Bau 08.07.2005, 18:39 Uhr

Peinlich ja, aber kein Dachschaden  

Die Dachkonstruktion des Frankfurter Stadions erntete Kritik. Bei extremem Starkregen gab es einen Wassereinbruch beim Finale des Confederations Cup. Doch hat das Dach die Partie vor dem sicheren Abbruch bewahrt.

Brasilien zauberte und Argentinien verteidigte. Anders hätte das Finale des Confed Cup am vorletzten Mittwoch in Frankfurt auch gar nicht laufen dürfen. Denn die rechte Angriffsseite der Argentinier war durch einen Wasserschaden lahm gelegt: Aus dem nagelneuen Dach des umgebauten, ehemaligen Waldstadions ging während der gesamten zweiten Halbzeit ein Wasserfall aufs Spielfeld nieder. Doch was wie eine bös verunglückte Generalprobe des WM-Stadions aussah, war das genaue Gegenteil: gut durchdachte Ingenieurkunst. Denn das Wasser entwich aus dafür vorgesehenen Überläufen. Wenn sich auf der nur 0,8 mm dicken Dachmembran Wasser sammelt, etwa weil die regulären Abflüsse verstopft sind, soll es durch die ca. 30 cm2 großen Löcher abfließen – eine Schutzmaßnahme für die hauchdünne Membran.

Das während des Finales in Frankfurt tobende Unwetter, das den Großflughafen der Metropole für eine Stunde lähmte, brachte mit seinem extremen Starkregen am Stadiondach eine Montagepanne zum Vorschein: Die Stahlseile, in denen die bewegliche Dachmembran eingehängt ist, waren in einer Ecke zu schwach gespannt. „Der Spannprozess stand unter großem Zeitdruck und ist nicht korrekt gelaufen“, räumte die Gruppe Max Bögl, Generalunternehmer des Stadionumbaus, gegenüber den VDI nachrichten ein. Plausibel, denn obwohl das Ringseildach symmetrisch ist, sammelte sich nur in einer Ecke Wasser, in den anderen kam es zu keinen Problemen.

Die verantwortlichen Ingenieure des Büros Schlaich Bergermann & Partner und die Ingenieurgemeinschaft Flächentragwerke (IF) waren erleichtert, dass das Dach trotz der Montagepanne dem Unwetter so gut getrotzt hat. Im betroffenen Eckteil mit ca. 15 m Spannweite hätten sich einige 1000 l Regenwasser gesammelt, schätzte IF-Ingenieur Reiner Essrich. Er sei froh, dass die Überläufe dort funktionierten und die Plane entlasteten. „Insgesamt eine ärgerliche Panne“, so Essrich, doch um die Sache zu bewerten, müsse man bedenken, dass das Finale ohne Dach „komplett ins Wasser gefallen wäre.“

Die weltweit einzigartige Ringseil-konstruktion in Frankfurt mit der ausfahrbaren PVC-Membran ist ohnehin nicht als Halle gedacht. Denn laut Statuten des Weltfußballverbandes muss unter freiem Himmel gespielt werden.

Das luftige Dach der Commerzbank- Arena lässt sich binnen 20 min öffnen und schließen. Im Prinzip ähnelt es einem Speichenrad: Zwischen einem äußeren Stahlring sowie einem unteren und oberen Zugring im Zentrum sind ca. 500 t Stahlseile gespannt – wie Speichen. Sie tragen das fixe Tribünendach aus 22 000 m2 Glasfasergewebe, den UV-durchlässigen Ring aus Polycarbonat-Platten, in dem sämtliche Abflüsse eingebracht sind, und die ausfahrbare PVC-Folie über dem Spielfeld, die bei schönem Wetter im Videowürfel über den Köpfen der Fußballspieler verpackt ist. P. TRECHOW/WOP

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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