Bau 01.09.2000, 17:26 Uhr

Unsere Zukunft liegt in der Stadt

In rund 30 Jahren werden über 80 % aller Europäer in Städten wohnen. Bundesbauminister Klimmt und Bundesforschungsministerin Bulmahn wollen deshalb die Wohnqualität in unseren Cities mit einem neuen Förderprogramm wesentlich verbessern helfen.

Das Ziel ist ehrgeizig: „Mehr Wohnqualität für alle“ in Deutschlands Städten will die Bundesregierung in den kommenden Jahren erreichen. Als Instrument soll das neue Forschungsprogramm „Wie werden wir in Zukunft leben? Bauen und Wohnen im 21. Jahrhundert“ dienen. „Im Blickpunkt steht dabei vor allem die städtische Entwicklung“, erklärten Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und Bundesbauminister Reinhard Klimmt vorige Woche bei der Vorstellung des Programms in Berlin.
Beide wiesen darauf hin, dass im Jahr 2030 etwa 83% aller Menschen in Europa in Stadtregionen wohnen werden. „Wir brauchen eine städtische Entwicklung, die die soziale Integration aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigt und die Zukunftschancen junger Menschen durch ein geeignetes Wohnumfeld stärkt“, meinten die beiden Politiker. Das Forschungsprogramm ist bis zum Jahr 2004 mit rund 100 Mio. DM ausgestattet. Schwerpunkte sind zum einen eine Modernisierung vor allem der kleinen und mittleren Bauunternehmen durch neue Planungs- und Kommunikationsinstrumente. Zum anderen bezieht sich die Forschung auf langfristige Trends im Verkehrs- und Wohnungsbereich in Stadt und Region. Der Hauptakzent werde auf die Modernisierung und Instandsetzung bestehender Wohnbauten gelegt, sagte Klimmt.

Rationellere Bauverfahren für KMU fördern

Insgesamt ist es Ziel des Programms, die Integration von Wohnraum preiswerter, besser und zukunftsfähiger zu machen. „Es richtet sich an die Bau- und Wohnungswirtschaft, die öffentlichen Verwaltungen, Stadt- und Regionalplaner, Bauherren, wohnbezogene Dienstleistungsbetriebe sowie Bewohner- und Selbsthilfegruppen“, erklärten Bulmahn und Klimmt.
Ein wesentlicher Förderschwerpunkt des Programms wendet sich speziell an kleine und mittlere Bauunternehmen. Besonders gefördert werden sollen Verbundprojekte zur Entwicklung und Erprobung neuer Bauverfahren und -techniken, einschließlich organisatorischer Innovationen. Aufgrund vor allem rationellerer Fertigungsverfahren verfügten zum Beispiel Betriebe in den Niederlanden oder in Dänemark über einen enormen Kostenvorsprung gegenüber Firmen in Deutschland. Auch in den USA werde auf die Steigerung der Produktivität durch FuE-Maßnahmen in Schwerpunktbereichen wie etwa Informationstechnologie, Automatisierung in Design/Bauausführung/Betrieb, Komponentenstandardisierung und Ausbildung gesetzt. In Japan sammeln die Bauunternehmen durch die Entwicklung und Erprobung von Robotern in unterschiedlichen Anwendungsbereichen des Hochbaus ein enormes Know-how.
Deutschland liegt hier noch stark zurück. Rationalisierungspotenziale im Wohnungs- bzw. Hochbau seien bisher aufgrund der hierzulande üblichen Unikatfertigung an wechselnden Standorten begrenzt. „Hinzu kommt die Zersplitterung der überwiegend handwerklichen Arbeiten auf den Baustellen in verschiedene – nach- oder nebeneinander agierende – Gewerke“, heißt es in einem Papier des Bundesforschungsministeriums zu dem Programm. Abstimmungsprobleme zwischen Bauherren, Architekten und Bauunternehmen, die jeweils unterschiedliche Interessen in den Vordergrund stellen, führten häufig zu Reibungsverlusten, die einer rationellen Prozessgestaltung entgegenstünden. Infolge der Zersplitterung des Baugeschehens sei der computerunterstützte Informationsfluss- bzw. -austausch zwischen den verschiedenen Akteuren, zwischen Bauherren, Architekten, Planern, Konstrukteuren, Bauunternehmen und Nutzern mangels Kompatibilität der angewandten Systeme allenfalls bruchstückhaft vorhanden.
Das Papier kommt zu dem frustrierenden Ergebnis, dass eigene FuE-Ressourcen in kleinen und mittleren Unternehmen in der Regel nicht vorhanden und Kontakte zwischen baubetrieblicher Praxis und Forschung/Wissenschaft kaum entwickelt sind. Vor diesem Hintergrund will das neue Programm vor allem FuE-Vorhaben fördern, die zur Entwicklung geeigneter integrierter Planungs- und Koordinierungsmodelle auf der Basis neuer Informations- und Kommunikationstechniken führen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Forschungen zur Erhöhung des Vorfertigungsanteils sowie zur Entwicklung (teil-)automatisierter Bauverfahren und -techniken im Wohnungsbau.

Jeder 11. Beschäftigte in Deutschland arbeitet am Bau

Mit dieser Förderinitiative sollen die derzeitigen Bauwerkskosten deutlich gesenkt werden. Zugleich sollen die Möglichkeiten zur Einsparung von Energie beim Neubau sowie bei Arbeiten im Bestand stärker genutzt werden. Bulmahn und Klimmt sind überzeugt: „Das Forschungsprogramm wird erhebliche positive Effekte auf die Bautechnik im Hinblick auf die technisch-organisatorische Entwicklung haben.“ Schon allein aus diesem Grunde werde es große Bedeutung gerade für kleine und mittlere Unternehmen der Bauwirtschaft in Deutschland haben. „Fast jeder elfte Beschäftigte in Deutschland arbeitet in der Bauwirtschaft“, so der Bundesbauminister. „Um den weiteren Verlust von Arbeitsplätzen hier aufzuhalten, muss durch neue Technologien und Organisationsformen eine höhere Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden.“ THOMAS SCHULZE/wip

Von Thomas Schulze/Wip

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