Wohnungsbau 18.01.2013, 12:09 Uhr

Nachbarschaftliches Wohnen durch ehrenamtliches Engagement

Jeder möchte möglichst lange in der eigenen Wohnung leben – auch im hohen Alter. Das stellt Wohnungsbauunternehmen vor neue Herausforderungen. Sie sorgen mit sozialen Netzwerken im Quartier dafür, dass Alt und Jung bei der Bewältigung des Alltags Unterstützung finden.

Alt und jung unterstützen sich gegenseitig bei der Bewältigung des Alltags.

Alt und jung unterstützen sich gegenseitig bei der Bewältigung des Alltags.

Foto: dpa-Zentralbild

Als die Wohnungsbaugenossenschaft Schwedt (Wobag) von 2009 bis 2012 ihr neues Lindenquartier mitten in der Innenstadt errichtete, war klar: Um die Menschen auch künftig in der Stadt an der Oder zu halten, reicht es nicht, moderne Wohnungen mit generationsgerechten Grundrissen, energieoptimierter Technik und damit niedrigen Betriebskosten zu schaffen. „Es musste ein Quartier entstehen, in dem sich die Menschen wohl und geborgen fühlen“, sagt Wobag-Vorstand Matthias Stammert. Heute leben hier Singles, junge Familien und ältere Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zusammen. „Das ist im vom demografischen Wandel stark betroffenen Schwedt ein gutes Zeichen“, so Stammert.

Die 34 000 Einwohner große Stadt in Brandenburg hat wie viele kleinere und mittelgroße Städte damit zu kämpfen, dass die Bevölkerung als Folge des demografischen Wandels zusehends schrumpft: bis 2030 um 25 % bis 28 % seiner jetzigen Größe, so die Standortprognose der Prognos AG. „Deshalb ist es so wichtig, für eine lebenswerte Umgebung zu sorgen“, sagt David Eberhart, Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsbauunternehmen (BBU).

Nachbarschaftliches Wohnen: Für Wohnungsbaugesellschaften ein Ansatz, mit mehr Wohnqualität zu werben

Damit das neu errichtete Lindenquartier attraktiven Wohnraum für alle Generationen bietet, hat die Wobag parallel zu den Baumaßnahmen mit örtlichen Trägern und der Freiwilligenagentur Schwedt ein Servicenetz geknüpft. Das sorgt dafür, dass Jung und Alt jederzeit Unterstützung finden: In einer 24/7-Kita bieten Erzieherinnen und Ehrenamtliche gemeinsam ein umfassendes Betreuungsangebot. Die Angestellten des Seniorenvereins der Wobag beraten z. B. bei der Inanspruchnahme von Pflege- und Altenservicediensten. Zusammen mit dem Familienservicedienst betreibt die Wobag auch ein Mehrgenerationenhaus, das nicht nur den Bewohnern des „Lindenquartiers“ Räumlichkeiten zur Begegnung, Bildung und Freizeitgestaltung bietet, sondern auch Kontakte zu anderen Schwedter Bürgern ermöglicht.

„So wie in Schwedt gewinnen die Themen soziale Nähe und nachbarschaftliche Hilfe für Wohnungsbauunternehmen in der ganzen Republik an Bedeutung“, sagt Claus Wedemeier vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Immer mehr Unternehmen werde klar, dass sie etwas tun müssen, um die Wohnqualität in ihren Häusern und Quartieren auch in dieser Hinsicht zu verbessern. Das gehe jedoch nicht ohne das ehrenamtliche Engagement einzelner Bewohner. „Die Wohnungsbauunternehmen unterstützen die Menschen bei ihrem Engagement. Doch organisieren müssen die Bewohner die Angebote selbst“, so Wedemeier.

In der organisierten Wohnungswirtschaft – bei genossenschaftlichen und städtischen Wohnungsbauunternehmen – hat das Tradition. Die Wohnbau Mainz GmbH beispielsweise, mit 10 600 Mietwohnungen das zweitgrößte Wohnbauunternehmen in Rheinland-Pfalz, nutzt das bürgerschaftliche Engagement ihrer Mieter seit mehr als 20 Jahren, um das Leben in ihren Quartieren lebenswerter zu gestalten.

„Angefangen hat es mit Mieterinitiativen: Menschen, die zwischen Mietern und den Mietverwaltungen vermitteln“, sagt Ines Thiele, die neben ihrem Job als Entwicklerin von Wohnkonzepten mit ihrem Team über 50 ehrenamtlich tätige Bewohner in den Quartieren betreut. „Im Laufe der Zeit haben die Bewohner zunehmend in Eigenregie Aktivitäten entwickelt, die das Gemeinschaftsgefühl stärken.“

Mainzer Wohnungsbauunternehmen profitiert von Engagement in nachbarschaftliches Wohnen

Dauerhaft von alleine engagieren sich die Menschen in der Regel jedoch nicht. Vor allem jüngere Bewohner helfen in ihrer Freizeit eher auf Basis von Projekten. Die Herausforderung bestehe darin, die richtigen Leute zu finden, die über ausreichend Zeit und Willen verfügen. Diese müssten dann motiviert, die Erwartungen realistisch gehalten und zwischenmenschliche Konflikte geregelt werden, beschreibt Thiele ihre Arbeit mit den Ehrenamtlichen. Ist das Fundament einmal gelegt, rekrutieren die Bewohner über die jeweiligen Veranstaltungen häufig weitere Freiwillige.

Für das Wohnungsbauunternehmen hat sich das Engagement für ein nachbarschaftliches Wohnen ausgezahlt: „Die Menschen bleiben länger wohnen, zahlen pünktlicher und gehen mit ihren Wohnungen und ihrem Wohnumfeld sorgsamer um“, so Thiele.

Trotz der Erfolge ruht sich das Mainzer Unternehmen nicht aus. Ziel sei es, das wachsende Bedürfnis der Menschen nach nachbarschaftlichem Wohnen zusätzlich durch neue Wohnformen zu unterstützen. So gibt es bei der Wohnbau Mainz inzwischen neben einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt sieben Senioren-WGs, in denen die Bewohner nicht nur weniger alleine sind, sondern sich auch gegenseitig im Alltag unterstützen.

Nachbarschaftliches Wohnen: Private Anbieter tun sich mit der Quartiergestaltung schwer

„Im Gegensatz zu den großen organisierten Wohnungsbauunternehmen tun sich die privaten Unternehmen deutlich schwerer, wenn es um die Quartiersgestaltung geht“, sagt Alexander Wiech, Sprecher der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund Deutschland. Seit Ende 2011 arbeitet die Eigentümer-Organisation über regionale Haus & Grund-Vereine in verschiedenen Projekten, die vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung zusammen mit Kommunen initiiert werden, daran, die Wohnqualität in innerstädtischen Quartieren zu verbessern. Zudem versucht der Verband zusammen mit Fachleuten, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie auch Anbieter im privaten Wohnungsbau ihren Wohnbestand auf die Anforderungen durch den demografischen Wandel ausrichten können. 

Ein Beitrag von:

  • Hans Schürmann

    Hans Schürmann war Technik- und Wirtschaftsredakteur beim Handelsblatt und schreibt unter anderem über Finanzen, Immobilienthemen und Maschinenbau.

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