Bau 31.12.1999, 17:23 Uhr

Wohnen im Zeichen knapper werdender Ressourcen

Das Wohnen von morgen dürfte in erster Linie vom sparsamen Umgang mit Ressourcen geprägt sein. So zielt die Intelligenz des Hauses weniger auf die Fernsteuerung des Kühlschranks als auf einen geringen Verbrauch von Energie und Trinkwasser.

Intelligentes Bauen bleibt im neuen Jahrhundert keine Domäne des Wirtschaftsbaues, sondern nimmt zunehmend Einfluss auf Ein- und Zweifamilienhäuser. Die momentane Diskussion um Niedrigenergiehäuser verdeutlicht den Trend und weist zugleich darauf hin: Nicht auf das vernetzte, rechnergesteuerte Wohnhaus, dessen Rollläden sich vom Urlaubsort aus rauf und runter bewegen lassen, kommt es an, sondern in erster Linie auf den angemessenen Verbrauch von Energie und Trinkwasser. Der Grund: Die Ressourcen werden knapp. Wichtigste Meilensteine auf diesem Weg: der Brennwertkessel, die Wärmepumpe und die Brennstoffzelle. Eine dichte Gebäudehülle mit dick gedämmten Wänden und eine mechanische Lüftung gehören dazu. Zur Senkung des Trinkwasserverbrauchs ist mit einer verstärkten Nutzung des Regenwassers zu rechen.
Die Standards für das intelligente, sparsame Haus sind heute bereits hoch: Niedrigenergiehäuser verbrauchen für die Heizung pro Heizperiode um die 70 kWh je Quadratmeter Wohnfläche, das entspricht knapp 7 l Heizöl. 5-l- und selbst 3-l-Häuser sind bereits auf dem Markt. Auch Fertighäuser, die längst das Odium der Billiglösung abgestreift haben, mischen da mit. Voraussetzung für das energiesparende Wohnen ist neben der sparsamen Wärmeerzeugung die hochgedämmte und fugendichte Bauhülle. Eine mechanischen Wohnungslüftung mit Energierückgewinnung sorgt hier, dass die kostbare Wärme weitgehend im Haus bleibt.
Bei der intelligenten Belüftung holt sich ein Wärmetauscher die Kalorien aus der verbrauchten, aber noch warmen Gebäude-Fortluft zurück. „Der Bauherr ist gut beraten, wenn er auf einen hohen Wirkungsgrad des Wärmetauschers – möglichst über 70% – achtet,“ rät Horst Heinemann, dessen gleichnamige Firma in Schondorf als wichtigster Systemanbieter für die Wohnungsbelüftung in Deutschland gilt. Dann koste ihn der Lüftungskomfort im Monat keine 10 DM Strom für die Ventilatoren. Ein 70%-iger Wärmerückgewinn entspricht auch den Anforderungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIB) in Berlin, das bei der Beurteilung von Lüftungskomponenten hohe Anforderungen an die Energieeinsparung stellt.
Die fugendichte Bauausführung, ohne die eine Lüftungsmechanik keinen Sinn macht, ist derzeit aber noch ein Problem mancher Niedrigenergiehäuser, die auf dem Markt feilgeboten werden. Um die Dichtheit zu kontrollieren, steht dem Bauherrn jedoch ein Verfahren zur Verfügung, das ihm Klarheit verschafft. Bei dem „Blower-Door-Test“, wie er in der Fachsprache heißt, wird in eine Außentür ein Gebläse eingesetzt, das im Gebäude einen Druck von rund 50 Pa erzeugt. Je undichter das Haus ist, desto höher auch der notwendige Luftstrom, um den erwähnten Druck zu halten. Anschließend werden leckverdächtige Stellen mit Messgeräten und Testrauch abgesucht. Die Methode bietet sich auch für betagte Wohnhäuser an, bei denen Türen, Fenster sowie Anschlüsse in der Gebäudehülle mit der Zeit durchlässiger werden.
Wichtig auch die sparsame Wärmeerzeugung. Neben dem kleinen Brennwertgerät wird sich – als „indirekte Solarheizung“ – mehr und mehr die Wärmepumpe etablieren. Führender Wärmepumpenproduzent in Deutschland und Österreich, Klemens Waterkotte: „Die moderne Wärmepumpe ist nicht mehr mit den Vorläufern vergleichbar, die vereinzelt vor 20 Jahren auftauchten.“ Sie sei heute ebenso kompakt wie ein Öl- oder Gasheizkessel. Sie laufe ausgesprochen leise und bleibe wartungsfrei wie ein Kühlschrank. Trete dennoch ein Defekt auf, werde das Gerät in der Regel nicht repariert, sondern einfach ausgewechselt. Der Anbieter: „Das dauert nur wenige Stunden.“
Speziell die Niedrigenergie-Bauweise kommt dem Wärmepumpentrend entgegen: Durch die hochwertige Dämmung der Gebäudehülle genüge im Einfamilienhaus eine 6-kW-Wärmepumpe, um die Räume behaglich zu halten, versichert Waterkotte. Rechne man den Warmwasserbedarf für Küche und Bad hinzu, komme man auf rund 1,5 kW elektrischer Anschlussleistung.
Nach einer Aussage des Energieerzeugers RWE in Essen liegt die Wärmepumpe in den Anschaffungskosten auf gleicher Höhe wie die konkurrierende Ölheizung. Kein Wunder: Heizöltank und Schornstein entfallen. Dafür aber ist bei der Wärmepumpe ein Absorber oder eine Sonde notwendig, um die Wärme aus der Erde oder aus dem Grundwasser aufzunehmen. Die weit verbreiteten Erdabsorber werden etwa 1 m tief vergraben und auf einer Fläche von rund 12 m2 verteilt. Das ließe sich – so Waterkotte – beim Neubau problemlos im Rahmen der Ausschachtungsarbeiten oder beim Anlegen eines Gartens erledigen.

