Betonpumpen 13.05.2011, 19:53 Uhr

„Nur wer neue Ideen profitabel im Markt umsetzt, darf von Innovation reden“

Egal ob Großbaustelle in Dubai, U-Bahn-Projekt in Manhattan, der Sarkophag des ukrainischen Unglücksreaktors Tschernobyl und zuletzt die Unglücksreaktoren im japanischen Fukushima: Von vielen Großbaustellen weltweit sind die Fördersysteme des Beton-Förderspezialisten Putzmeister kaum wegzudenken.

„Die Krise hat sich bei uns als Kontinentaldrift gezeigt, die unser ganzes Unternehmensgefüge verändert hat“, resümiert Gerald Karch, Geschäftsführer der Putzmeister Holding im schwäbischen Aichtal, die vergangenen zweieinhalb Jahre. Lange Zeit bescherten dem 1958 gegründeten Hersteller von Maschinen für Betonförderung, Mörtel- und Verputzmaschinen sowie Dickstoffpumpen zur Abraumförderung seine traditionellen Geschäftsfelder in Europa und Nordamerika auskömmliche Geschäfte, hohe Margen ein gutes Auskommen.

Doch während die globalen Wachstumsmärkte, in denen das Unternehmen bis vor Kurzem wenig vertreten war, nach einer kurzen Verschnaufpause wieder Tempo aufnahmen, ging die Bauwirtschaft der angestammten Verkaufsgebiete in die Knie. „Wir haben Märkte verloren, die wir nie hatten“, pflegt Unternehmenschef Norbert Scheuch die Situation treffend zusammen zu fassen.

Der Höhenrekord am Burj Khalifa in Dubai im Jahr 2008 markiert für Putzmeister auch äußerlich einen Höhepunkt in der Unternehmensgeschichte, nach dem es erst einmal deutlich abwärts ging. In einer bitteren Durststrecke stellte sich das Unternehmen neu auf. Die regionale Verantwortung wurde insbesondere im Geschäftsbereich Betonpumpen mithilfe selbstständiger Regionalgesellschaften gestärkt: Produkte werden am lokalen Markt und dessen individuellen Bedürfnissen ausgerichtet und in den lokalen Märkten hergestellt. In einer eigens gegründeten Entwicklungsgesellschaft am Stammsitz in Aichtal tüfteln heute rund 100 Ingenieure unter Leitung von Maschinenbauer Karch an grundlegenden Verbesserungen sowie künftigen Produkten.

„Wir sind ein reifes Unternehmen in einer reifen Branche – der letzte Quantensprung war die fahrbare Autobetonpumpe, das ist über 40 Jahre her, eine ähnlich große Änderung in der Betonförderung ist momentan nicht in Sicht“, lautet die nüchterne Einschätzung des technischen Geschäftsführers Karch.

Bei Putzmeister geht es derzeit primär um die technologische Optimierung und Anpassung der bestehenden Produktpalette. Bewusst erteilt Karch der früheren Jagd nach Weltrekorden, dem Schneller, Höher, Weiter eine klare Absage: „Wir haben bewiesen, dass Putzmeister-Pumpen kein limitierender Faktor sind, jetzt müssen wir zeigen, dass wir nicht nur Innovationsführer sind, sondern auch unsere Kostenführerschaft und Best-Practice-Kompetenz belegen – und das bei mindestens gleichbleibender Qualität und Funktionalität“, beschreibt der Ingenieur den Aufbruch in eine neue Entwicklungsphilosophie. Neben Energieeffizienz und Sicherheitsaspekten treibt die Reduktion von Prozesskosten auf der Baustelle die Entwicklungsprojekte voran. Im Fokus aller Aktivitäten stehen Prozessoptimierungen und Design-to-cost-Betrachtungen: „Nur wer neue Ideen profitabel im Markt umsetzt, darf von Innovation reden“, so Karchs Überzeugung.

Achsen sind ein Synonym für Kosten weiß, wer sich mit Autobetonpumpen beschäftigt. Der Sprung von acht auf zehn Räder macht den gängigen Serienlastkraftwagen für eine Betonpumpe zum Sonderchassis. Es geht immer darum, einen möglichst langen Arm auf möglichst wenigen Achsen unterzubringen. Was simpel klingt, ist in der Praxis eine Sisyphusaufgabe: „Jedes Land hat seine eigene Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, seine eigenen Fahrzeuge und seine eigene Art und Weise zu bauen“, berichtet Geschäftsführer Karch.

