Bau 08.03.2002, 17:33 Uhr

Neue Ikonen für Manhattans Skyline

Das Ende der Wolkenkratzer ist gekommen, heißt es in New York. Für Ground Zero mag das stimmen. Die Pläne für den Rest Manhattans sehen allerdings ganz anders aus.

Das Attentat auf das World Trade Center hat ein hässliches Loch in die Skyline von New York gerissen. Und der Schock, dass die beiden Stahltürme einfach in sich zusammenstürzten, sitzt tief – auch in der Immobilienbranche. Die Baupläne für einen 250 m hohen Glasturm für die New Yorker Börse liegen seither in der Schublade. Niemand traut sich jetzt noch, dieses fragile Gebäude zu bauen.

Vom Ende der Wolkenkratzer kann dennoch keine Rede sein. In der Mitte Manhattans entstehen gleich mehrere waghalsige Bauten. Am westlichen Ende des Times Square z.B. beginnt die New York Times dieses Jahr mit dem Bau ihres neuen Hauptsitzes: Es wird ein 348 m hoher Turm aus Keramik und Glas. Der Entwurf stammt von Renzo Piano, der sich mit seinen Ideen gegen die Vorschläge von so klangvollen Namen wie Norman Foster, Cesar Pelli und Frank Gehry durchgesetzt hat.

Es ist Pianos erster Bau in Manhattan und die Kritiker feiern ihn: Auf so ein schönes Gebäude habe die Skyline lange gewartet, sagen sie. In der Tat setzt sich das Gebilde von anderen New Yorker Hochhäusern durch seine Eleganz und Transparenz ab. Die Haut des Turms wirkt durchlässig. Dabei besteht sie aus vier Schichten. Die Fassade aus Doppelglasscheiben wird zur Hälfte von einer Membran aus weißen Keramikstäben verdeckt. Dazwischen sorgen feste Jalousien für zusätzlichen Sonnenschutz. „Dieser Turm widersetzt sich der Schwerkraft“, sagt Piano über seinen Entwurf. „Durch die Transparenz spricht das Gebäude zur Straße. Und von dort kommt die Inspiration der Zeitung.“

Das neue Hauptquartier der New York Times wird aber nicht nur schön, sondern auch wirtschaftlich. Die Thermoscheiben sowie der über 1 m breite Luftpuffer zwischen Glas und Keramik helfen beim Energie sparen. Außerdem müssen die Bauherren der Stadt nur 85 Mio. Dollar für das 60 m x 120 m große Grundstück zahlen – für Manhattan geradezu ein Schnäppchen.

Die Zeitung wird dabei nur die unteren 28 Stockwerke des Turms belegen. Dort werden nach Fertigstellung im Jahr 2005 auf knapp 75 000 m2 alle 4000 Mitarbeiter des Verlages untergebracht. Die obere Hälfte des Renzo Piano Turms (55 000 m2) wird als Bürofläche an Dritte vermietet. Auf dem Dach soll ein Ahornhain den Angestellten eine Pausenoase bieten. Darüber wiegt sich über eine meterhohe Antenne im Wind, die keinerlei technische Funktion hat. „Sie zeigt, woher die frische Luft kommt“, sagt Piano dazu. „Für mich ist das Grund genug, dass sie existiert“. Neben der New York Times planen drei weitere Medienkonzerne Hochhäuser in Manhattan. Die Bertelsmann Tochter Random House, der Hearst Verlag und AOL Time Warner bauen sich neue Zentralen in New York.

Hearst konnte für seine Pläne schließlich Norman Foster gewinnen, der bei der New York Times nicht zum Zuge kam. Foster wird auf das bereits bestehende sechsstöckige Verlagshaus am Broadway eine Konstruktion aus Stahl und Glas setzen, auch für ihn das erste Projekt in New York. Das geplante Gebäude sieht aus wie ein eingefasster Kristall: Der 42 Stockwerke hohe Glasturm wird von einem Netz aus triangelförmigen Stahlstreben umspannt.

Der Kristallturm sitzt auf einem mächtigen Art Deco Bau von 1928. Foster nutzt das alte Haus als Unterbau für seinen Turm. So hatte es damals schon der Verlagsgründer William Hearst geplant. Doch die Rezession und der zweite Weltkrieg machten seine Pläne zunichte. Erst jetzt wird das bereits 1926 geplante Projekt umgesetzt.

Die Bertelsmann Tochter Random House lässt sich in Zukunft ebenfalls am Broadway nieder. 425 Mio. Dollar kostet das 48 Stockwerke hohe Objekt an der 55. Straße. Bertelsmann gehören die unteren 26 Stockwerke. In der oberen Hälfte entstehen Luxus-Eigentumswohnungen. Wer interessiert ist: Der freie Blick auf Manhattan kostet dort zwischen einer Mio. Dollar und vier Mio. Dollar pro Wohnung.

Auch im neuen AOL Time Warner Komplex kann man teuer wohnen. Das gigantische Bauprojekt am Central Park bietet neben der Medienzentrale auch zwei 230 m hohe Glastürme fürs Wohnen. Ein Turm für Luxusapartments, der andere für das Luxushotel Mandarin Oriental. Das Bauprojekt umfasst 260 000 m2 Bruttogeschossfläche. Den Nachbarn am Columbus Circle ist unwohl angesichts der riesigen Ausmaße des Komplexes. Doch die Investoren geben sich selbstbewusst. Mit den Studios von CNN und CNNfn werde das AOL Time Warner Gebäude doch ein Wahrzeichen für die Stadt. Denn die senden rund um die Uhr, rund um die Welt, und alle Zuschauer werden im Hintergrund den Central Park und die Skyline von New York sehen. „Damit kann keine Konkurrenz mithalten“, sagt der für Immobilien zuständige AOL Vorstand Philip Pitruzello.

Neben der AOL Time Warner Zentrale bietet der neue Gebäudekomplex Platz für Büros, eine Luxus-Einkaufsmeile, eine großes Parkhaus und ein Jazz Center mit drei Konzertsälen. Um diese Räume akustisch zu isolieren, wurden an den Stützpfeilern Gummidichtungen angebracht. Und sämtliche Lüftungsleitungen sind doppelt so dick wie üblich, damit die Luft langsamer und somit leiser zirkuliert. 1,7 Mrd. Dollar kostet das Bauprojekt, das nach Angaben der Investoren das größte kommerzielle Entwicklungsobjekt in den USA ist. Die Dimensionen sind wahrlich gigantisch: 8 ha Glasfassade, 26 000 t Stahl und 215 000 t Beton.

Einen Schönheitspreis bekommt dieser Bau allerdings nicht. Er ist so banal, dass die Architekturkritiker den Entwurf mit Stillschweigen strafen. Doch es bleibt ein Haus der Superlative, und manche Gebäudeteile beherbergen spektakuläre Kleinode. So plant das Mandarin Hotel einen 25 m langen Swimmingpool, dessen Wände bestehen an drei Seiten aus Glas. „Man schwebt in 100 m Höhe mitten durch Manhattan“, schwärmt Projektleiter Marc Gross, „was will man denn noch mehr.“ STEPHANIE WÄTJEN/wip

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