Energieeffizientes Bauen 16.07.2010, 19:47 Uhr

Wärmedämmung sorgt am Bau für die beste Energieeffizienz

Mit verbesserter Bauphysik und sparsamer Wärmeerzeugung wird im Gebäudebereich die derzeit größte Energieeffizienz erreicht. Die Nutzung erneuerbarer Energieformen spielt allenfalls eine ergänzende Rolle. Das Passivenergiehaus garantiert gar Behaglichkeit fast ohne Wärmeerzeugung.

Ungebrochen hoch ist das Interesse am Einsatz alternativer Energieformen im Gebäudebereich. Fachleute sind aber überzeugt, dass beim Energiesparen ein größerer Effekt aus der Modernisierung des Gebäudebestands resultiere.

Größter Spareffekt beim Energieverbrauch bietet die Modernisierung bestehender Gebäude, weiß Gerd Hauser, Vorsitzender der Gesellschaft für Rationelle Energieverwendung (GRE) und Professor für Bauphysik an der TU München. Infolge einer energetischen Modernisierung allein des Wohngebäudebestands auf 35 % des Ausgangszustandes – ein häufig realisierter Wert – ergebe sich in Deutschland ein Einsparpotenzial von 640 TWh jährlich.

„Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz beherbergen Potenziale, die um eine Zehnerpotenz höher sind, als die der erneuerbaren Energien,“ rechnet Hauser vor. Die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich sei damit der Hauptschlüssel zur Lösung hiesiger Energieprobleme. Zum Vergleich: In Deutschland lieferten im Jahr 2006 erneuerbare Energien zur Stromerzeugung 70 TWh und zur Wärmeerzeugung 90 TWh.

Wer es mit Energieeinsparung ernst nehme, müsse mit der Verbesserung der Gebäudehülle anfangen, unterstreicht Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbands der Fenster- und Fassadenhersteller (VFF) in Frankfurt/M. Bei der entsprechenden Modernisierung von Gebäuden komme es auf die richtige Reihenfolge an: Erst müsse die Außenwandkonstruktion mit einer hochwertigen Dämmung und modernen Fenstern versehen werden. Danach erst komme die vielfach als Allheilmittel im Vordergrund stehende Nutzung erneuerbarer Energien in Frage.

Den vollständigen Verzicht einer Heizung versprechen in diesem Zusammenhang Befürworter des Passivhauses. Abwärme von Personen und technischen Geräten reiche dank dichter Gebäudehülle aus, um die gewünschte Behaglichkeit zu erreichen, so Wolfgang Feist, Professor für Bauphysik und Leiter des Passivhaus-Instituts in Darmstadt. Neuester Trend: Nicht nur Eigenheime, sondern auch größere Wohn- und Gewerbebauten werden dem Passivhaus-Standard angepasst. Überdies lässt sich das Konzept auch im Rahmen einer Gebäudemodernisierung verwirklichen.

Eine besondere Eigenschaft des Passivhauses ist die konstante Innentemperatur – sowohl über einen Tag als auch über das ganze Jahr gesehen. Die Innentemperatur ändere sich nur langsam. Bei ausgeschalteter Heizung sinke sie um weniger als 0,5 °C am Tag, im Winter, wenn keine Sonne scheine. Alle Wände und Böden verfügten über dieselbe Temperatur. Dies gelte ebenfalls für den Keller, wenn er innerhalb der thermischen Hülle liege. Es gebe keine „kalten“ Wände oder Fußböden. Schimmelbildung sei – so ein Sprecher des Passivhaus-Instituts – mithin ausgeschlossen.

Die kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt dafür, dass etwa alle ein bis vier Stunden die Luft im Passivhaus ausgetauscht wird. Bei diesen geringen Luftvolumenströmen seien weder Luftbewegung, Zugluft oder Geräusche wahrnehmbar, so Anbieter raumlufttechnischer Anlagen. Die gefilterte und vorgewärmte Zuluft führe man den Wohn- und Schlafräumen zu. Von dort gelange sie durch Überstromöffnungen in die Flure (beispielsweise über den Türen) und werde in Küche, Bad und WC wieder abgesaugt. Von hier aus geht die Abluft durch Kanäle zum Wärmeübertrager und schließlich als Fortluft nach draußen.

Das Herzstück der Lüftungsanlage ist die Wärmerückgewinnung mit einem Gegenstrom-Wärmeübertrager. Die Wärme der Abluft wird zu 80 % bis 95 % an die Zuluft abgegeben, ohne dass sich dabei Zu- und Abluft vermischen. Zur Luftvorwärmung empfehlen Anbieter von Wärmepumpen eine erdgekoppelte Anlage zuzuschalten, die im Sommer die Vorkühlung ermöglicht.

Ähnlicher Effekt ließe sich aber auch mit Fundamentabsorbern erreichen, so das Institut für Grundbau und Bodenmechanik der Technischen Universität Wien. Es gehört zu den Institutionen, die sich zur Nutzung geothermischer Energie per erdberührter Bauwerksteile besonders auseinandersetzen. Ziel der Bemühungen: Die „Erdwärmeabsorber“ sollen die Nutzung der geothermischen Energie besonders wirtschaftlich gestalten. Haupteinsatzgebiet: der Hochbau. Beispiele: der MainTower in Frankfurt/M. und der Berliner Reichstag.

Zur thermischen Ausbeute des Bodens seien vor allem Bauwerksteile aus Beton („Massivabsorber“) geeignet, erläutert Heinz Brandl, Professor an der TU Wien. Hiefür kämen primär Pfähle und Schlitzwände infrage, aber selbst Kellerwände ließen sich als Sammler geothermischer Energie einsetzen. Die Absorberleitungen würden unmittelbar in die Grundbauelemente verlegt, sodass zusätzliche Einbauten im Erdreich nicht erforderlich würden, betont Brandl.

Die Kombination unterschiedlicher Systeme zur Energieeinsparung empfiehlt auch Klaus Jesse, Präsident des Bundesindustrieverbandes Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH). Nur etwa 13 % von 17,8 Mio. in deutschen Wohngebäuden installierten Heizungsanlagen nutzten fossile Energieträger hoch effizient und koppelten zugleich erneuerbare Energien ein. Es handele sich – so Jesse – um Heizsysteme wie Gas- und Ölbrennwerttechnik in Verbindung mit solarthermischen Anlagen, Biomasse-Zentralheizungskessel und Wärmepumpen, mit oder ohne solarthermischen Anlagen und moderne Wärmeverteil- und -übergabesysteme. Hier gebe es Nachholbedarf.

Im Industriebau werden schon eher unterschiedliche Technologien miteinander verknüpft. So offeriert Vacurant Heizsysteme, Bad Lippspringe, seit Neuestem eine Dunkelstrahler-Hallenheizung, die mit der Brennwertnutzung kombiniert wird. „Die gestiegenen Energiepreise veranlassten uns zu dieser Entwicklung“, betont Geschäftsführer Bernd Kühnapfel. Für den Bauherrn sollten sich die Investitionsmehrkosten von rund 20 % binnen drei bis vier Jahren amortisieren. ELMAR WALLERANG

Von Elmar Wallerang

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