Unternehmen 30.10.2009, 19:43 Uhr

Ressourceneffizienz am Bau als verdrängte Führungsaufgabe  

Ressourcen- und Energieeffizienz ist für viele mittelständische Unternehmen ein schwieriges Thema. Anders beim Bauunternehmen Rhomberg: Dort werden nur Führungskräfte eingestellt, die das Prinzip der Ressourceneffizienz verstanden haben. VDI nachrichten, Frankfurt, 30. 10. 09, Fr

„Gut geführte mittelständische Unternehmen brauchen keine Nachhilfe bei dem Thema Unternehmensverantwortung“, sagt selbstbewusst Hans Bauerfeind, Chef des gleichnamigen Herstellers medizinischer Hilfsmittel aus dem thüringischen Zeulenroda. Er meint vor allem Familienunternehmen, die eine starke „Sozialverpflichtung des Eigentums“ spüren und ihr Geschäft mit „Seele“ betreiben. Corporate Social Responsibility (CSR) lebten diese jeden Tag und brauchten es nicht erst bei Managementseminaren zu lernen.

In vielen Fällen richtig, doch inwieweit ist Nachhaltigkeit für Klein- und Mittelständler auch ein Treiber für Innovationen? Hinsichtlich Ressourcen- und Energieeffizienz sind erhebliche Zweifel angebracht: Unternehmen könnten mindestens 20 % ihrer Ressourcen leicht einsparen. „Sie tun es aber nicht“, sagt Johannes Auge, Geschäftsführer von Baum Consult in Hamm. Das summiere sich volkswirtschaftlich auf einen dreistelligen Milliardenbetrag.

Warum geschieht aber nicht, was wirtschaftlich wie ökologisch sinnvoll und zudem leicht machbar ist? „Es ist derart einfach, dass wir es nicht mehr sehen“, erklärt Hubert Rhomberg, Geschäftsführer des Bauunternehmens Rhomberg im österreichischen Bregenz den Widerspruch. So sei im Bausektor, der den höchsten Ressourcen- und Energieverbrauch von allen Branchen hat, die Verschwendung immer noch hoch. „Auf Baustellen wird 25 % Abfall produziert, doch die Baubranche ist rationalisierungsresistent“, weiß Rhomberg.

In seinem Unternehmen will er das ändern. Inzwischen gewinnt es bis zu 50 % der Baumaterialien aus recycelten Sekundärrohstoffen. Und nun hat er das Ziel „Null Abfall“ ausgerufen. Das sei nur zu schaffen, wenn die Mitarbeiter mitzögen. „Sie müssen aber anspruchsvolle Ziele setzen, damit sie bewusst Widerstand erzeugen. Nur dann kommen die notwendigen Denkprozesse in Gang“, sagt der Bauunternehmer, der auch mit Friedrich Schmidt-Bleek zusammenarbeitet, einem renommierten Chemie-Professor, der sich dafür stark macht, die Ressourcenproduktivität um den höchst ehrgeizigen Faktor 10 zu verbessern.

Hubert Rhomberg stellt deshalb nur noch Führungskräfte ein, die das Prinzip der Ressourceneffizienz verstanden haben. Dies bedeute, ganz anders zu denken: „Man muss den Nutzen und nicht das Produkt in den Mittelpunkt stellen.“ So könne Bauschutt teils direkt auf der Baustelle sinnvoll verwendet werden, z. B., um einen Hang abzusichern oder eine Terrasse anzulegen.

Neu gedacht hat auch Michael Raß, Chef der Teutoburger Ölmühle in Ibbenbüren. Er hatte die Idee, ein kalt gepresstes Rapsöl herzustellen und die Rapssamen vorher zu schälen, sodass nicht erst hinterher, wie bei der industriellen Heißpressung, die Schalen aufwändig entfernt werden müssen. Er bot seine Innovation einem großen Lebensmittelkonzern an, doch der winkte ab: Dafür gäbe es keinen Markt. Unbeirrt baute Raß 2001 eine eigene Ölmühle, zunächst mit Fördergeldern. Heute ist das Unternehmen unabhängiger Marktführer, beschäftigt 120 Menschen, wuchs 2007 um 33 % und heimste als erste energieautarke Rapsölmühle Innovationspreise ein.

Man müsse aber nicht gleich eine Firma gründen, um Ressourcen effizienter zu nutzen, doch man müsse „sich und andere irritieren und auch was riskieren“, sagt Raß. Denn 90 % dessen, was in Unternehmen passiert oder unterlassen wird, „habe psychologische Ursachen“, meint Michael Langerfeldt, der mit seiner Firma Flocodon in Unternehmen Prozesse zur Verbesserung der Ressourceneffizienz anschiebt. „Mitarbeiter stimmen sich häufig nicht ab, sondern blockieren sich gegenseitig. Als Externer können Sie daher oft mehr bewegen.“

Zudem gibt es im Mittelstand immer noch Informationsdefizite. Darum rät Johannes Auge, Effizienzprozesse nicht nur technisch anzupacken. Es brauche vor allem jemanden, der sich kontinuierlich um nachhaltige Innovationen kümmert – eine Funktion, die Mittelständler meist erst schaffen müssen. Diese Leute brauchten soziale Kompetenzen und müssten zwischen Abteilungen vermitteln können. Denn Fragen der Ressourceneffizienz, wie die des nachhaltigen Wirtschaftens generell, sind Querschnittsthemen. Folglich haben diese Fähigkeiten in den Ökoprofit-Projekten, die Baum Consult u. a. in Wuppertal, Solingen und Remscheid anbietet, großen Stellenwert. HEIKE LEITSCHUH

Ein Beitrag von:

  • Heike Leitschuh

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