Bau 09.05.2003, 18:25 Uhr

Riese schaufelt Kalkstein

Geschwindigkeit spielt auch bei der Gesteinsgewinnung für die Zementherstellung eine Rolle. So wurde jetzt für den Kalkabbau im Steinbruch eines Zementwerks bei Rosenheim ein Großradlader angeschafft, der zur Brecher-Beschickung in flinken Arbeitsspielen gesprengtes Haufwerk schnellen Muldenkippern übergibt.

Zement ist ein hydraulisches Bindemittel, das aus Gestein gewonnen wird und in Verbindung mit Wasser sowohl an der Luft als auch unter Wasser wieder zu Stein erhärtet. Rohstoffe sind Kalkstein und Mergel oder Ton, die in Steinbrüchen abgebaut werden. Das Zementwerk in Rohrdorf bei Rosenheim setzt in seinem angegliederten Steinbruch seit neuerem einen Großradlader ein, der den hier gewonnenen Kalkstein in schnellen Arbeitsgängen auf Muldenkipper hievt. Aufgrund seiner Mobilität wurde der Radlader den sonst vielfach in Steinbrüchen angetroffenen Großbaggern vorgezogen.
Das zur Rohrdorfer Baustoffgruppe gehörende Zementwerk in Rohrdorf hat eine Jahreskapazität von rund 1,2 Mio.?t Zement. Jetzt musste man hier in die bisherige Gewinnungskette investieren und entschied sich für einen Radlader mit 11,5 m3 großer Schaufel. Das in Japan gefertigte Großgerät des Herstellers Komatsu mit der Bezeichnung „WA800-3 avance“ war von vornherein für die stationäre Gewinnungsindustrie vorgesehen. So kann der Radlader im Rahmen des Abbaufortschritts Muldenkipper der 100-t-Klasse beladen, aber auch Material in große Schreitbrecher aufgeben.
Im Steinbruch des Rohrdorfer Zementwerks wird das gesprengte Haufwerk direkt an der Wand sogenannten Starrrahmenkipper übergeben, die das Gestein zum 500 m weit entfernten Hammerbrecher transportieren. Speziell die Schnelligkeit des Ablaufs hat Heinrich Rodlmayr, Mitglied der Geschäftsführung des Rohrdorfer Zementwerks, von der Leistungsfähigkeit des Großradladers „WA800-3 avance“ überzeugt. Im August letzten Jahres sei die Notwendigkeit eines schnellen Entnahme- und transportsystem überdeutlich geworden, erinnert sich Rodlmayer. Dietmar Buss, Geschäftsführer von Kuhn-Baumaschinen in Ebersberg: „Nach Gerätebesichtigungen und Gesprächen mit den Betreibern und Fahrern wurde allen klar, dass die Radladertechnik einen reibungslosen Ablauf im Steinbruch garantiert.“ Weitere Vorteile: die Zuverlässigkeit des Großgeräts und die Betreuung durch eine serviceorientierte Baumaschinenvertretung.
Anfang März wurde der 100 t schwere Großradlader an das Zementwerk in Rohrdorf übergeben. Er verfügt über eine speziell für den Kalksteinumschlag konzipierten Schaufel. Angetrieben wird der Lader von einem 603?kW starken Zwölf-Zylinder-Motor mit 30,5 l Hubraum. Der von Kuhn-Baumaschinen als „Gigant von Rohrdorf“ bezeichnetet Radlader ist 13,7 m lang, 5,2 m hoch und 4,6 m breit. Das Standard-Hubgerüst hat Komatsu für die Beladung von Hinterkippern der 80-t- bis 100-t-Klasse konzipiert, die bereits innerhalb drei bis vier Arbeitsspielen gefüllt sind.
Viergang-Lastschaltwendegetriebe für Geschwindigkeiten bis zu 35 km/h gehören ebenso zum Antriebsstrang wie die beiden Heavy-Duty-Außenplanetenachsen und die wartungsfreien hydraulischen Lamellenbremsen im Ölbad an den vier Rädern. Zwei Axialkolbenpumpen mit bis zu 320 bar Druck versorgen Lenkung und Arbeitsausrüstung mit Hydrauliköl. Für das Heben der beladenen Schaufel wird ein Zeitraum von lediglich 11?s benötigt. Das sei wichtig für kurze Ladespiele, erläutert Buss. Die doppeltürige Kabine entspricht der ISO 3471 mit Roll Over Protective Structure (ROPS) gemäß SAE J1040c und Falling Object Protective Structure (FOPS) gemäß ISO 3449. Die klimatisierte Kabine ruht auf Hydrolagern und ist geräuschgedämpft. Lpa: 77 dB(A). Lenkrad und Joysticklenkung sind ebenso vorhanden wie ein Monitor zur Überwachung sämtlicher Maschinenparameter.
„Bereits bei der Montage des Großradladers im Zementwerk Rohrdorf arbeiteten die Kuhn-Großgerätespezialisten und der künftige Fahrer eng zusammen“, erinnert sich Buss. „Man lege Wert darauf, dass sich die technische Leitung des Kunden, die Werkstattmitarbeiter und unsere Monteure frühzeitig kennen lernen, um gemeinsam die technologischen Besonderheiten der Maschine auch im Detail kennen zu lernen. Auch gelte es, die Kundendienstarbeiten fachgerecht beurteilen zu können. „Service, Ersatzteilversorgung und Instandhaltung sind bei Maschinen wie dem WA 800 von großer Bedeutung,“ unterstreicht Buss. Der Radlader sei das „Schlüsselgerät“ und müsse eine Verfügbarkeit von mehr als 95?% sicherstellen. Kuhn-Spezialisten aus Ebersberg, Salzburg oder Innsbruck sind in der Tat nur 50 km bis 70 km entfernt und innerhalb einer Stunde vor Ort. Die Rohrdorfer Gruppe beschäftigt 1300 Mitarbeiter und ist in die Sparten Zement, Transportbeton und Betonfertigteile sowie Sand und Kies gegliedert. E. W.

Von E. W.

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