Bau 2009 16.01.2009, 19:39 Uhr

Mit Planung auch im privaten Umfeld barrierefrei leben  

Wir werden immer älter. Dies erweist sich als neue Herausforderung für Architekten und Ingenieure. Die Aufgabe heißt: Barrierefreies Bauen im Wohnbereich. Entsprechend gibt die Messe Bau 2009 in München bis einschließlich morgen wichtige Hinweise, wie sich Stufen und Stolperfallen vermeiden lassen. VDI nachrichten, München, 16. 1. 09, ROK

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ So Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes. Kein Wunder, dass „Barrierefreiheit“ bereits in den 1990er-Jahren Einzug in die Bauordnungen der Bundesländer gehalten hatte und zu einem bedeutenden Aspekt bei öffentlichen Bauvorhaben wurde. Die demographische Entwicklung rückt aber – so die Bau 2009 – die Notwendigkeit barrierefreien Bauens zunehmend auch in den privaten Bereich.

Es gebe bei alten Menschen im Wohnbereich mehr Unfälle als allgemein bekannt, warnt die Hamburger Organisation „Barrierefrei Leben“. 30 % der über 65-Jährigen und 50 % der über 80-Jährigen stürzten jedes Jahr in ihren privaten Räumen. Unter dem Titel „Seniorinnen und Senioren als Risikogruppe für Verletzungen – Daten zum Unfallgeschehen“ liefert eine Studie des Europäischen Zentrums für Umwelt und Gesundheit der WHO (Lares-Studie) erschreckende Zahlen zur Wohnsituation älterer Menschen. Jährlich stürben in der EU rund 40 000 Senioren an den Folgen von Stürzen. Dabei wird sich nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes alleine in Deutschland die Zahl der 80-Jährigen und Älteren von heute fast 4 Mio. auf 10 Mio. im Jahr 2050 vergrößern.

Überdies verbringen ältere Menschen täglich nur noch etwa drei Stunden außerhalb der Wohnung. Aufgrund der wachsenden Zahl von Senioren und deren nachlassender Mobilität werden Wohnungen mithin immer mehr zum Lebensmittelpunkt von Menschen.

Indes: Einstige Vertrautheit könne für Hochbetagte zur Falle werden, weiß Susanne Tyll, die in Nordrhein-Westfalen bei barrierefreiem Bauen berät. Selbst in gewohntem Umfeld lauerten plötzlich Gefahren, so die Krefelder Dipl.-Pädagogin. Wie in München die Bau 2009 verdeutlicht, erweisen sich vor allem Bad und Toilette als problematische Bereiche für über 80-Jährige. Doch Stolperfallen gibt es auch im Treppenhaus, auf Balkonen und im Wohnzimmer.

70 % der Gebäude seien schwer begehbar, betont die Organisation „Barrierefrei Leben“. 57 % der Wohnungen hätten Stufen an den Türen. Das gelte sogar für 32 % aller Badezimmer. 30 % der Wohnungen mit Treppen innerhalb der Wohnung verfügten über kein ausreichendes Geländer. Doch auch die Betten seien in den oft engen Schlafzimmern fast immer zu niedrig, weiß Tyll, was das Aufstehen mühsam mache und im Pflegefall die Arbeit des Pflegedienstes erschwere. Überdies fehle in den meisten Wohnungen ein Notrufsystem.

25 % der älteren Bewohner mit körperlichen Einschränkungen benötigten eine Modifikation ihres Zuhauses, so „Barrierefrei Leben“. 22 % aller Senioren könnten ihre Wohnung noch nicht einmal vollständig nutzen. Die Initiative „Leben ohne Barrieren“ geht mit ihren auf der „Bau 2009“ formulierten Forderungen noch einen Schritt weiter: Eine Wohnung sei nur dann alten- und behinderengerecht, wenn der Aspekt Hürdenfreiheit auch für den Zugang zum Haus, den Weg zur Mülltonne oder zum Parkhaus gelte.

„Wer barrierefrei planen, bauen und wohnen möchte, muss die menschlichen Maße und die Bewegungsabläufe von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen,“ so Dipl.-Ing. Marco Gedert, Geschäftsführer der Gedert Objekt-Einrichtungen GmbH in Starkenburg. Die hürdenfreie Gestaltung des Wohnumfeldes müsse sich nach den speziellen Bewegungsabläufen richten. Die DIN-Normen zum alters- und behindertengerechten Bauen seien so konzipiert, dass sie die meisten sensorischen und motorischen Behinderungen betroffener Personen berücksichtigten, erläutert Gedert. Ebenso erfassten die Normen die besonderen Anforderungen an das Leben mit Gehhilfen oder Rollstühlen.

Auch die Richtlinie VDI 6008, Blatt 1 „Schaffung barrierefreier und behindertengerechte Lebensräume“ widmet sich der technischen Regelung beim barrierefreien Bauen. Die VDI-Richtlinie zielt unter anderem auf die Funktion der Sicherheits- und Kommunikationstechnik. Doch nicht immer ließe sich per Norm das Leben des Einzelnen erleichtern, so Gedert. In solchen Fällen müsse gemeinsam mit den behinderten oder alten Menschen geplant werden.

ELMAR WALLERANG

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