Bau 23.02.2001, 17:28 Uhr

„Wir wollen keine Subventionen“

Beim Redaktionsgespräch machte Dr. Hans-Peter Keitel, Vorstandsvorsitzender der Hochtief AG, einen entspannten Eindruck. Dabei gibt es viele Dinge, die ihm nicht recht sind. Beispielsweise die Baubürokratie in Deutschland.

VDI nachrichten: Die EU-Kommission hat einer Zusammenarbeit zwischen Hochtief und dem ehemaligen konkurrierenden Konsortium IVG AG beim Flughafenprojekt Berlin zugestimmt. Was kommt jetzt?
Keitel: Wir vereinheitlichen gerade die Grundlagen. Es liegen zwei unterschiedliche technische Konzepte auf dem Tisch, die man nicht einfach zusammenpacken kann. Wir hoffen, in wenigen Wochen einen gemeinsamen Businessplan und im Anschluss ein gemeinsames Angebot vorlegen zu können.
VDI nachrichten: Ist die Berlin-Entscheidung ein persönlicher Erfolg?
Keitel: Das ist mit Sicherheit nicht ein persönlicher Erfolg, daran sind zu viele beteiligt. Aber es ist schon eine Genugtuung zu sehen, dass ein Geschäftsfeld, das ich vor vielen Jahren ins Leben gerufen habe, Formen annimmt.
VDI nachrichten: Sie haben die Mehrheit bei Leighton übernommen. Wie geht es weiter?
Keitel: Ziel ist es, nicht nur unsere Hochtief-Weisheiten zu Leighton und zu Turner zu tragen. Wir wollen umgekehrt auch deren Wissen und Fähigkeiten nutzen. Deshalb arbeiten wir an einer Holding-Struktur mit einer Art anglo-amerikanischem Management-Board, in dem sich die Vorstandsvorsitzenden vier bis sechs Mal im Jahr treffen und die Geschäftspolitik besprechen.
VDI nachrichten: Was halten Sie von den geplanten Neuerungen beim Betriebsverfassungsgesetz?
Keitel: Wenn ich mit unseren ausländischen Kollegen rede, haben die schon erhebliche Probleme, das heutige Modell zu verstehen. Die von Riester und Müller ausgehandelten Änderungen sind absolut schädlich für den Standort Deutschland.
VDI nachrichten: Sie haben in erheblichem Maße Personal abgebaut. Wird sich das fortsetzen?
Keitel: Vielleicht gibt es an der einen oder anderen Stelle noch einmal Umstrukturierungen, jedoch keinen systematischen Personalabbau wie in den letzten Jahren. Aber in Deutschland wird es weiter insgesamt zu einem massiven Arbeitsplatzschwund kommen. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, werden wir in diesem Jahr erstmals weniger als 1 Mio. Arbeitsplätze im Bausektor haben.
VDI nachrichten: Was läuft falsch?
Keitel: In Deutschland haben wir nicht die richtigen Strukturen. Wir schließen Verträge ab, die keinerlei Änderungsmechanismen beinhalten. Dabei hat der Bauherr am Tag der Vertragsunterzeichnung selten ein 100-iges Bild von seinem Projekt. Die Änderungswünsche kommen dann sehr schnell, und Streitigkeiten sind vorprogrammiert. Andere Länder sind da schon weiter.
VDI nachrichten: Das bedeutet?
Keitel: Dort trifft man Verabredungen, die flexibel sind. Ein Beispiel: In England wird ein so genannter „Target price“ vereinbart, also ein Zielpreis, auf den man sich zubewegt. Es ist auch klar geregelt, wie sich der Zielpreis ändert, wenn es zu Abweichungen kommt. Zweites Beispiel: Der garantierte Maximalpreis in den USA. Bei diesem Vertragsmodell wird das Bauunternehmen in der Regel schon in der Planungsphase einbezogen. Das hat Vorteile für beide Seiten: Der Kunde profitiert vom Know-how des Unternehmens, über das klassische Planer in der Regel nicht verfügen. Das Unternehmen selbst kann bei der Kalkulation sicherer sein – die Grundlagen stammen schließlich aus dem eigenen Haus. In Deutschland zählt nur eins: Der Auftrag wird an den Billigsten vergeben. Von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit sind wir noch weit entfernt – das gilt auch und gerade für unsere Baubürokratie.
