Biotechnologie 09.07.2013, 09:00 Uhr

Biopharmaka: Vom Kosten- zum Nutzentreiber

Die erfolgreichsten Medikamente auf dem Markt stammen aus dem Bioreaktor. Nach Stagnation im Vorjahr wuchsen 2012 die Umsätze mit solchen Biopharmazeutika in Deutschland um knapp 11 % auf rund 6 Mrd. €. Über Innovation und Investment in der medizinischen Biotechnologie diskutierten Experten in Düsseldorf.

Zellfermentierung in der biopharmazeutischen Herstellung: In der Produktion neuer Impfstoffe und Antikörper sowie in der Gentechnik und Stammzelltherapie sehen Branchenkenner die Zukunft der deutschen Biotechnologie. 

Zellfermentierung in der biopharmazeutischen Herstellung: In der Produktion neuer Impfstoffe und Antikörper sowie in der Gentechnik und Stammzelltherapie sehen Branchenkenner die Zukunft der deutschen Biotechnologie. 

Foto: Boehringer Ingelheim

„Biopharmazeutika seien Kostentreiber, heißt es“, klagte Frank Mathias auf der 1. Handelsblatt-Jahrestagung Biotech 2013 in Düsseldorf. „Aber das stimmt so nicht, in Wirklichkeit sind sie Nutzentreiber“, behauptete der Vorstandsvorsitzende der Medigene AG. Und belegt dies mit Daten, die das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) in einem aktuellen Branchenreport für Vfa Bio, die Interessengruppe Biotechnologie im Verband forschender Pharma-Unternehmen (Vfa), erhoben hat.

Das Umsatzplus von knapp 11 % bei Arzneimitteln und Impfstoffen, deren Wirkstoffe mit gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden, sei in Deutschland dem Bericht zufolge einzig darauf zurückzuführen, dass 2012 deutlich mehr Patienten Biopharmazeutika verordnet bekamen als noch ein Jahr zuvor. „Preiserhöhungen aber hat es aufgrund des bestehenden Preismoratoriums nicht gegeben“, beteuerte der Vfa-Bio-Vorsitzende Mathias.

In Deutschland sind 385 Unternehmen in der medizinischen Biotechnologie tätig

Der Anteil der Medikamente aus dem Bioreaktor am deutschen Gesamtpharmamarkt stieg im vergangenen Jahr von 19 % auf 21 %. Von den 385 Unternehmen in Deutschland, die 2012 in der medizinischen Biotechnologie tätig waren, vermarkten 116 Firmen Biopharmazeutika oder haben Erfolg versprechende Produkte in der Pipeline. Die übrigen 269 Unternehmen, so der BCG-Report, liefern innovative Technologieplattformen für die Medikamentenentwicklung und Diagnostik, ohne aber selbst eigene Wirkstoffe zu entwickeln.

Rund 70 % des Gesamtumsatzes erwirtschaftet die Branche mit Medikamenten gegen Diabetes, Rheuma und Krebs. Gerade bei chronischen Erkrankungen könnten biotechnologisch hergestellte Arzneimittel die Lebensqualität und die Leistungsfähigkeit der Patienten verbessern, ist Axel Heinemann von BCG überzeugt. Und damit seien Biopharmazeutika eindeutig Nutzentreiber, die die Arbeitsfähigkeit der Patienten verlängern, deren Frühverrentung vermeiden und eine Pflegebedürftigkeit verhindern könnten.

Von der Politik fordert auch Mathias deshalb innovationsfördernde Rahmenbedingungen für die medizinische Biotechnologie in Deutschland. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen von Biopharmazeutika würde derzeit immer noch unterschätzt.

„Wer durch chronische Erkrankung bereits in jungen Jahren aus dem Berufsleben ausschert, kann nicht die Erwerbstätigkeit hochhalten“, sagte der Medigene-Vorstand. Die Branche könne durchaus dazu beitragen, die Produktivität am Standort Deutschland zu erhöhen.

Biotechnologie ist Innovationsmotor

Dass Biotechnologie auch in Deutschland ein Innovationsmotor sei, darüber waren sich die Experten in Düsseldorf einig. Allerdings sei die Forschung hierzulande wesentlich teurer als in den europäischen Nachbarländern, kritisierte Mathias. Hier müsse sich dringend etwas an den Rahmenbedingungen ändern.

„Und die öffentliche Hand könnte ruhig mehr Aufträge an die Biotech-Unternehmen vergeben – nicht einfach nur finanziell fördern, sondern auch anregen“, fügte Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender von Bio Deutschland, dem Branchenverband der Biotech-Industrie, hinzu.

Unternehmen in den USA und Großbritannien könnten sogar mit Steuererleichterungen für ihre Forschungsbemühungen rechnen, erklärte der Verbandschef. Dies hätten die deutschen Parteien jetzt immerhin in ihr Wahlprogramm übernommen. Heinrich: „Wir dürfen gespannt sein, ob das nach der Wahl dann auch wirklich kommt.“

Kunden der Biotechbranche sind Pharmaunternehmen, die aus den Wirkstoffen Arzneimittel fertigen. „Kooperationen mit den Herstellern stehen für uns deshalb im Vordergrund“, erklärte Ingmar Hoerr, Geschäftsführer der CureVac GmbH, Tübingen.

„Wir müssen den Pharmafirmen Lösungen anbieten, sonst sind wir für sie nicht existent und dann entgeht uns der Big Deal“, bestätigte auch Jens Holstein, Finanzvorstand der MorphoSys AG, eine der derzeit weltweit führenden Firmen im Bereich humaner Antikörper und derzeit wohl das erfolgreichsten deutsche Unternehmen in der Branche.

Langer Atem nötig

Mit neuen Impfstoffen und Antikörpern sowie mit der Gentherapie und dem Einsatz von Stammzellen umreißen die Branchenkenner die Zukunft deutscher biotechnologischer Entwicklungen. Allerdings sei hier langer Atem nötig, wie Erfahrungen aus der Vergangenheit gelehrt hätten. 

Hoerr hält die deutsche Biotechnologie indes für durchaus konkurrenzfähig. Doch wünscht er sich hierzulande einen besseren Umgang mit der Möglichkeit zu scheitern. In Israel gebe es, so Hoerr, einen Fonds, der die Forscher umso stärker fördert, je höher das Risiko sei. „Solche Ansätze brauchen wir hier auch.“   

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