Bau 01.07.2005, 18:39 Uhr

Rohrleitungsbau vor großen Problemen

Belegschaften schrumpfen, kleinere Firmen wandeln sich in reine Ingenieurbüros. Nach dem Vorbild der Baufirmen erledigen dort weitgehend Subunternehmer die Arbeit. Dieser scharfe Anpassungsdruck hat bei vielen Rohrleitungsbauern das Eigenkapital schmelzen lassen. Aufträge aus dem Bau neuer Kraftwerke könnten an den heimischen Spezialfirmen vorbeigehen.

Bis zum Jahr 2020 muss jedes dritte Kraftwerk in Deutschland stillgelegt und durch einen Neubau ersetzt werden. 5 Mrd. € für neue Kraftwerke haben die Stromversorger allein in Nordrhein-Westfalen (NRW) in den kommenden sieben Jahren fest verplant – doch die Aufträge für den Rohrleitungsbau könnten weitgehend an den heimischen Spezialfirmen vorbeigehen.

Die Unternehmen dieser Traditionsbranche werden von zwei Seiten in die Zange genommen: Sie mussten in den vergangenen Jahren bei knappen Aufträgen und Überkapazitäten gegeneinander konkurrieren. Neue Aufträge werden zudem per Internet-Auktion europaweit ausgeschrieben.

Die Zahl der Großbetriebe in NRW, die Baustellen in ganz Deutschland betreuen, sank von 21 im Jahr 2000 auf 14 im Jahr 2003, so eine Erhebung des NRW-Landesamts für Datenverarbeitung und Statistik (LDS). Während die IG Metall den Rohrleitungs-Betrieben im engeren Sinn rund 5000 Mitarbeiter zurechnet, kommen die Landesstatistiker auf 9669 Männer und Frauen, die – weiter gefasst – in diesem Wirtschaftszweig arbeiten. Auch wenn die Abgrenzung schwierig ist: Die LDS-Zahlen bedeuten ein Minus von knapp 4000 gegenüber dem Jahr 2000.

Dieser scharfe Anpassungsdruck hat bei vielen Rohrleitungsbauern das Eigenkapital zusammenschmelzen lassen. Die Belegschaften schrumpften, kleinere Firmen wandelten sich in reine Ingenieurbüros. Nach dem Vorbild der Baufirmen erledigen dort weitestgehend Subunternehmer die handwerkliche Arbeit. Anwendungs-Know-How, das sich aus dem alltäglichen Arbeitsumgang entwickelt, gehe so verloren oder würde von externen Firmen gesammelt, beklagt die IG Metall. Die Gewerkschaft weist auch auf die Sicherheitsanforderungen vor allem in Kraftwerken und Chemiebetrieben hin. Bei Schweiß- und Montagearbeiten gebe es erhebliche qualitative Unterschiede.

Beim Poker um künftige Aufträge müssen heimische Spezialbetriebe gegen europäische Konkurrenz antreten. Sie selbst haben bereits in der Randbelegschaft häufig ausländische Handwerker eingestellt, die nur 8 € je Stunde verdienen oder solche Löhne noch unterbieten. Deutsche Fachkräfte konkurrieren mit Stundenlöhnen von 25 € gegen diese Mitarbeiter. „Es gibt aktuell einen erheblichen Druck auf die Stammbelegschaften und den Bundesmontagetarif“, berichtet Detlev Wetzel, IG-Metall-Chef von NRW. „Ob durch die Investitionen in den Kraftwerksbau etwas Erleichterung eintreten wird, ist wegen des durch Internetauktionen ausgelösten Preiswettbewerbs fraglich.“

Heinz-J. Bontrup, Professor der FH Gelsenkirchen, sieht als wesentliche Ursache für die aktuellen Probleme der Branche Fehlentwicklungen in den 90er-Jahren. Während in den Zeiten vor der Liberalisierung der Energiemärkte die Techniker den Standard der Kraftwerke, aber auch den der Chemieanlagen bestimmten und sie durch eigene Handwerker warten und errichten ließen, hatten anschließend die Kaufleute das Sagen. „Die Rohrleitungs-Abteilungen wurden ausgegliedert und konnten als eigene Firmen garantierte Aufträge abarbeiten“, berichtet Bontrup.

Ein prominentes Beispiel dafür ist der Essener Hochdruck-Rohrleitungsbau (EHR) mit 1000 Beschäftigten an zehn Standorten. EHR wurde im Rahmen eines Management-Buy-Outs aus der Mannesmann-Gruppe herausgekauft. Wie bei den Essenern brachte diese Umorganisation für die Mitarbeiter zunächst kaum Veränderungen – abgesehen vom „neuen“ Arbeitgeber. „Doch in den folgenden Jahren wurden die Investitionen und Wartungen der früheren Muttergesellschaften auf ein Minimum heruntergefahren“, berichtet Bontrup. „Dieses niedrige Niveau soll nun offensichtlich bei den Neubauten fortgeschrieben werden.“

Ein Beispiel könnte dafür „Walsum 10“ werden, ein neues Steinkohlekraftwerk, das die Steag in Duisburg plant. Erklärtes Ziel ist es, diese Anlage mit hohem technischen Standard möglichst billig zu errichten – auch durch das weltweite Ausschreiben von Bauteilen und Montagearbeiten. Ursprünglich sollte das nächste NRW-Kraftwerk als Referenz-Kraftwerk technische Bestmarken setzen. Jetzt – so scheint es – soll es vor allem billig werden und würde damit den Niedergang einer Hightech-Branche befördern. MARTIN ROTHENBERG

Von Martin Rothenberg

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