VDI nachrichten: Die Politiker müssen also auch ihre Aufgaben machen?
Keitel: Ja, aber ich möchte klar betonen, dass wir keine Subventionen wollen. Es gibt jede Menge Gesetzesvorlagen, Regularien, die in die Welt gesetzt wurden, deren Rücknahme das Bauen wieder erheblich vereinfachen würde. Das geht los bei der Mietgesetzgebung und geht weiter mit der Anrechenbarkeit von Verlusten aus Vermietung und Verpachtung auf andere Einkommensarten.
VDI nachrichten: Welche Ziele haben Sie mittelfristig?
Keitel: Von der Holding-Struktur haben wir schon gesprochen. In fünf Jahren werden wir stärker zum Construction Manager geworden sein. Aber anders als in den USA werden wir unsere Kernkompetenz, das Bauen, nicht aufgeben. Trotzdem wird die physische Bauleistung in Zukunft sicher noch stärker zu einer Leistung werden, die der Mittelstand erbringt.
VDI nachrichten: Ist die Baubranche noch attraktiv für Ingenieure?
Keitel: Es ist unverantwortlich, dass ein Vorlesungsverzeichnis, das mein Sohn vor zwei Jahren mitgebracht hat fast den gleichen Studienplan aufwies, wie zu meiner Zeit. Die Hochschulen müssen sich stärker den neuen Gegebenheiten und den Anforderungen der Wirtschaft anpassen.
VDI nachrichten: Wie ist das Verhältnis zum Großaktionär RWE?
Keitel: Das ist sehr konstruktiv. Dazu gehört auch zu wissen, dass RWE sich mittelfristig von seinem Hochtief-Paket trennen will. Wir erarbeiten die nächsten Schritte gemeinsam, niemand wird überrascht sein.
VDI nachrichten: Welche Bedeutung hat der Entschädigungsfonds für Hochtief?
Keitel: Wir werden uns – unabhängig von unserer damaligen Rolle – daran beteiligen. Wir stehen ohne Einschränkung zu unserer Verantwortung. Vor diesem Hintergrund erlaube ich mir aber auch, an der aktuellen Diskussion Kritik zu üben: Ich halte es schon für fahrlässig, wie in der öffentlichen Diskussion mit dem Thema Rechtssicherheit umgegangen wird. In den USA wird gegen verschiedene Unternehmen, die sich am Fonds beteiligen, geklagt. Wenn der Fonds jetzt auszahlt und die Klagen sind nicht vom Tisch, dann haben die Firmen im Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter nicht viel bewirkt.
VDI nachrichten: Führungskräfte erhalten bei Hochtief seit 1999 Stock-options. Wird das ausgeweitet?
Keitel: Führungskräfte sollen wissen, dass sie für den Shareholder Value mitverantwortlich sind. Das Modell wird aber zurzeit kritisch gesehen, weil sich seit der Fast-Pleite von Philipp Holzmann die Aktienkurse im Bau nicht mehr dadurch bewegen, dass sich eine Führungskraft anstrengt. Die Manager werden vielmehr für Effekte belohnt oder bestraft, die nicht mit der Leistung des Unternehmens zusammenhängen. So verlieren Stock-option-Modelle an Sinn. Wir überlegen, wie wir das Modell modifizieren, bevor wir es weiter ins Unternehmen tragen. cha/fr/jok

Von Claudia Hantrop/Gregor Frechen/Jok

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