Bau 19.01.2007, 19:26 Uhr

Zuwanderer sichern in Europa Wachstum am Bau  

VDI nachrichten, München, 19. 1. 07, rok – Über Europas Baugeschehen ruht ein Konjunkturhoch. Zwar nähert sich im Wohnungsneubau ein Tief, doch da im Gebäudebestand noch viele Bauaufgaben winken, rechnen Wirtschaftsexperten für die kommenden Jahre selbst im Wohnungsbau noch mit Sonnenschein. Für Bauaktivitäten in Europa sorgt zudem die Zuwanderung.

Europäische Baukonjunkturaussichten beflügeln die Bau 2007, die als erste große Investitionsgütermesse im neuen Jahr am 15. Januar in München für fünf Tage ihre Tore geöffnet hat. Das Angebot der Messe zielt ganz bewusst auf den europäischen Markt, denn eine unlängst in Amsterdam vorgestellte Untersuchung des Forschungsnetzwerks Euroconstruct lässt Zuversicht aufkommen, dass speziell in Europa das Bauvolumen weiter wachsen wird.

In 19 von dem Forschungsnetzwerk analysierten europäischen Ländern erreichte das Bauvolumen bereits im Jahr 2005 einen Betrag von 1265 Mrd. €. 72 % davon entfielen auf Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien. Die übrigen zehn westeuropäischen Länder kamen auf einen Anteil von 24 %, die vier osteuropäischen Länder auf nur gut 4 %. Dabei teilt sich das gesamte Bauvolumen in den 19 europäischen Ländern in drei Sparten auf: Wohnungsbau 600 Mrd. €, Nichtwohnungsbau 400 Mrd. € und Tiefbau 265 Mrd. €.

Der Wohnungsbau als finanziell bedeutendste Sparte im Bauwesen boomt seit 2003. „Sondereffekte“ wie die 2006 in Deutschland ausgelaufene Eigenheimzulage hätten vor allem im alten Jahr zu einer Belebung des Wohnungsbaus geführt, so in München Erich Gluch vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung anlässlich der Bau 2007. Die Nachfragebelebung solle zumindest abgeschwächt bis 2008 anhalten, interpretiert der Wirtschaftsforscher die Analyse von Euroconstruct, nicht zuletzt durch Zuwanderung und etliche Bauaufgaben im europäischen Gebäudebestand.

Im Nichtwohnungsbau sei es im Verlauf der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts nicht so gut gelaufen, urteilen die Euroconstruct-Experten. Damals habe sich das Bauvolumen nur minimal erhöht. Die anhaltend günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Europa solle jedoch weiterhin zu einer Stimulierung der gewerblichen Bauinvestitionen führen. Bis 2008 erwarten die Fachleute des Forschungsnetzwerks einen Anstieg des Bauvolumens im Nichtwohnbau um rund 2 % je Jahr.

Der Tiefbau ist aus finanzieller Sicht zwar die kleinste Teilsparte des europäischen Bauwesens, weist aber seit einigen Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Sie liegen in der ersten Hälfte des Jahrzehnts bei knapp 3 % p.a. Laut Euroconstruct wird sich die Nachfragebelebung bis 2008 aber noch verstärken: Bis 2008 seien Erhöhungen des Bauvolumens von jährlich rund 3,5 % möglich. So attestieren die Experten dem Tiefbau in 2007 und im Jahr danach das größte Wachstumspotenzial, gefolgt vom Nichtwohnungsbau.

Für den Wohnungsneubau sieht Euroconstruct im neuen und im darauffolgenden Jahr bereits wieder Stagnation. Dennoch sagen die Experten dem gesamten Wohnungsbauvolumen in Europa ein kleines Plus voraus, was – so Ifo-Wirtschaftsforscher Gluch – aus der Ausweitung der Maßnahmen im Bestand resultiere, und zwar europaweit. Entsprechend zieht sich das Thema „Bauen im Bestand“ leitmotivisch durch das gesamte Angebot der Bau 2007, betont die Messe München.

