Bau 07.07.2006, 19:22 Uhr

Solarhäuser von der Stange  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 7. 06, mg – Der Solarboom geht auch an den Fertighäusern nicht vorbei. Immer mehr der vorfabrizierten Gebäude werden von vornherein mit Solarkollektoren und Photovoltaik-Elementen ausgerüstet. Damit lässt sich nicht nur der Eigenbedarf an Energie decken, sondern zudem meist noch Strom lukrativ ins Netz einspeisen.

Eigenheimbesitzer und Bauherren setzen zunehmend auf Solarenergie. Auch Fertighausanbieter verzeichnen ein steigendes Interesse an erneuerbaren Energien und richten sich auf den Solarboom ein. Immerhin 14 % aller neu gebauten Häuser in Deutschland wurden 2005 als Fertighäuser gebaut. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, Gerhard Glenewenkel, geht davon aus, dass in fünf Jahren in Deutschland sogar 20 % aller Neubauten in Fertigbauweise erstellt werden.

1000 Eigenheime errichtete alleine der schwäbische Fertighaushersteller SchwörerHaus im letzten Jahr. „Inzwischen statten wir 70 % unserer Häuser mit erneuerbaren Energiesystemen aus“, erklärt Geschäftsführer Johannes Schwörer. „Die Hälfte davon nutzt Solarenergie.“ Die Verwendung wärmeisolierender Materialien und der Baustoff Holz machen die meisten Fertighäuser per se zu Niedrigenergiehäusern. Der jährliche Energiebedarf liegt im Schnitt bei nur rund 5 l Heizöl pro m² Fläche, wodurch ein Fertigbau fast ganzjährig mit Solarenergie beheizt werden kann.

Jade-Haus aus Nordhorn erzielt mit dem Integralsystem THD 200/300 SOL mit Solarkollektoren bei seinen Fertighäusern eine Unterschreitung des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs nach der Energiesparverordnung (EnEV) um bis zu 20 %. Die Kombination von Wärmepumpe, Lüftungs- und Solaranlage ist sogar dreifach effektiv: Sie unterschreitet die EnEV-Grenze um bis zu 50 %.

Auch der Fertighaushersteller Weberhaus setzt mit seinem neuen „WeberHaus PlusEnergie“ auf ein optimales Zusammenspiel von Photovoltaik bzw. Erdwärme und Wärmedämmung. Das 158 m2 große Energiesparwunder, das in verschiedenen Architekturvarianten erhältlich ist, unterschreitet die EnEV um 75 %. Die Kraft der Sonne versorgt das schlüsselfertige, 277 500 € teure Haus jedes Jahr mit mehr Strom, als es braucht, so dass die erzeugte Energie ins Stromnetz eingespeist und vom Netzbetreiber vergütet wird.

Auf dem Dach des PlusEnergie-Hauses ist eine 5,2-kW-Photovoltaikanlage von Kyocera installiert, die im Raum Karlsruhe je 1 kW Leistung jährlich rund 900 kWh Solarenergie produziert und damit 2424 € an Einspeisevergütung pro Jahr erwirtschaftet. Und das 20 Jahre lang. „Durch die Entwicklung der Energiepreise verzeichnen wir eine ständig steigende Nachfrage nach solchen Häusern“, weiß Mario Jaksic, Produktmanager bei Weberhaus.

Schon Mitte der 90er Jahre setzte Weberhaus mit dem „Övolution“-Haus des Architekten Rolf Disch auf ökologische Baukonzeption. Dieses Haus, das energietechnologisch ständig weiter entwickelt worden ist, verfügt über eine ausgeglichene Energiebilanz und produziert genau so viel Energie, wie es verbraucht. „Övolution plus“ weist einen Heizwärmebedarf von nur 18 kWh pro m² und Jahr auf. Die 40 m² großen Solarkollektorenfelder auf dem Süddach liefern ausreichend Wärme, die in einem 20 m³ großen Wassertank im Keller gespeichert wird.

Ein zusätzlicher Saisonspeicher ermöglicht es, die Sonnenenergie des Sommers für den Winter zu nutzen: Im Winter gibt das warme Wasser im Tank Energie ab, die die Warmwasserbereitung und die Heizung unterstützt. Zudem wandeln insgesamt 27,9 m² große 3-kW-Photovoltaik-Module auf dem Dach die Energie der Sonne mittels Solarzellen in elektrischen Strom um, der dann ins Stromnetz des Hauses eingespeist wird. Der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und bringt den Hausbesitzern bares Geld. „Das Konzept ist so einleuchtend, dass man sich fragt, warum überhaupt noch konventionell gebaut wird“, äußert sich Fußballtrainer Volker Finke, der selbst in einem Plusenergiehaus wohnt. EDGAR LANGE

Energiepreise beleben Nachfrage nach Solarhäusern

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