Bau 01.12.2000, 17:27 Uhr

Vorzeigeprojekt

In einem Modellprojekt saniert ein Chemiekonzern eine alte Arbeitersiedlung. Damit soll nicht nur die Wohnqualität verbessert werden. Es geht vor allem um Energieeinsparung durch neue Dämmtechniken, Belüftungs- und Heizkonzepte.

Die größte Energiequelle ist und bleibt die Einsparung – was platt klingt, hat einen wahren Kern: 70 % der Energie, die wir im privaten Haushalt nutzen, werden fürs Heizen benötigt, und „wenn man Altbauten nachträglich saniert, lassen sich damit gut 70 % an Heizenergie einsparen“, rechnet Dr. Jürgen Fischer vor, der bei dem Ludwigshafener Chemiekonzern BASF in der Geschäftseinheit Schaumstoffe tätig ist.
Der Altbausanierung komme inzwischen eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung des Energieverbrauchs zu, denn hier würden 95 % der gesamten Heizenergie verbraucht. Dabei fallen rund drei Viertel aller Gebäude unter die Rubrik Altbauten.
Dass ein Niedrig-Energie-Standard auch bei Altbauten zu realisieren ist, versucht die BASF an ihrem Standort Ludwigshafen in einer alten Arbeitersiedlung unter Beweis zu stellen. In den dreißiger Jahren entstand in unmittelbarer Nähe zum Werksgelände das sogenannte Brunckviertel mit rund 850 Wohneinheiten. Die Schäden des 2. Weltkrieges wurden mehr schlecht als recht ausgeglichen, so dass die zur BASF gehörende Wohnungsbaugesellschaft Gewoge vor der Alternative Abriss oder Generalsanierung stand. „Wir wollten den Wohnungsbestand qualitativ und quantitativ auf den künftigen Bedarf ausrichten“, begründet Dr. Wolfgang Schubert, Geschäftsführer der Gewoge, die Entscheidung für den Erhalt der Siedlung.
Bis zum Jahr 2007 sollen die rund 100 Mio. DM teuren Sanierungsmaßnahmen dauern. Von den ursprünglich 850 Wohneinheiten werden durch Grundrissveränderungen 500 Wohneinheiten übrig bleiben. Neben einer Verbesserung des gesamten Wohnumfeldes mit Verkehrsberuhigung, Grünanlagen und Spielplätzen und einer modernen Sanitärgestaltung im Innern wird vor allem an der bislang schlechten Energiebilanz der Gebäude gearbeitet.
Bisher lag hier der Heizenergieverbrauch im Jahr bei 200 kWh/m2 bis 300 kWh/m2 – dank verschiedener Baumaßnahmen soll er auf gut ein Drittel verringert werden. Da der Jahresenergieverbrauch von 10 kWh/m2 etwa dem Energieinhalt eines Liters Erdöl entspricht, redet man bei der BASF-Tochter auch gerne von einem „Sieben-Liter-Haus“, das im Brunckviertel zum Standard werden soll. Diese Verbesserung wird einerseits durch die konsequente Doppelverglasung nach dem heutigen Stand der Technik erreicht, andererseits durch einen 20 cm starken Vollwärmeschutz der Außenfassade mit Neopor. Als Fortentwicklung zu dem bisher verwendeten weißen Styropor bringt es Neopor auf eine deutlich reduzierte Wärmeleitfähigkeit, die den Grad der Wärmedämmung um gut 20 % erhöht. Dazu wurden in die Polystyrol-Schaumstoffmatrix Graphit-Partikel eingebaut, die den Dämmplatten eine granitgraue Farbe verleihen. Diese Graphit-Partikel absorbieren und reflektieren die durchgehende infrarote Strahlung und sorgen so für die verbesserte Isolationswirkung.
Als Vorzeigeobjekt dient innerhalb der Siedlung das „Wohnhaus der Zukunft, Prototyp 1“, gerne auch als „Drei-Liter-Haus“ bezeichnet. „Wir wollten beweisen, dass sich mit innovativen Produkten die Gesamtenergiebilanz eines Altbaus sinnvoll und bezahlbar optimieren lässt und wir so mit einem Verbrauch von lediglich 30 kWh/m2a auskommen“, heißt es bei der BASF.
Dieses Drei-Liter-Haus verfügt nicht nur über einen Vollwärmeschutz. So sind die mit Edelgas gefüllten Vinidur-Fenster dreifach verglast und bringen einen k-Wert von 0,8 W/m2K. Um die passive Nutzung der Sonnenenergie zu erleichtern, wurden die Fenster so weit wie möglich vergrößert und nach außen gesetzt, um den Schattenwurf des um 20 cm verdickten Mauerwerks zu verringern. Wie in Niedrigenergiehäusern üblich, sind alle Räume an eine spezielle Be- und Entlüftung angeschlossen. Dabei sorgt ein Wärmetauscher dafür, dass die ausströmende Luft 85 % ihrer Energie an die einströmende Luft abgibt.
Die Energieversorgung des Musterhauses erfolgt über eine erdgasgespeiste Polymer-Membran-Brennstoffzelle. Diese Form der Energiegewinnung gilt als besonders zukunftsträchtig, da praktisch völlig geräuschlos und emissionsarm Wärme und Strom erzeugt werden. Das Brennstoffzellenprojekt ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Kasseler Wingas GmbH, der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) und der Gewoge. Es wird über drei Jahre von der Fachhochschule Bingen und der Universität Kaiserslautern wissenschaftlich begleitet. Die Kosten von 500 000 DM übernehmen zu 70 % die Wingas, 20 % bezahlen die TWL und den Rest steuert die Gewoge bei.
Aufgrund der in dem Haus gewonnenen Erfahrungen hält es die TWL für möglich „zukünftig Brennstoffzellen überall dort einzusetzen, wo bereits Erdgas vorhanden ist“, gibt sich Vorstand Manfred Vogt optimistisch.
Die Anlage des amerikanischen Herstellers Dais-Analytic Corp. bringt es auf eine Leistung von 3 kW elektrisch und 8 kW thermisch. Geht der Strom-Bedarf der Hausbewohner darüber hinaus, muss das öffentliche Netz herhalten. Wird mehr produziert, fließt die Energie ins Netz. Um neben der thermischen Grundlast, die die Anlage liefern soll, auch Spitzen abzudecken, wurde ein gasbetriebener Brennwertkessel parallel geschaltet.
Auch die Mieter sollen von der Technik des Drei-Liter-Hauses profitieren können. Sie müssen im Jahr lediglich 0,50 DM/m2 pauschal für die Heizung entrichten – ein Preis, von dem Mieter vergleichbarer Wohnungen nur träumen können. MARTIN BOECKH/wip

Von Martin Boeckh/Wip

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