Bau 13.06.2003, 18:25 Uhr

Transparenz als Omen

Vor wenigen Tagen weihte die Dresdner Bank ihr neues Hochhaus in Frankfurt ein. Der 136 m hoch aufragende gläserne Bau beherbergt 1550 Arbeitsplätze. „Transparenz“ war das Motto des gesamten Projektes – hoffentlich nicht nur für die Architekten.

Weithin sichtbar, nicht nur bei Tag, sondern vor allem in der Nacht, leuchtet das neue Hochhaus im Frankfurter Bankenviertel. Denn der Lichtkünstler James Turrell wird „Gallileo“ und auch den benachbarten alten Büroturm der Dresdner Bank in wechselnde Farbstimmungen tauchen.
Der Entwurf stammt von dem Offenbacher Architekturbüro Novotny Mähner Assoziierte und hatte sich 1997 in einem Wettbewerb gegen sieben andere Entwürfe durchgesetzt. Ausschlaggebend dabei war die Umsetzung des von der Bank vorgegebenen Mottos „Transparenz“.
Das Ergebnis wurde bereits vor der Eröffnung als gelungenes Beispiel für Stadtreparatur gewürdigt: „Gallileos“ L-förmiger, sechsstöckiger Sockel aus hellem Sandstein ist nun zusammen mit dem gegenüber liegenden Gründerzeitgebäude „Fürstenhof“ eine Art Eingangsportal der Frankfurter Kaiserstraße.
Die Fertigstellung des 190 Mio. ç teuren Hochhauses ermöglicht es der Dresdner Bank, ihre 9000 Mitarbeiter in Frankfurt bis 2004 auf nur noch zwei Standorte in der Stadt zu konzentrieren. Der Name „Gallileo“ verbindet die Adresse „Gallusanlage 7“ mit Galileo Galilei. Der italienische Naturwissenschaftler gilt als Symbol für Dynamik.
Bewegung wird es vor allem in den unteren Bereichen des Gebäudes geben: Im Keller findet das renommierte English Theatre sein neues Domizil. Im Foyer sind mehrere Geschäfte und Restaurants für das Publikum geöffnet.
Auch Passanten können sich einen Eindruck von den Kunstwerken im „Gallileo“ verschaffen. Den größten Raum des Gebäudes, den 18 m hohen, gewinkelten und glasüberdachten Lichtgraben vor dem eigentlichen Hochhausteil, prägt die interaktive Licht-Installation der gebürtigen Tschechin Magdalena Jetelová. Das Besondere sind „mitlaufende“ Lichteffekte, die stets dort aufleuchten, wo Stege oder Treppen zwischen den sechs Stockwerken betreten werden. Das Licht kommt aus meterlangen Leuchtstoffröhren und „geht“ so schnell oder langsam wie der Mensch, der gerade eine bestimmte Stelle passiert. Oder es bleibt mit ihm stehen. Im Eingangsbereich findet eine 3 m hohe Skulptur des Düsseldorfer Bildhauers Tony Cragg ihren Platz.
Der amerikanische Lichtkünstler James Turrell hat den Auftrag, allnächtlich den Aufzugschacht des neuen Hochhauses „Gallileo“ und die beiden Treppenhäuser des aus den 70er Jahren stammenden benachbarten Turms zu illuminieren – aber nicht einfach in einer Farbe. Binnen ein bis zwei Stunden können geduldige Beobachter kaum merkliche Farbverläufe beobachten, die die Häuser fast wie lebende Organismen wirken lassen. Neben dem „Grünen Programm“ gibt es auch andere Farbstimmungen. In dem gläsernen Treppenhaus des „Gallileo“ gleichen die Menschen vor den Liften einem indonesischen Schattenspiel.
Doch auch die Umweltbilanz lässt sich sehen: „Gallileo“ ist 30 % ressourcenschonender als Glasbauten mit konventioneller Energietechnik, behaupten jedenfalls die Erbauer. Eine Neuheit ist die Glasfassade. Die Elemente der über 4000 einzelnen Fenster bestehen aus je zwei Scheiben 10 mm starken Isolierglases, deren 16 mm breiter Zwischenraum ist mit Argon gefüllt.
Diese Konstruktion erfüllt gleich mehrere Ziele: Viel Tageslicht soll in die Räume, es darf aber nicht zu warm werden. Die Sonne soll herein scheinen, aber nicht blenden. Die Fenster müssen sich auch noch im obersten Stockwerk öffnen lassen und selbst bei einem Wolkenbruch oder Orkan soll alles schön dicht halten. Und stabil sollen die raumhohen Scheiben auch noch sein. Darüber hinaus darf das Glas an der Südfassade nicht spiegeln, sonst hätte der nahe gelegene Flughafen alle Maschinen doppelt auf dem Radarschirm. Hier ist die Fassade extra mit Wolframfäden beschichtet und bleibt trotzdem durchsichtig.
Noch entscheidender für das Klima in einem Hochhaus ist das Wärme/Kältesystem. Denn aufgeheizt wird solch ein Glasbau nicht nur von der Sonne, sondern auch von den bis zu 2000 Menschen und den vielen Elektrogeräten.
Daher hat man in den Betondecken und -stützen Wasserrohre verlegt. Sie nehmen die überschüssige Raumwärme auf, leiten sie in Kellertanks, wo in einem integrierten System je nach Bedarf Wärme oder Eis erzeugt und gespeichert werden kann. Im Sommer ist es gut möglich, dass sowohl die Wärme- wie auch die Eisspeicher voll sind. Umgekehrt benötigt man in einem kalten Winter vielleicht zusätzliche Energie. In beiden Fällen schlägt die Stunde der bis zu 48 m in die Erde ragenden Pfähle, mit denen „Gallileo“ verankert ist. Über sie kann überschüssige Wärme ins Erdreich geleitet und dort gespeichert bzw. im Winter aus konstant 17 °C Bodentemperatur wieder nach oben geleitet werden. wip

Von Wip

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