Transportieren in Deutschland zum Teil zwei 10-m3-Fahrmischer gleichzeitig unter Zeitdruck den Beton vom Hersteller zur Pumpe, setzt man in Indien noch viel auf Eimer und Kopfbalance oder auf On-Site-Produktion mit kleinen Trommelmischern. Pumpleistung und Tempo des Putzmeister-Equipments darf entsprechend niedriger ausfallen als auf Hightech-Baustellen, wo Betonlieferanten besonders große Pumpen bevorzugen und nach verbautem Betonvolumen bezahlt werden.

„Jedes Land hat eigene Vorgaben und setzt damit seine Innovationsimpulse, wir greifen sie auf und überführen sie in spezifische Entwicklungen für unsere Hauptmärkte“, erklärt Karch. Der Maschinenbauingenieur sieht sich dabei vor allem als Wegbereiter seiner Kollegen: „Als Kopf kann ich die Innovationskultur wesentlich beeinflussen.“ Er ist überzeugt, dass Kreativität entstehe, wenn etwas als Chance identifiziert und als Herausforderung angenommen würde, genau diesen Prozess will Karch in seinen Entwicklerteams kontinuierlich vorantreiben.

K.o.-Sätze für Erneuerung hat der engagierte Manager schon viele gehört: „,Das haben wir schon immer so gemacht’ oder ‚Das geht nicht’ macht jede Innovation zunichte – wer das akzeptiert, hat die Herausforderung schon verloren“, kommentiert Karch. Fragen kulturell zuzulassen und Freiräume zum Denken zu schaffen, darin sieht er seine Aufgabe.

Mit der Globalisierung seines Geschäfts hat Putzmeister Abschied von rein deutschen Standards und Handelsgrößen genommen. „Früher haben wir unsere Maschinen nach deutschem Standard und deutschen Normen mit deutschem Stahl gebaut, heute müssen wir lokal ,sourcen‘ und uns den regional verfügbaren Materialien und Standards anpassen, sonst sind wir nicht wettbewerbsfähig“, erläutert Gerald Karch.

Die Maschinen des Unternehmens werden ausschließlich auf Bestellung hergestellt. Der Kunde wolle qualitativ hochwertige und robuste Produkte, er erwartet das Qualitätsniveau, welches er mit der Marke Putzmeister verbindet, davon ist der Ingenieur fest überzeugt. Rund 1000 Arbeitsstunden stecken in einer durchschnittlichen Betonpumpe, das Schweißen der großen Baugruppen enthält viel Handarbeit. Diese muss vor Ort verrichtet werden – die Armpakete der Großpumpen passen in keinen Container.

Dass sich die Pumpeigenschaften des Werkstoffes Beton, den ihre Maschinen bewegen müssen: ständig ändern, gehört mit zu den Anforderungen der Entwicklung: „Beton ist ein ganz unangenehmes Material, er ist hochgradig abrasiv – seine unsachgemäße Behandlung führt unweigerlich zum Stillstand und zu großen Schäden“, sagt Unternehmenschef Scheuch. Dabei sei Beton längst nicht gleich Beton: Während in Hochtechnologieregionen ein Trend zu chemisch veränderten Betonen mit besseren Verarbeitungseigenschaften zu erkennen ist, steht das Maschinenbauunternehmen in sich entwickelnden Regionen vor sehr unterschiedlichen Materialzusammensetzungen mit einer hochvariablen Verarbeitbarkeit.

Auf der Suche nach den Produkten von morgen sind das Unternehmen und sein technischer Geschäftsführer am Puls der Zeit: Im Dialog mit Kunden und Partnern sowie bei Prozessverbesserungen auf der Baustelle entstehen Ideen zur Optimierung der Produktpalette. Technologieseitig setzen Veränderungen in der Sensortechnik, bei neuen Werkstoffen beispielsweise für Dichtungen oder für das Verschweißen neue Impulse. Mit modernen Berechnungsprogrammen ist man gewichtsreduzierten Konstruktionen auf der Spur.

Hoffnung setzen die Ingenieure in Neuerungen bei der Elektronik und Steuerungstechnik. Bis hier jedoch die nötige Kostenposition insbesondere für Niedriglohnländer erzielt werden kann, wird noch einiges Wasser die Aich hinunter fließen.

ULRIKE FELGER

Von Ulrike Felger

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