Tiefbau 01.05.2009, 19:41 Uhr

Parkplätze auf engem Raum dank automatisierter Lagertechnik  

Die Politik der letzten Jahrzehnte hat den Bau von Sammelgaragen in deutschen Innenstädten ausgebremst. Bei jetzigen Bemühungen um die Auto-Binnennachfrage wird das Thema Parkraum aber nicht mehr so eng gesehen. Neue Hürden: beengte Verhältnisse selbst in Vororten der Städte. Eine der Lösungsmöglichkeiten: von der Industrie entwickelte Verfahren der automatisierten Ein- und Auslagerung. VDI NACHRICHTEN, MÜNCHEN, 30. 4. 09, rok

Parkraum in deutschen Innenstädten ist Mangelware. Nachdem in der Vergangenheit vor allem Berufstätige durch Bewirtschaften des öffentlichen Parkraums zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel genötigt worden sind, wird jetzt – nicht zuletzt um die Binnennachfrage für deutsche Autos zu stärken – hier und da wieder über den Bau von Parkhäusern nachgedacht, wenn auch nur in Form von Tiefgaragen. Das gilt vor allem für Stadtvororte, wo der Begriff Quartiersgarage Einzug gehalten hat.

Was in Innenstädten schon lange für Kopfzerbrechen sorgt, erweist sich mittlerweile aber auch als Problem in Vororten: Platzmangel im Untergrund. Derzeit etwa zu beobachten in Düsseldorfs Nobelviertel Oberkassel. Parksystemanbieter offerieren deshalb schon längere Zeit Systeme für verdichtetes Parken in Stadt- oder Gewerbegebieten, was platzraubende Rampen und Fahrwege in der Sammelgarage überflüssig macht.

Ob Parkhaus oder Tiefgarage: Das klassische Gebäude zur Aufbewahrung des ruhenden Verkehrs benötigt großzügige Auf- und Abfahrtrampen sowie im Gebäude Fahrwege in Rangierbreite, von denen aus der Parkplatzsuchende auch Reiselimousinen auf einen der Einstellplätze steuern können muss.

In den letzten Jahren waren Parkhäuser in Stadtzentren und sogar in Gewerbegebieten kaum durchzusetzen. Allenfalls Tiefgaragen ließen die Verantwortlichen in Stadtparlamenten zu, und zwar in begrenztem Maße bei Neubaumaßnahmen. Ihre Argumente gegen Sammelgaragenprojekte in Innenstädten: Platzmangel, Reinhaltung der Luft und Minderung des CO2-Ausstoßes.

Dem Platzmangel-Argument der Politiker begegnen Anbieter der Industrie schon längere Zeit mit der Entwicklung von Regalsystemen für das automatisierte Einsortieren von Fahrzeugen. Einer der Vorteile, so die Klaus-Multiparking GmbH, Aitrach oder die Otto Wöhr GmbH, Friolzheim: Das System lässt ein Bauen im Bestand zu.

„Doch vom System des verdichteten Parkens wollen deutsche Stadtpolitiker kaum etwas wissen,“ weiß Wolfgang Wöhr, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. So produziere man weitgehend für den Export.

„Bei dem der industriellen Lagerhaltung entlehnten Autoparksystem gibt es weder Auf- noch Abfahrtrampen, sondern nur eine Übergabestation, in die der Fahrer das Auto stellt und alles andere der automatisierten Einlagerung überlässt,“ erläutert Wöhr. Neu: der von dem Unternehmen entwickelte „Combilift 553“ mit nur zwei Leerplätzen im Parksystem auf drei Ebenen ohne Grube.

Die Stellplätze bewegen sich auf Einfahrtsebene horizontal, die der mittleren Ebene horizontal und vertikal, die Stellplätze oben sind nur vertikal zu bewegen. Jeweils auf der Einfahrts- und der mittleren Ebene ergeben sich die zwei Leerplätze. Große Pkw und selbst SUVs fänden in dem per Lagerhaltung funktionierenden Parkhaus Platz, so Wöhr. Verkaufen würde man solche Parkhaussysteme derzeit vor allem in Fernost.

Nur eine Übergabestation statt aufwändiger Auf- und Abfahrtrampen

Derweil sind zumindest in Vororten deutscher Städte unterirdische Sammelgaragen wieder im Gespräch. So soll im Zentrum des Düsseldorfer Nobelviertels Oberkassel für 390 Einstellplätze eine Quartiersgarage mit mehreren unterirdischen Geschossen gebaut werden.

Probleme machen in dem Düsseldorfer Stadtteil jedoch die zu bauenden Zufahrten, die einzelne Anwohner nicht vor ihrer Tür sehen wollen. Auch wird befürchtet, das unterirdische Bauwerk könnte die Standfestigkeit einer nahe liegenden Kirche gefährden. Die dortige Pfarrei St. Antonius führt bereits das Argument ins Feld, dem Gotteshaus könne das gleiche Schicksal drohen wie dem Kölner Stadtarchiv, das im Zuge des unterirdischen Stadtbahnbaus am 3. März dieses Jahres einstürzte.

Eine Antwort auf derlei Probleme könnte die Anwohnergarage Donnersbergerstraße in München geben, die vor zwei Jahren als Tiefgarage in vier Ebenen mit 284 Stellplätzen nach dem Otto-Wöhr-Parksystem entstand. Der umbaute Raum des Parksystems misst ein Volumen von nur 12 633 m3, während die Grundfläche zum Parken 1452 m2 erreicht. Im Mittel dauere – so Wöhr – die Zugriffszeit auf ein in der Garage abgestelltes Fahrzeug 137 s.

Zum Einparken steuert der Autofahrer direkt von der Straße aus einen der Übergabebereiche an. In der Zufahrt wählt der Fahrer berührungslos durch Transponderchip seinen Einparkvorgang an. Das Tor öffnet sich automatisch, und der Fahrer wird per Anzeige auf die richtige Parkposition geleitet. Nachdem er Auto und Übergabestation verlassen hat, wird der automatische Einparkvorgang gestartet, was mit Überstandskontrollen am Pkw per Laserscanner und Lichtschranken beginnt und mit der Einlagerung in einen freien Regalplatz endet.

Bei der Abholung betritt der Nutzer eine der Übergabestationen der Anlage, er wählt über den Transponderchip seinen Pkw an und wartet auf die Übergabe. Sobald das automatische System die Palette mit dem Pkw in die Station transportiert hat, öffnen sich beide Tore – das Einfahrtstor als Personenzugang, das Ausfahrtstor, um vorwärts zügig ausfahren zu können. Danach schließen sich beide Tore automatisch, und ein neuer Parkvorgang kann beginnen.

ELMAR WALLERANG

Ein Beitrag von:

  • Elmar Wallerang

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Hoch- und Tiefbau, Bautechnik.

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