Bau 14.07.2000, 17:26 Uhr

Sparsam muss nicht langweilig sein

Einfamilienhäusern mit sehr geringem Heiz-Energieverbrauch liegen häufig – aus Sparsamkeitsgründen – einfache geometrische Formen zugrunde, kurz, sie sind oft langweilig. Mit einem Demonstrations- projekt in Celle will das Fraunhofer-Institut IBP jetzt beweisen, dass dies nicht sein muss und hofft auf den Zugang zum Massenmarkt.

Ausgelöst durch die Ölkrisen der 70er Jahre entwickelte sich das energiesparende Bauen rascher als erwartet. So konnte der Energieverbrauch bei Neubauten in wenigen Jahren um bis zu 80 % reduziert werden, sogar Null-Heizenergiehäuser sind heute möglich.
Mit den 3-Liter-Häusern in Celle wird nun, da ist man sich beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart sicher, eine neue Stufe des energieeffizienten Bauens erreicht. Der ohnehin schon geringe Verbrauch der bisherigen Niedrigenergiehäuser wird damit noch einmal halbiert. Das Demonstrationsprojekt will an unterschiedlichen Gebäudekonzepten belegen, dass minimaler Energieverbrauch – ohne bedeutende Mehrkosten und ohne Komforteinbußen – für den breiten Einsatz praxisreif ist.
Mit den seit 1979 erlassenen drei Wärmeschutzverordnungen gelang es, den Energiebedarf von Neubauten drastisch zu senken. Die geplante Energiesparverordnung reduziert die Grenzwerte weiter. Dadurch wird das Niedrigenergiehaus zum Standard. Um darüber hinaus weitere Potentiale erschließen zu können, hat das Stuttgarter Fraunhofer-Institut bereits in einer Reihe von Pilotvorhaben gezeigt, dass vom Ultra-Niedrigenergiehaus bis zum Null-Heizenergiehaus alles möglich ist.
Die Ultra-Niedrigenergiehäuser oder 3-Liter-Häuser, wie sie in Anlehnung an 3-Liter-Autos genannt werden, halbieren den Energiebedarf von Niedrigenergiehäusern noch einmal. „Solche Gebäude verbrauchen im Jahr weniger als 30 kWh/m2. Das entspricht etwa drei Litern Heizöl pro Quadratmeter“, erklärt Hans Erhorn vom Institut für Bauphysik IBP. Ein heute konventionell errichtetes Einfamilienhaus verbraucht mit etwa 100 kWh/m2 drei Mal soviel Heizenergie, von Altbauten ganz zu schweigen.
Ein Demonstrationsvorhaben in Celle soll nun darüber Aufschluss geben, ob sich solche Ultra-Niedrigenergiehäuser in verschiedenen Varianten realisieren lassen. Über 40 Industriepartner sind an diesem Projekt beteiligt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird. Mitte Mai 2000 fand der Spatenstich für den Bau der elf Häuser statt, die alle maximal drei Liter Heizöl pro m2 und Jahr zum Heizen benötigen. Die Bauentwicklungsgesellschaft W+H aus Munster fungiert als Bauträger. Arbeitsgruppen aus Architekten, Fachingenieuren und Bauphysikern des IBP entwickelten getrennt und in Konkurrenz zueinander unterschiedliche Gebäudekonzepte. Das IBP hat als wissenschaftlicher Gesamtkoordinator die einzelnen Arbeitsgruppen bei der energetischen Optimierung beraten.
Später wird das IBP umfassende Messsysteme installieren, um die gesamte Energiebilanz der Häuser im bewohnten Zustand über drei Heizperioden zu messen. Nur so können die Einflüsse der verschiedenen Maßnahmen auf die tatsächliche Energiebilanz ermittelt werden. In der abschließenden Auswertung werden alle Ergebnisse des Wettbewerbs dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die elf Häuser – vier Doppelhäuser und drei Einfamilienhäuser – lassen sich in sechs Typen zusammenfassen:
Das Massiv-Aktiv-Haus
Diese Variante ist ein kompaktes Doppelhaus in energieoptimierter Ziegelbauweise. Besondere Komponenten sind hocheffiziente Fenster, eine 30 cm dicke wärmebrückenfreie Aufsparrendämmung, die solar unterstützte Brennwerttechnik mit Wandheizsystemen und unterschiedlicher Lüftungstechnik.
Das low-E-Haus
Dieses wohnflächenoptimierte Doppelhaus zeichnet sich insbesondere durch die emissionsminimierte Heiztechnik aus. Hinzu kommen effiziente Lüftungstechnik und unterstützende Solartechnik, neu entwickelte, hocheffiziente Fenster, optimierte transparente und opake Wärmedämmverbundsysteme. Eine Haushälfte erhält einen wärmepuffernden Wintergarten, die andere eine „solaroptimierte“ Fassade.
Das Wohntrapez-Haus
Bei diesem Doppelhaus liegen alle Wohn- und Aufenthaltsräume im Süden und die untergeordneten Räume im Norden. Durch den trapezförmigen Grundriss und das nach Norden geneigte Pultdach wird erreicht, dass die Nordfassade 38 % weniger Fläche erhält als die Südfassade. Speziell entwickelte Lichtkeile in den Fenstern sorgen für ein optimale Nutzung des Tageslichts.
Das Solar-Haus
In diesem kompakten Doppelhaus steht die optimale Ausnutzung der Solarenergie im Vordergrund. Aufeinander abgestimmte passive, hybride und aktive Solarsysteme sollen den Energiebedarf weitgehend decken. Wärmebrückenfreie und luftdichte Bauteilanschlüsse sowie energieeffiziente Anlagentechnik ergänzen das Hauskonzept.
Das Millennium-Haus
Davon werden zwei unterschiedliche Einfamilienhaustypen in Holzständerbauweise entwickelt. Die Gebäude besitzen ein symmetrisches Grundrisskonzept und sind konsequent südorientiert. Sie sind transparent und „luftig“ – ein Modell für großzügiges, offenes Wohnen. Energieoptimierte Bauteile und Anlagentechniken sind in das Gesamtkonzept integriert.
Das Passiv-Haus
Das kompakte Einfamilienhaus mit gewölbtem Pultdach und südorientierten Fensterelementen sorgt für eine optimierte passive Sonnenenergienutzung im Haus. Planer und Hersteller haben gemeinsam ein innovatives Hauskonzept entwickelt, das sich durch hocheffiziente Fenstersysteme, hochwärmedämmende Bauteile und integrierte Haustechnik auszeichnet. Die Fachleute schauen gespannt auf die 3-Liter-Häuser in Celle. Denn mit diesem Vorhaben treten die Ultra-Niedrigenergiehäuser aus dem Schatten der Pilotprojekte in den Massenmarkt. Und dann ist der letzte Schritt zu Null-Heizenergiehäusern für ein breites Publikum nicht mehr weit. wip

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