Hygienisch saubere Trennung von Trink- und Regenwasser

Das Comeback der Elektroheizung wird nicht zuletzt von fallenden Stromtarifen und steigenden Ölpreisen geprägt. Selbst die gasorientierten Niederländer bekennen sich offen zur Wärmepumpenheizung: Sie betreiben diesen alternativen Wärmeerzeuger zunehmend mit „Windmolenstrom“, den fast jeder Haushalt kaufen kann: regeneratives Heizen in Reinkultur.
Nun sind Windmühlen in Deutschland als Generatoren eher unbeliebt. Dafür bahnt sich am Horizont ein neuer Stromlieferant den Weg zur Anwendungsreife – die Brennstoffzelle. Sie erzeugt mit bis zu 70% Wirkungsgrad Strom. Zum Vergleich: Der Verbrennungsmotor arbeitet mit nur 25 % Wirkungsgrad. Schrittmacher bei der Wasserstofftechnologie fürs Haus ist nicht die Elektrowirtschaft, sondern ausgerechnet ein führender Heizkessellieferant – Vaillant in Remscheid. Binnen zehn Jahren will das Remscheider Unternehmen mit der Brennstoffzelle einen Marktanteil von 10 % bis 20 % erreichen. Das würde laut einem FAZ-Bericht „mittelfristig den Heiztechnikmarkt komplett verändern“.
Vom Brennwertkessel über die Wärmepumpe zur Brennstoffzelle – ein Szenario mit guten Realisierungschancen, sofern durch hohe Stückzahlen die Investition für den Bauherrn lohnend wird. Für teure Sonnenkollektoren auf dem Dach – ob thermisch oder fotovoltaisch – werde dann der Spielraum eng, prognostiziert Karl Gertis, Professor für konstruktive Bauphysik an der Universität Stuttgart.
Zum ökologisch durchdachten Wohnen gehört aber auch die Regenwassernutzung für die Gartenbewässerung, das WC und auch für die Waschmaschine. Aus einstigen Kunststoff-Sammelbehältern, die zur Veralgung neigten, entwickelten sich Systeme auf der Basis klassischer Zisternen. Ihr Fortschritt liegt in kompakten Versorgungsmodulen, die eine selbstansaugende Kreiselpumpe, den Speisebehälter, die Sicherheits- und Steuerorgane zusammenfassen. Das einem großen Sicherungskasten ähnelnde Modul wird im Keller oder in der Garage an der Wand installiert. Andreas Amft, Sprecher des Systemanbieters Wilo in Dortmund: „Binnen weniger Stunden ist so eine Einheit betriebsfertig installiert, das Vorhandensein einer Zisterne und des Verteilnetzes vorausgesetzt.“
Ist die Zisterne während einer Trockenperiode leergesaugt, fließt Frischwasser aus dem Speisebehälter des Wandmoduls nach. Amft: „Vorkonfektionierte Systemlösungen senken nicht nur die Installationskosten.“ Sie gewährleisteten auch die hygienisch einwandfreie Trennung von Trinkwasser und Regenwasser. Hier sei in der Vergangenheit oft gesündigt worden, sowohl von Selbstbauern als auch von Handwerksfirmen, die unwissend ein Infektionsrisiko heraufbeschwörten. Richtig installiert und konsequent genutzt, könnte die Regenwassernutzung den Trinkwasserverbrauch um mehr als 50% schrumpfen lassen. PETER GÖHRINGER
Bei der Regenwassernutzung im Haus geht der Trend zum Einsatz von Serienprodukten. Hier ein Regenwassermodul mit Pumpe, Steuerung und Reservebehälter.
Mehrfamilienhaus schont Ressorcen: Das in Breuberg bei Aschaffenburg errichtete Ziegelmassivgebäude wird von einer Wärmepumpe beheizt. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung hält die kostbare Wärme im Haus, und eine Regenwassernutzungsanlage hilft beim sparsamen Umgang mit Trinkwasser.

Von Peter Göhringer

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