Bau 06.06.2008, 19:35 Uhr

Wo steht denn das Holzhaus?  

VDI nachrichten, Berlin, 6. 6. 08, rok – Als die sieben Berliner Bauherren sich entschlossen, gemeinsam ein Haus aus Holz zu bauen, ahnten sie nicht, dass das Projekt „Esmarchstraße 3“ zum Vorzeigeobjekt für innovativen Holzständerbau werden würde. Letzten Freitag sind sie eingezogen.

Wo ist das Holzhaus?“ Diese Frage wird den Anwohnern rund um die Berliner Esmarchstraße 3 sehr häufig gestellt. Denn die Hausnummer steht sozusagen für ein architektonisches Musterhaus aus Holz. Doch von außen sind lediglich die Fichtenjalousien als Holzelemente auszumachen. Mit seinem mineralischen Außenputz unterscheidet sich die Fassade nicht von den Nachbargebäuden.

Es dauerte kein Jahr von der Planung bis zum Einzug der Mieter. Gerade mal drei Wochen lagen die Arbeiten hinter dem geplanten Einzugstermin April 2008 zurück.

Das Haus, das einer privaten Bauherrengemeinschaft gehört, die es zur Eigennutzung gebaut hat, ist mit seiner Holzkonstruktion zu einem Pilotprojekt avanciert. Das Architektenteam Kaden-Klingbeil, das auch die Bauleitung hatte, hat sich mittlerweile selbst an dem Projekt beteiligt. Das Erdgeschoss – ohnehin als Wohnraum nicht sehr beliebt – ist heute der Firmensitz. Das erste 7-geschossige Wohnhaus mit einem 22 m hohen Tragwerk aus Holz steht. Für Kaden-Klingbeil ist es eine „Pioniertat“.

Das Bauingenieurbüro Dehne und Kruse erstellte ein ganzheitliches Brandschutzkonzept, dessen Kernelemente kurze Fluchtwege sind sowie eine signifikante Erhöhung des Feuerwiderstandes der tragenden Holzbauteile durch eine lückenlose Brandschutzbekleidung mit Fermacell-Gipsfaser-Platten.

Möglich wurde der Bau, weil der Berliner Senat die Bauordnung im Februar 2006 novellierte und damit prinzipiell mehrgeschossige Holzbauten ermöglicht wurden. Allerdings durfte nach dieser Vorgabe das oberste Geschoss nicht höher als 13 m liegen. Mit seinen 22 m liegt der neue Holzbau deutlich über dieser Vorgabe und zählt damit zur Gebäudeklasse 5, für die striktere Brandschutzvorgaben gelten.

So gehört zu der Brandschutzstrategie ein frei stehendes Treppenhaus aus Stahlbeton. Über 3 m lange Stege kommen die Bewohner in ihre Wohnungen. Für Architekt Kladen ist diese Lösung aber auch ein optisches Kleinod, weil so „die strenge lineare Front“ der restlichen Bebauung aufgebrochen wurde. Kladen formuliert das so: „Unsere städtebauliche Idee war, die Baulücke nicht von Brandwand zu Brandwand zu schließen, um der immer gleichen Traufhöhe und der immer geschlossenen Blockrandbebauung einen offenen Entwurf entgegenzusetzen.“

Außer der Brandwand zum Nachbargebäude und zwei Betonkernen für die haustechnischen Installationen besteht das Haus komplett aus Holz. Die tragenden Riegel und die 30 cm x 36 cm dicken Stützen in den Außenwänden sind mit Massivholz ausgefacht.

Die einzelnen Stockwerke sind durch Holzbetonverbunddecken getrennt. Darauf liegt eine 10 cm dicke Betonschicht mit integrierten deckengleichen Unterzügen. Der Vorteil dieser Konstruktion: In den Wohnbereichen konnte so auf tragende Wände verzichtet werden. Die Wohnungseigentümer können ihre Wohnfläche absolut individuell gestalten.

Und natürlich ist dieses Haus ein energetisches Musterexemplar. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat das Gebäude als förderungswürdiges „KfW-40-Haus“ eingestuft. Das setzt voraus, dass ein Primärenergieverbrauch von 40 kWh/m2 jährlich nicht überschritten wird. Architekt Kladen verweist allerdings stolz darauf, dass dieser Wert kräftig unterschritten wird. Der Verbrauch liege bei nur 29 kWh/m2 pro Jahr. Für Heizen und Warmwasser gehen die Bauherren für eine 150 m2-Wohnung von jährlichen Kosten in Höhe von 300 € bis 350 € aus.

Die Kosten pro Quadratmeter Wohnfläche lagen bei 2300 €, die Gesamtkosten einschließlich Grundstück bei 2,3 Mio. €.

Dieses Musterexemplar setzt – so glauben die Architekten – neue Standards. Es sei, so Kladen, ein „Prototyp für einen innovativen städteplanerischen und bautechnischen Ansatz“.

BIRGIT BÖHRET

Von Birgit Böhret

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