Bau 27.04.2001, 17:29 Uhr

Wohnhäuser tanken Sonne

Solares Bauen schont die Umwelt und hilft, Geld zu sparen – so lautet das Motto des Landesprogramms „50 Solarsiedlungen in NRW”. Dabei muss es sich nicht um Neubauten handeln, es gibt auch Sanierungsprojekte. Die Projektleiter staunen selbst, dass dabei so viele ganz individuelle Bauweisen entstehen können.

Nahe Münster und in Gelsenkirchen werden die ersten der 50 geplanten Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen fertig gestellt. Weitere 22 sind in Bau oder Planung, bis Ende 2002 sollen es doppelt so viele sein.
Vor vier Jahren riefen die Landesministerien für Städtebau und Wohnen, Wirtschafts- sowie Wissenschaftsministerium und die Arbeitsgruppe „Bauen und Wohnen” das Projekt „50 Solarsiedlungen in NRW” ins Leben und warben bei Kommunen für ihre Beteiligung. Die Solarsiedlungen sollen gleichzeitig Modell stehen für energiesparendes Bauen und zeigen, dass diese Bauart kostengünstig realisierbar ist.
Ganz konsequent nach Süden ausgerichtete Gebäude zu erstellen, energiesparendes und ökologisches Bauen zu praktizieren und den Ausstoß des klimaschädigenden CO2 zu reduzieren, lautet die Zielsetzung der Projekte. Dabei sollen weder städtebauliche noch soziale Gesichtspunkte vernachlässigt werden. Das beinhaltet eine gute Anbindung zum öffentlichen Nahverkehr, zu Schulen und Kindergärten, Geschäften und Freizeiteinrichtungen. Der nach der noch geltenden Wärmeschutzverordnung (WSchV 95) – der Bundesrat berät zurzeit noch über die strengere Energiespar-Verordnung, die voraussichtlich nicht vor 2002 in Kraft treten wird – zulässige Heizenergiebedarf soll um 60 % unterschritten sein. Der Warmwasserbedarf muss um zwei Drittel und der durchschnittliche Jahresstrombedarf um ein Drittel solar gedeckt werden. Im Planungsleitfaden ist detailliert festgehalten, nach welchen Kriterien sich die Kommunen und die Bauträger richten sollen: strenge Richtlinien, allerdings sind innerhalb dieses Rahmens die verschiedensten Baukonzepte möglich.
Das Besondere der Solarsiedlung in Beckum am Rande des Münsterlandes ist ihre Lage in einem alten Kalksteinbruch. „Die südorientierte Hanglage bot sich gerade zu an für solares Bauen”, erklärt der Leiter des Umweltamtes, Heinz-Josef Heuckmann. Ein Badesee neben der Siedlung erhöhe die Wohnqualität enorm.
Von den 80 Wohneinheiten sind die ersten zwei Häuser bezogen, weitere befinden sich in Bau. Die Stadt wählte sechs Bauträger, weil eine Siedlung mit nur einer Stilrichtung eines Bauträgers sich auf dem Land nicht verwirklichen ließ: „So können wir eine ganz unterschiedliche Klientel bedienen”, meint Heuckmann, „aber weil jeder Bauträger jeweils einen ganzen Straßenzug erstellt, ist ein vernünftiges Siedlungsbild dennoch gewährleistet.”
Andreas Gries von der Landesinitiative Zukunftsenergien NRW kennt diese Schwierigkeit: „Mit nur einem Bauträger lassen sich gewisse Qualitätsstandards sichern andererseits wollen wir neue Gruppen für die Solarenergie dazu gewinnen.” Er nimmt daher gerne in Kauf, dass solche „Solar-Neulinge” noch Einiges dazu lernen müssen.
Die T&M Münsterland-Holzhaus GmbH baute die ersten Häuser und erfüllt die Kriterien „60 % Unterschreitung der WSchV 1995“ und „Warmwasser aus Sonnenenergie“. Wärmedämmende Tonziegel, eine 20 cm dicke Dämmung aus Mineralwolle und eine Wärmeschutzverglasung mit einem durchschnittlichen k-Wert von 0,7 W/(m2K) tragen ihren Teil dazu bei. Der berechnete jährliche Energiebedarf der Häuser liegt bei knapp 30 kWh/m2. Der Nachheizbedarf für Warmwasser und Raumwärme im Winter deckt ein Gasbrennwertkessel. In allen Häuser wird eine Lüftungsanlage mit Luft-Erdwärmetauscher eingebaut.
