Bau 23.05.2008, 19:35 Uhr

Mit dem Anbau etagenweise nach unten  

VDI nachrichten, London, 23. 5. 08, rok – Wohnhäuser in der Stadt lassen sich meist nur schwer in ihrer Wohnfläche vergrößern. Oft sind die Höfe oder Gärten zu klein, um auf der Rückseite anbauen zu können. Und für ein Aufstocken ist eine Baugenehmigung erforderlich, die vielfach von den Behörden mit Rücksicht auf das Gesamtbild der jeweiligen Straße verweigert wird. Der einzige Ausweg führt in die Tiefe.

Seit einigen Jahren werden in London mehr und mehr Häuser nach unten erweitert. In einzelnen Straßen ist das schon bei jedem dritten, vierten Gebäude zu beobachten. Ein, zwei oder auch drei Stockwerke wachsen in den Boden hinein. Diese Art der Wohnflächenvergrößerung ist teuer. Aber der Kauf eines größeren Hauses ist meist mit noch viel mehr Kosten verbunden. Und in Toplagen sind größere Anwesen vielfach überhaupt nicht erhältlich. Also wird in London mittlerweile in besonders guten Wohnlagen so häufig nach unten gebaut, dass es schon Protestbewegungen gibt, die vor allem darauf abheben, dass derartige Vertiefungen die Grundwasserströme arg verändern könnten.

War es noch vor wenigen Jahren einfach, eine einschlägige Baugenehmigung zu erhalten, so sind mittlerweile in verschiedenen Stadtteilen umfangreiche Studien über die Auswirkungen auf das Grundwasser vorzulegen. Darunter leidet das Interesse am „Tiefbau“ aber keineswegs.

Auf derlei Vertiefungen spezialisierte Baufirmen, von denen es in London eine ganze Anzahl gibt, können vielfach Referenzlisten vorlegen, die mehrere hundert Objekte umfassen. Ihnen allen ist gemein, dass sie eine ungewöhnliche Mischung von Hand- und Hightech- Arbeit darstellen.

Vom Zeitbedarf des einzelnen Projektes entfallen bis zu einem Drittel auf schwere Handarbeit. Dabei geht es um das Ausschachten. In der Regel wird die Wand eines Vorderzimmers des jeweiligen Hauses zur Straße durchbrochen. In diesem Zimmer beginnt dann der Tiefbau. Quadratmeterweise wird ausgeschachtet und abgestützt. Maschinen sind hier kaum einsetzbar. Zum einen mangelt es an Platz. Zum anderen gefährdet die Vibration arbeitender Maschinen die Stabilität des Bauwerks. Und Stahlträger lassen sich ohnehin nicht in den Boden rammen, weil dazu der Zugang von oben fehlt. Also müssen alle Wände nach und nach mit Stahlträgern unterlegt werden. Anschließend werden diese Träger nach unten durch andere abgestützt – immer wieder abschnittweise je nach dem Fortschritt der Ausschachtung. Verzögerungen gibt es gelegentlich, wenn tief unter dem alten Haus Versorgungsleitungen gefunden werden, die erst mühsam verlegt werden müssen.

Schließlich steht das Haus auf einem Stahlgerüst. Nun werden die Außenwände gegossen oder gemauert. Parallel zu den Außenmauern wird ein zweiter Mauersatz hochgeführt. Beide Mauern werden wasserdicht ausgeführt. Sofern aber doch Wasser im Laufe der Zeit eindringt, wird es zwischen den beiden Mauern aufgefangen und in die höher gelegene Kanalisation gepumpt.

Die Frisch- und Abwassertechnik ist ohnehin bei diesen Unterbauungen aufwendig, weil häufig tief unter der Erdoberfläche ein Schwimmbad, zumindest aber Badezimmer und Toiletten installiert werden.

Fast immer befinden sich die Schlafzimmer unter der Erdoberfläche. Das bedeutet, dass nicht nur beheizt werden muss, sondern dass auch Luftfeuchtigkeit reguliert und stabilisiert werden muss. Das gilt umso mehr, wenn im zweiten oder dritten Tiefgeschoss ein Schwimmbad installiert wird. Geht es um die Beleuchtung, streben die meisten Bauherren danach, dass Schlafzimmer unter der Erde eine Fensterfront aufweisen. Das geschieht dergestalt, dass im Hof oder Garten ein großflächiger Lichtschacht gebaut wird, in den von den unter der Erdoberfläche gelegenen Zimmern Fenster und im untersten Geschoss sogar eine Terrassentür führen.

Tiefbauten dieser Art erfordern wenigstens 15 Monate Bauzeit, was sich vor allem aus der langen Ausschachtzeit per Hand erklärt. Nicht mit eingerechnet ist der Zeitbedarf für die Baugenehmigung und für die Verträge mit den Nachbarn auf beiden Seiten, deren Zustimmung zu dem Vorhaben nach britischem Baurecht unverzichtbar ist.

Wenn es um die reinen Baukosten geht, wird von den meisten Anbietern als Faustregel ein Preis von 3300 Pfund oder umgerechnet rund 4800 € je m2 zusätzlicher Nutzfläche im Haus genannt. Dabei sind besondere Wünsche wie etwa das Schwimmbad in der untersten Etage oder eine elegante Rutsche direkt vom hochgelegenen Schlafzimmer ins Schwimmbad noch längst nicht berücksichtigt. Zu den Baukosten addieren sich die Architektenhonorare und die Kosten für Bodenuntersuchungen. Aber all das scheint keinerlei abschreckende Wirkung zu zeigen. PETER ODRICH

Von Peter Odrich

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