Bau 24.01.2003, 18:23 Uhr

„Viele geben den Traum vom Eigenheim auf“

Wenn im Verlauf einer Baurezession ein neues Jahr mit der Münchener „Bau“ beginnt, setzen meist für alle am Bau Beteiligten bessere Zeiten ein. Diesen Eindruck gewann man auf der „Bau “03″ aber kaum. Auf den Ständen der Aussteller gab es mehr skeptische als hoffnungsfrohe Stimmen, etliche Marktführer fehlten gar.

Die in München beheimatete „Bau“ gilt seit Jahren als Stimmungsbarometer für die Baukonjunktur. Oft markierte die weltweit führende Fachmesse gar den Wendepunkt zum Guten, wenn der Veranstaltungstermin zeitlich in die Endphase eines Konjunkturtals fiel. So blickten auch diesmal viele am Bau Beteiligten mit hoher Erwartungshaltung auf das Geschehen auf dem Münchener Messegelände, wo nach sechstägiger Dauer am 18. Januar die „Bau?“03″ ihre Tore schloss. Doch diesmal schlug allerlei Hoffnung fehl. Auf den Ständen der Messe und am Rande der Veranstaltung äußerte man sich zur Baukonjunktur wenig zuversichtlich. Häufigster Kritikpunkt: „Die Kürzung der Eigenheimzulage kommt zum absolut falschen Zeitpunkt.“ Dennoch gab es einige Besucher mit gezieltem Interesse.
„Die Baurezession in Deutschland geht mittlerweile in ihr achtes Jahr,“ betonte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. Am stärksten unter Druck stehe derzeit der Wohnungsbau, der die baukonjunkturelle Entwicklung in Deutschland noch bis 1999 gestützt habe. Im laufenden Jahr rechne man nochmals mit einem Umsatzrückgang in dieser Sparte von 5 %. Das sei nicht zuletzt deshalb bedauerlich, da der Wohnungsbau durch Folgeinvestitionen zahlreiche andere Branchen stimuliere, ergänzte in München Dr.?Ulrich Glaunach, Mitglied der Geschäftsleitung von Lafarge und Chef von Lafarge Roofing. In anderen Ländern werde dieser Effekt bewusst eingesetzt, um die Wirtschaft anzukurbeln, so in Frankreich oder Malaysia. Vor diesem Hintergrund komme die Kürzung der Eigenheimzulage zum falschen Zeitpunkt. Im Umfeld von Arbeitsplatzängsten, düsteren Wirtschaftsprognosen und steigenden Abgaben reiche dieser Beschluss bei vielen, sich vom Traum der eigenen vier Wände zu verabschieden. Die Besteuerung der Wertsteigerung von Immobilien und der erschwerte Aufbau einer privaten Altersversorgung belasteten die Kassen der privaten Haushalte weiter.
Falls der Bundesrat im März der geplanten Kürzung der Eigenheimzulage und den angekündigten Änderungen von Steuergesetzen zustimmen sollte, fürchten die deutschen Baustoff-Fachhändler gar einen weiteren Stellenabbau. „Wir werden dann um Entlassungen in größerem Umfang nicht herumkommen,“ warnte Max Schierer, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. Im vergangenen Jahr hatten dessen Mitglieder die Zahl ihrer Beschäftigten um 3,75 % auf 50347 abgebaut. Die Zahl der Verbandsmitglieder sank um 7,2 % auf 1239. Sollte der Bundesrat den Änderungen zustimmen, blieben zum Jahresende wohl nur noch 1000 Firmen übrig bleiben. Der Verband repräsentiert rund 85 % der deutschen Baustoff-Fachhändler. Nach neuester Umfrage hat sich der Umsatzrückgang im vergangenen Jahr verlangsamt. Die Erlöse gingen nach vorläufigen Angaben um 2,64 % (Vorjahr: 7,5 %) auf 14,8 Mrd.?) zurück. Für 2003 werde ein Umsatzrückgang von 5 % erwartet.
Wenig Hoffnung für das Baujahr 2003 zeigt auch der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie, Bonn. Wie Präsident Helmut Jacobi in München mitteilte, lasse sich der aufgrund der statistischen Halbjahreszahlen 2002 seinerzeit geäußerte Optimismus im gerade begonnen Jahr nicht aufrecht erhalten. „Die Meinung, dass die baukonjunkturelle Talsohle überwunden ist, erwies sich nach realistischer Wertung und aktuellen Hochrechnungen als Trugschluss.“ Den Gesamtwert der Ziegelproduktion in den ersten drei Quartalen 2002 beziffert das Statistische Bundesamt auf knapp 936 Mio.?). Es bedürfe keiner prophetischen Gaben, um zu erkennen, dass die Ziegelbranche in 2003 in allen relevanten Baudaten unter den Ergebnissen des Jahres 2002 liegen werde, so Jacobi. Dazu habe nicht zuletzt die Politik durch falsche Rahmenbedingungen in erheblichem Umfang beigetragen.
Die Zahl der deutschen Mauerziegelhersteller wird sich mittelfristig weiter verringern. „Die Überkapazitäten liegen zwischen 15 % und 20 %,“ so auf der „Bau 2003“ Kastulus Bader, geschäftsführender Gesellschafter der Leipfinger-Bader KG und Vorstandsvorsitzender der Unipor-Ziegel-Gruppe. Die Ertragslage in der gesamten Branche sei „sehr angespannt“. Die Mehrheit der Betriebe mache Verluste, so Bernhard Schlötzer, Geschäftsführer der Unipor Ziegel Marketing GmbH. Die Zahl der Mauerziegelwerke in Deutschland – derzeit rund 110 Unternehmen – werde mittelfristig um ein Drittel sinken. Die Unipor-Ziegel-Gruppe konnte 2002 trotz der Baukrise den Umsatz leicht auf 94,5 Mio.?) (Vorjahr 92,6 Mio.?)) steigern. Dazu hätten auch Preiserhöhungen von bis zu 3 % beigetragen, räumte das Unternehmen ein. Diese habe man vor allem im Norden Deutschlands durchgesetzen können.
Einzelne Markführer der Baustoffbranche – so Readymix und Heidelberger Zement – waren erst garnicht nach München gekommen. Auch die Besucherzahl ging zurück. 180 000 haben die „Bau 2003“ aufgesucht. Das sind 8?% weniger als vor zwei Jahren auf der „Bau 2001“. Dieter Schäfer, Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer und Vorsitzender des Ausstellerbeirats der „Bau“: „Dafür ist die Qualität der Gespräche mit den Messegästen gestiegen“. Dass die Verweildauer am Stand zumindest länger geworden ist, stellte auch Dr. Gerhard Büchtemann von der Lugato Chemie fest. Über gar mehr Kundenkontakte als vor zwei Jahren freute sich Thomas Lauritzen, Schüco International. Jochen Wenzel, Knauf: „Allein am 15. Januar hatten wir 1400 Kundenkontakte. Die Stimmung ist wohl besser als die Lage.“ Auch Dr. Helmut Hohenstein vom Institut Fenstertechnik (ift), Rosenheim äußert sich zufrieden: „Für die Sonderschau Intelligente Gebäudehüllen haben wir 40 Projektpartner gewinnen können.“
Die nächste „Bau“ lädt turnusgemäß vom 17. bis 22. Januar 2005 nach München. ELMAR WALLERANG

Von Elmar Wallerang

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