Bau 30.03.2001, 17:29 Uhr

Passiv vorsorgen

Wenn schon ein eigenes Haus, dann soll es auch den neuesten technischen Standards entsprechen. Da bieten sich Passivhäuser an, sie funktionieren trotz hohem Komfort ohne konventionelle Heizung und sind im Betrieb äußerst günstig.

Energie ist teuer, es macht also nicht nur aus ökologischen Gründen Sinn, möglichst wenig davon zu verbrauchen. Daher hat das Bundeskabinett im März eine neue Energiesparverordnung verabschiedet. Rund 30 % weniger Energiebedarf bei neu gebauten Häusern verlangt diese neue Verordnung, und auch bei Altbauten sollen Nachrüstungsverpflichtungen und Auflagen bei Modernisierungen den Energiebedarf deutlich senken. Für Neubauten bedeuten diese Auflagen, dass in Zukunft alle Häuser als sogenannte Niedrigenergiehäuser gebaut werden müssen. Sie verbrauchen im Schnitt nur noch 7 l Heizöl pro m2/Jahr oder 7 m3 Gas pro m2/Jahr.
Dr. Wolfgang Feist, Bauexperte vom Passivhaus-Institut (Darmstadt) ist skeptisch. „Die neue Energieeinsparverordnung wird in der Praxis weit weniger Effizienzverbesserung erreichen, als sie vorgibt“, meint er. Energieeinsparungen großen Stils ließen sich nur erzielen, wenn der Bauherr über die Forderungen dieser Verordnung noch hinausgehe und sich für ein Passivhaus entscheide. Da die Technik hierfür inzwischen erprobt und am Markt verfügbar sei, lasse sich ein solcher Qualitätsstandard heute von jedem Architekten planen.
Unter Energiegesichtspunkten ist das Passivhaus heute tatsächlich das „Non-Plus-Ultra“. Der Heizenergieverbrauch von Passivhäusern liegt bei umgerechnet 1,5 l/m2 Heizöl im Jahr. „In Häusern im Gebäudebestand wird mehr als das Zehnfache, nämlich um 20 l/m2/a verbraucht“, meint Feist. „Wenn wir von Verbrauch reden, handelt es sich dabei immer um statistische Mittelwerte von gemessenen Öl/Gas-Fernwärmezählerablesungen“, fügt er hinzu. Rechnerische Werte – die häufig sehr viel günstiger aussehen – würden korrekt mit „Heizenergiebedarf“ bezeichnet.
Trotz der sehr günstigen Energiewerte fristet das Passivhaus in Deutschland immer noch ein Nischen-Dasein. So waren Anfang dieses Jahres nur etwas mehr als 1000 Wohnungen in Passivhäusern fertig gestellt. Allerdings hat sich die Zahl der Fertigstellungen im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt.
Grund für die bisherige Zurückhaltung dürften mit Sicherheit auch Kostenaspekte sein. Feist zufolge müssten Bauherren bei einem Passivhaus-Neubau heute noch mit Mehrkosten zwischen 150 DM und 300 DM je Quadratmeter Wohnfläche rechnen. Darin sei aber die Lüftungstechnik mit enthalten, die ihrerseits einen erheblichen Qualitätsgewinn für die Wohnungen darstelle. „Diese Kosten müssten eigentlich zum Großteil dem Komfortgewinn und nicht der Energieeinsparung zugeordnet werden“, sagt er.
Wie aber ist ein Passivhaus technisch strukturiert, damit es tatsächlich den entsprechend niedrigen Heizenergiebedarf erreicht? Laut Feist beruht das Passivhaus-Konzept auf drei Säulen: „Erstens einem wirklich sehr guten Wärmeschutz von Wänden, Dächern und Decken.“ Demnach sind Passivhäuser „supergedämmt“ mit extrem niedrigen Wärmedurchgangs-Koeffizienten für alle Außenbauteile wie Dach, Wand, Kellerdecke bzw. Bodenplatte. Die Dämmstoffdicken liegen zwischen 25 cm und 40 cm, sind wärmebrückenfrei und luftdicht.
