Bau 22.06.2007, 19:28 Uhr

Wettbewerb um die klügsten Köpfe: Bauindustrie fehlt der Nachwuchs  

Nach den Jahren der Rezession in der Bauindustrie steht die Branche jetzt vor dem Problem, dass sie für notwendig zu besetzende Positionen nicht genügend qualifizierte Bewerber findet. Und das gelte, so Hans-Peter Keitel, sowohl für den gewerblichen Bereich als auch für den akademischen Nachwuchs. Wenn es nicht gelinge, so Keitel in seinem folgenden Beitrag, wieder mehr Abiturienten für das Studium des Bauingenieurwesens zu gewinnen, werde die Lücke zwischen Bedarf und Absolventenzahlen mit jedem Jahr weiter wachsen.

Die deutsche Bauwirtschaft hat den konjunkturellen Aufschwung des Jahres 2006 mit in das Baujahr 2007 hinübernehmen können. Vier von fünf Bauunternehmen bezeichneten nach der DIHK-Frühsommerumfrage ihre Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Jedes vierte Bauunternehmen rechnet sogar noch mit einer Verbesserung der Geschäftslage.

Alle Befürchtungen, der Bauaufschwung 2006 könne sich als wenig tragfähiges „Zwischenhoch“ herausstellen, haben sich als unbegründet erwiesen. Ganz im Gegenteil: Der Bauaufschwung hat im ersten Halbjahr 2007 nichts von seiner Dynamik eingebüßt.

Die anspringende Bauproduktion stellt die deutschen Bauunternehmen nach zehn Jahren der Baukrise vor neue Herausforderungen – dazu gehört es, den Personalbestand anzupassen. Denn in der hinter uns liegenden Krisenzeit sind die personellen Kapazitäten von 1,4 Mio. Menschen auf nur noch knapp 700 000 Beschäftigte reduziert worden. Die Belegschaften müssen nun für eine steigende Bauproduktion behutsam verstärkt werden.

Das Reservoir an Baufachkräften ist allerdings fast ausgeschöpft. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter ist auf den niedrigsten Stand seit 1995 gesunken. Die Folge: Der Konkurrenzkampf um die besten Köpfe ist voll entbrannt.

Es fehlen aber auch Nachwuchskräfte – zum einen, weil viele Baubetriebe in der Krise nicht mehr ausbilden konnten, zum anderen aber auch, weil es in der Vergangenheit an ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Bewerbern mangelte.

Zudem sind auch ausländische Kapazitäten, auf die deutsche Bauunternehmen zurückgreifen könnten, knapp geworden. Die Konjunktur in den Staaten Mittel- und Osteuropas floriert und die Arbeitskräfte bleiben lieber vor Ort – oder sie gehen in die Länder, in denen höhere Baupreise auch attraktivere Löhne zulassen.

Nicht zuletzt spielt die demografische Entwicklung eine wesentliche Rolle: In Deutschland werden in den nächsten Jahren 19 000 Baufachkräfte jährlich in den Ruhestand gehen es rücken aber nur etwa 12 000 nach. Allein diese Zahlen zeigen: Eine große Facharbeiterlücke ist vorhersehbar.

Die deutsche Bauwirtschaft muss daher in den nächsten Jahren ihre Ausbildungsbereitschaft deutlich steigern. Wir werden es uns langfristig nicht leisten können, dass nur noch jeder vierte bis fünfte Betrieb selbst ausbildet. Unser Ziel ist es darum, dass zumindest wieder – wie Mitte der 1990er-Jahre – jeder dritte Betrieb Ausbildungsplätze bereitstellt.

Nicht nur im gewerblichen Bereich, auch beim akademischen Führungspersonal hat sich das Blatt gewendet: Die Zahl der arbeitslosen Bauingenieure hat sich innerhalb eines Jahres halbiert.

Auch hier müssen wir die Nachwuchssicherung in den Fokus nehmen. Denn immer weniger Abiturienten wollen Bauingenieurwesen studieren. Im Jahr 2010 werden in Deutschland nur noch 3800 junge Bauingenieure dieses Studium abschließen. Gebraucht werden jedoch 4500 Absolventen. Zurzeit kann diese Lücke noch aus der Arbeitsmarktreserve geschlossen werden. Spätestens im nächsten Jahr ist jedoch bereits damit zu rechnen, dass diese Quelle versiegt ist.

Wir müssen also alles tun, um für Abiturienten das Studium wieder attraktiv zu machen. Ganz wichtig ist dabei, dass wir bei der Umstellung unserer Studiengänge auf Bachelor- und Masterstudiengänge die international unbestritten hohe Qualität unserer Ingenieurstudiengänge nicht zur Disposition stellen. Für uns ist es äußerst unbefriedigend, dass heute keine deutsche Universität einen „berufsbefähigten“ Bau-Bachelor ausbildet. Nur die Hälfte der Fachhochschulen gewährleistet heute eine Ausbildung des Bau-Bachelors auf dem Niveau des bisherigen Fachhochschuldiploms – der Mindestqualifikationsstufe aus Sicht der Arbeitgeber.

Wir fordern deshalb die Hochschulen auf, hier umzusteuern. Die von den Bildungsministern geforderte Sicherung einer „Beschäftigungsfähigkeit“ ist keinesfalls ausreichend – die Bauwirtschaft benötigt Absolventen mit „Berufsbefähigung“.

Der Wettbewerb um die „klügsten Köpfe“ im gewerblichen wie akademischen Bereich ist längst entbrannt, der Nachwuchs fehlt. Ich appelliere daher an alle Bauunternehmer: Werden Sie „Botschafter des Bauens“! Öffnen Sie die Baustellen, nehmen Sie sich Zeit für Fragen, gehen Sie zu Vorträgen an die Universitäten, an die Schulen und weichen Sie auch nicht aus, wenn unangenehme Fragen gestellt werden.

Ich bin davon überzeugt, dass wir im Wettbewerb um die klügsten Köpfe gute Argumente haben: Die Bauindustrie muss sich – was den technischen Anspruch angeht – keineswegs hinter anderen Branchen des produzierenden Gewerbes verstecken – das stellen wir tagtäglich auf unseren Baustellen unter Beweis. Mehr noch: Forschungsvorhaben wie die Projekte Jules-Verne, QuicNet oder inHaus2 zeigen eindrucksvoll, welche Innovationskraft in der Bauindustrie steckt.

Ich bin mir sicher, dass wir wieder mehr junge Leute für den Bauberuf begeistern können. Dazu müssen wir die Menschen in Deutschland ansprechen und informieren. Denn: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ HANS-PETER KEITEL

 

Von Hans-Peter Keitel

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