Die energetischen und andere Richtlinien sind im Grundstückskaufvertrag festgeschrieben. Sowohl Bauträger als auch Käufer werden verpflichtet, diese einzuhalten. Auch auf Verzicht von Tropenholz, FCKW-haltigen Baustoffen und Holzschutzmitteln legt das Beckumer Umweltamt Wert. Sanktionen gibt es allerdings nicht. Teilweise lässt sich an den Verbrauchsdaten kontrollieren, ob anders als vorgeschrieben gebaut wurde. Im Kaufvertrag haben sich die Bauleute privatrechtlich verpflichtet, ihre Verbrauchsdaten fünf Jahre lang der Stadt zur Verfügung stellen.
„Die Mehrkosten von etwa 20 000 DM pro Wohneinheit werden zur Hälfte durch zusätzliche Fördermittel gedeckt”, so die Architektin Johanna Tippkemper, „außerdem reduzieren sich die Nebenkosten.”
Obwohl Wermelskirchen im Bergischen Land nicht von der Sonne verwöhnt wird, soll hier eine Siedlung mit rund 30 Wohneinheiten nach strengen Kriterien entstehen: Passivhaus als Standard, Solarkollektoren decken 60 % des Warmwasserbedarfs und Photovoltaikanlagen erzeugen Strom bis zu einem Peak von 2,8 kW bis 4,2 kW pro Haus. Überhaupt wird jetzt Photovoltaik eher eingeplant. „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat einen guten Schub gegeben”, erklärt Gries.
Es soll nicht nur flächensparend gebaut werden, sondern auch eine verkehrsbefreite Siedlung entstehen. Mit Ausnahme von Anlieferung, Müllentsorgung und Feuerwehr bleiben alle Autos auf Abstellplätzen vor der Siedlung. Ein angrenzendes Landschaftsschutzgebiet, ein Spielplatz, ein Teich und ein Pavillon ergeben eine großzügige Gemeinschaftsfläche.
Wermelskirchen steht allerdings noch am Anfang seiner Traumsiedlung. Die letzten Verhandlungen über die Grundstücksankäufe werden noch geführt. Außerdem ist noch kein Investor gefunden. Auf jeden Fall soll der Passivhausstandard beibehalten werden. „Ich halte es für wenig sinnvoll, die jetzigen Vorgaben abzuspecken”, so Brigitte Zemella, Umweltbeauftragte der Stadt, „Kosten werden dadurch nicht wirklich eingespart.” Die Interessentenliste zeige, dass es durchaus junge Familien gibt, die für Energiesparen und Gemeinschaftsflächen etwas übrig haben.
Nicht etwa im Neubau, sondern im Wohnungsbestand bestehen die größeren Energieeinsparpotenziale. Daher wurden mehrere Altbauten in das Solarsiedlungsprogramm aufgenommen: z.B. die Wohnsiedlung Köln-Bocklemünd aus den 60er Jahren, mit 548 Wohneinheiten die größte Sanierungsmaßnahme des Projektes.
Die Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen GmbH (LEG) hat gerade die 22 Mio. DM teure Sanierung der 33 mehrgeschossigen Häuser abgeschlossen. Die alte Fassade wurde wärmegedämmt und die Südseiten erhielten eine Photovoltaik-Fassade. Mit den an günstig orientierten Balkonen und Dachflächen installierten Anlagen kommt eine Fläche von 1 500 m² mit einer Leistung von ca. 150 kWP zusammen.
Die monatliche Miete wird zwar um 0,84 DM/m² steigen, jedoch ist die Kaltmiete mit 8,34 DM/m² für Köln noch niedrig. Dafür werden die Mieter etwa 0,42 DM/m² pro Monat an Energiekosten sparen, denn der Heizwärmebedarf wurde von 126 59 kWh/m2 auf 59 kWh/m2 pro Jahr gesenkt. Das ergibt auch eine jährliche CO2-Minderung von 70 t. U. GOERKE/W. PREISS

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