapital-Finanzierung der Branche 2008 um fast 50 % ein. Konnten die Unternehmen 2007 noch 456 Mio. € einwerben, waren es im vergangenen Jahr nur noch 247 Mio. € Das entspricht in etwa dem Niveau der Krisenjahre 2002/2003. Seinerzeit, nach dem Platzen der New Economy Blase am Aktienmarkt, stand die deutsche Biotechnologie schon einmal am Abgrund. Ebenso wie damals ist jetzt sowohl die Kapitalausstattung gelisteter wie auch nicht gelisteter Gesellschaften betroffen.

„Das klassische Modell der Risikokapital-Finanzierung wird im Biotech-Bereich zunehmend in Frage gestellt“, konstatiert Siegfried Bialojan. Gründe hierfür seien der sehr hohe Kapitalbedarf, der lange Finanzierungshorizont sowie ein signifikant höheres Risiko im Vergleich zu anderen Branchen. Venture Capital-Firmen steckten 2008 nur noch 198 Mio. € in Biotech-Start ups (2007: 319 Mio. €). Ohne das Engagement privater Großinvestoren sähe die Lage noch düsterer aus. Einzelne Geldgeber, wie die Brüder Strüngmann (Hexal) oder Dietmar Hopp (SAP), stützen einen großen Teil der deutschen Biotech-Szene. Ihr Anteil am Gesamtvolumen der Finanzierungen liegt bei rund 50 %.

Börsennotierte Firmen können auf kreative Finanzierungsinstrumente zurückgreifen

Noch heftiger trifft die Kapitalklemme börsennotierte Gesellschaften. Sie mussten 2008 bei der Finanzierung einen Rückgang um 64 % hinnehmen. Insgesamt nahmen die Firmen nur rund 50 Mio. € auf – so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Den Sprung aufs Parkett schaffte hierzulande, wie schon 2007, kein einziges Biotechnologie-Unternehmen.

Trotzdem halten die Experten von Ernst & Young börsennotierte Unternehmen für vergleichsweise widerstandsfähig. Denn für sie ist es einfacher, kreative Finanzierungen zu nutzen.

So ermöglicht das so genannte Royalty Financing den Verkauf künftiger Lizenzeinnahmen von bereits auf dem Markt befindlichen Produkten. Bei Allianzen mit Pharma-Unternehmen sind „Upfront-Zahlungen“ möglich, also einmalige, sofortige Kapitalspritzen, die im Rahmen einer Kooperation gesetzt werden.

Eine Committed Equity Financing Facility (CEFA) wiederum beschert dem Unternehmen eine Eigenkapital-Zusage auf Abruf. Bei einer CEFA wird mit einem Investor eine Vereinbarung zum Verkauf neu ausgegebener Aktien getroffen. Dabei bestimmt das verkaufende Unternehmen, ob, wann und wie viele Anteilsscheine verkauft werden.

Derzeit nutzen vor allem amerikanische Unternehmen dieses Finanzierungsinstrument. Doch auch MediGene aus München hat diesen Weg eingeschlagen und sich so bei einem amerikanischen Investor eine Eigenkapitalzusage auf Abruf in Höhe von bis zu 25 Mio. € gesichert.

Die Suche nach einem finanzkräftigen Partner wird für immer mehr Firmen zur Überlebensfrage. So wurden vergangenes Jahr gleich eine ganze Reihe deutscher Biotechs übernommen, zu teilweise beachtlichen Preisen. Jerini ging für 328 Mio. € über den Tisch, Direvo Biotech wechselte für 210 Mio. € den Besitzer. Für den Standort Deutschland und die betroffenen Mitarbeiter waren die Übernahmen des vergangenen Jahres nicht immer die schlechteste Option.

Kleine Biotech-Unternehmen rücken näher an Pharma-Konzerne heran

Vielfach blieben die geschluckten Firmen nämlich als selbstständige Einheiten im neuen Mutterkonzern erhalten. Einen weiteren Ausweg aus der Eigenkapitalkrise bilden Allianzen, bei denen neben Kapital auch Wissen fließt. Auch 2009 rücken die kleinen Biotechs näher an Big Pharma. So hat MorphoSys aus München gerade seine Entwicklungspartnerschaft mit dem japanischen Pharmariesen Daiichi Sankyo um zwei weitere Substanzen erweitert.

Ein Befund, der auch von anderer Seite bestätigt wird. Eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers und der Arbeitskreise BioRegionen Deutschland bezeichnet die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie als „essentiell“.

Die Flaute bei der Finanzierung stellt die Zukunft der Biotech-Industrie in Frage. „Entweder, sie profiliert sich als eigenständiger Key Innovator mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und entsprechender Finanzierung durch eigene Marktpräsenz. Oder sie muss sich bis auf wenige Ausnahmen damit zufrieden geben, zumindest auf absehbare Zeit nur Ideengeber und Zulieferer mit begrenzter eigener Wertschöpfung zu bleiben“, sagt Siegfried Bialojan.

SILKE LINNEWEBER

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