Betrachte man die konjunkturelle Entwicklung im europäischen Wohnungsbau bis 2008 auf der Basis der Wohnungsfertigstellungen, so könnten – so Gluch – folgende Aussagen getroffen werden: „Die Wohnungsnachfrage entwickelte sich in 2006 nochmals positiv – nachdem die Wohnungsbautätigkeit bereits in den Jahren 2003 bis 2005 in fast allen Ländern Zuwächse zu verzeichnen hatte.“

„Für diese erfreuliche Entwicklung war insbesondere das günstige konjunkturelle Klima verantwortlich,“ betont der Wirtschaftsfachmann. Darüber hinaus hätten sich die Zinsen bislang nur moderat erhöht. Hinzu komme eine kräftige Zunahme der Bevölkerung in einigen Ländern. Auch macht Gluch auf einige europäische „Sondereffekte“ aufmerksam, so auf den Wegfall der Eigenheimzulage in Deutschland zu Beginn des neuen Jahres.

Einen besonders kräftigen „Sondereffekt“ beobachteten Wirtschaftsforscher schon zu Beginn des Jahrzehnts in ehemaligen Hochzinsländern, die heute der Eurozone angehören. Hier sanken die Zinsen, was sich vor allem in Spanien und Italien sowie in Irland und Portugal auswirkte. Gluch: „Eine bessere Stimulierung der Wohnungsnachfrage hätte es nicht geben können.“

Dies macht eine Gegenüberstellung der Zahlen von Wohnungsfertigstellungen in den Jahren 1998 und 2006 deutlich: Während 1998 in Spanien 430 000 Wohnungen entstanden, zählte man hier im alten Jahr ganze 660 000 Fertigstellungen. In Italien wuchsen im gleichen Zeitraum die jährlichen Zahlen neuer Wohnungen von 170 000 auf 270 000. In Irland wurden 2006 mit 80 000 neuen Einheiten doppelt so viele Wohnungen gebaut wie 1998, und in Portugal wuchs die Zahl der Wohnungsfertigstellungen von 90 000 im Jahr 1998 auf 110 000 im Jahr 2002. In 2006 zählten die Portugiesen allerdings nur noch 57 000 Fertigstellungen.

Nicht zu unterschätzen sei in Europa die Nachfragestimulierung, die aus der Zuwanderung resultiere, betont Gluch. Eine besondere Rolle spiele hierbei Irland. Hier habe sich die Bevölkerung allein in den letzten 15 Jahren von 3,5 Mio. auf 4,2 Mio. erhöht. Tatsächlich verzeichnete Irland seit dem Jahr 2000 eine durchschnittliche jährliche Zuwachsrate von fast 2 %. Aber auch die drei großen südeuropäischen Länder erlebten starke Zuzüge. So erhöhte sich die Bevölkerung in Spanien seit 2000 je Jahr um rund 600 000 Zuzügler, Italien wuchs durch Zuwanderung jährlich um rund 300 000, Frankreich um rund 350 000 Zuzügler pro Jahr, was durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von 1,2 %, 0,7 % und 0,6 % entspricht. Zum Vergleich: In Deutschland stieg die Bevölkerung seit 2000 durch Zuzüge lediglich um rund 50 000 pro Jahr (ein Plus von 0,1 %).

„Die niedrigen Zinsen und die Nachfrage durch steigende Haushaltszahlen führten und führen nicht nur zu einer steigenden Wohnungsbautätigkeit, sondern auch zu steigenden Immobilienpreisen,“ so Gluch. Die einzige Ausnahme habe bislang lediglich Deutschland gebildet. Die in vielen Ländern zweistelligen Preissteigerungen über etliche Jahre hinweg würden bereits ab 2007 zu einer Stabilisierung der Wohnungsbautätigkeit „auf hohem Niveau“ führen. ELMAR WALLERANG

Von Elmar Wallerang

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