„Zweitens“ so Feist, „verfügt das Passivhaus über erheblich verbesserte Fenster, die nur noch halb so viel Wärme verlieren wie heutige Standardfenster, aber fast genauso viel passiv solare Gewinne liefern.“ Für die passiv solaren Gewinne, die sogar in den Wintermonaten die Wärmeverluste übersteigen, sorgen Dreifachverglasungen mit zwei Beschichtungen. Dritte Säule des Passivhaus-Konzeptes bildet eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung aus der Abluft, die zugleich die Aufgabe der Restheizung mit übernehmen kann. So sorgt eine Komfortlüftung mit der entsprechenden Wärmerückgewinnung dafür, dass 80 % der Wärme aus der verbrauchten Luft zurückgeholt werden.
Und mit welchen Energieträgern beziehungsweise -Systemen sollten Bauherren ihr Passivhaus beheizen, damit ein optimaler Einspar-Nutzwert erreicht wird? „Die Energieverbräuche in einem Passivhaus sind so gering, dass es auf die Wahl des Energieträgers nicht mehr so stark ankommt“, meint Feist. Wenn nur noch ein Zehntel der Heizenergie verbraucht werde, bleibe die Kostenbelastung selbst dann in Grenzen, wenn der Brennstoff in einigen Jahren das Doppelte kosten sollte. Bewährt haben sich in Passivhäusern nach seinen Worten die Restwärmeerzeugung mit Erdgas und Flüssiggas, mit hocheffizienten Kleinstwärmepumpen (sogenannten Kompaktgeräten), aber auch mit Holz-Pellet-Öfen und sogar mit Fernwärme.
Interessant ist, dass Passivhäuser in einigen Fällen auch für Allergiker besonders gut geeignet sind. Allerdings ist es die Frage, welche Art von Überempfindlichkeit vorliegt. Bei Pollenallergien und Empfindlichkeit gegen Pilzsporen kann die Lüftung mit einem Feinfilter in der Frischluft tatsächlich helfen. Auch gegen Hausstaubmilben bietet das Passivhaus ein gutes Grundkonzept. Natürlich hilft das Passivhaus nicht gegen Nahrungsmittelallergien.
Übrigens: Der Bau von Passivhäusern wird von der öffentlichen Hand auch speziell gefördert. So gibt es als bundesweites Programm den zinsgünstigen Förderkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 50 000 Euro. Schleswig-Holstein und Sachsen haben zudem Länderförderprogramme. Laut Feist bieten zudem einige Versorgungsunternehmen sowie zahlreiche Städte und Gemeinden eine eigene Passivhaus-Förderung.
„Unter “Passivhaus“ im Sinne dieses Programms sind Häuser zu verstehen, deren Jahresheizwärmebedarf nicht mehr als 15 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr beträgt“, heißt es bei der KfW. Bauherren, die ihr Passivhaus mit Fördergeldern der KfW bauen wollen, müssen grundsätzlich die Erfüllung dieser Voraussetzungen nachweisen.
Bei der Antragsstellung geht es allerdings nicht ganz unbürokratisch zu. So müssen Architekt oder Bauträger zuvor eine rechtsverbindliche Erklärung abgeben. Diese muss der KfW jeweils als Anlage zum Kreditantrag zugeschickt werden. Der Inhalt muss nach Angaben der KfW folgenden Inhalt haben:
„Es wird bestätigt, dass das zu erstellende Wohngebäude (Ortsangabe) einen Jahresheizwärmebedarf von (Wert) kWh/Quadratmeter aufweist. Die Berechnung des Jahresheizwärmebedarfs für dieses Haus erfolgte auf der Grundlage einer sowohl die Wärmeverluste als auch die Wärmegewinne berücksichtigenden Heizwärmebilanz und Berücksichtigung der europäischen Norm EN 832 auf der Grundlage der für den Bau des o.g. Gebäudes anzuwendenden Planungsunterlagen.“ THOMAS SCHULZE/wip

Von Thomas Schulze/Wip

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