Sanitärindustrie 11.03.2011, 19:52 Uhr

Mehr Freiraum und Opulenz fürs Bad

Im Bad geht es längst nicht mehr nur um Hygiene. Der Wohlfühlfaktor drängt sich in den Vordergrund. Luxus ist erlaubt. Mit Design und wertvollen Materialien versucht die Badindustrie, sich im Wettbewerb zu positionieren. Insgesamt konnte die deutsche Sanitärwirtschaft ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 1 Mrd. € auf 17,1 Mrd. € steigern.

„Obwohl sich das Badezimmer in den letzten Jahren zu einem vollwertigen Wohnraum entwickelt hat, fällt es immer noch schwer, es sich jenseits der gekachelten durchschnittlichen 7,9 m² vorzustellen. erklärt Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der VDS (Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft). Unter der Überschrift „Pop up my Bathroom“ versucht die VDS denn auch neue Badideen umzusetzen und das gestalterische Potenzial aufzuzeigen.

Die VDS vertritt die Interessen der deutschen Unternehmen im Bereich Bad und Sanitär mit zehn Mitgliedsverbänden aus Industrie, Fachgroßhandel und Fachhandwerk. Der mittelständische Wirtschaftszweig mit über 220 Industrie-, 280 Großhandels- und knapp 50 000 installierenden und Handwerksunternehmen konnte im vergangenen Jahr seinen Gesamtumsatz um mehr als 6 % auf 17,1 Mrd. € steigern. Während das Inlandsgeschäft um gut 5 % auf 13,9 Mrd. € wuchs, kletterten die Verkaufserlöse im Ausland um etwa 10 % auf 3,2 Mrd. €.

Wischmann hebt drei Badtrends hervor: Erstens (zurück zur Natur) geht es um einen verantwortungsvollen Umgang mit der knappen Ressource Wasser, aber auch um nachhaltiges Baddesign. Das heißt z. B. Verwendung von recyclefähigen Werkstoffen wie Kupfer, Stahl, Holz, Glas oder Keramik. Zweitens (einfacher geht’s nicht) steht der Komfort für Generationen im Fokus, bei dem das Bad in jedem Lebensabschnitt seinem Nutzer optimale Bedingungen und Komfort auch ohne Verzicht auf Gestaltung und Design bietet. Der dritte Trend (weg von der Wand) setzt ein neues Verständnis des Bades voraus, das nach neuen Anforderungen und Raumkonzepten verlangt.

Von „Wohnen als Arznei“ spricht gar Harry Gatterer, Geschäftsführer vom Zukunftsinstitut Wien. Niemals zuvor hatte Gesundheit einen so hohen Stellenwert wie heute. Rund um Ernährung, Körper, Sport und Lebensqualität entstünden neue gigantische Nachfragemärkte. „Dabei ist heute der Begriff Gesundheit an sich ein äußerst breiter Begriff geworden. Was für den einen ,nicht krank‘ bedeutet, meint für andere viel mehr ,fit & relaxt‘ oder wird sogar mit der eignen Glücklichkeit in Verbindung gebracht“, erklärt Gatterer.

„Die Wohnräume werden zum Regenerationsmittelpunkt unseres Lebens. Hier laden wir die wichtige Energie, die wir heute vor allem in unseren Gehirnen in der Arbeitswelt verbrennen“, erläutert der Trendforscher. Gefragt seien neue Wege, die Natur in die Wohnräume sinnvoll zu integrieren. „Der Blumentopf ist der Gesellschaft im 21. Jahrhundert zu wenig. Wir wollen wahre Wohlfühloasen“, bekräftigt Gatterer.

Dabei werde auch die Nutzung der Wohnräume in Zukunft neu definiert. Gatterer spricht von der Nutzung verschiedener Zonen. „Wobei der Intimzone, also der Zone von Schlafzimmer und Bad, ein äußerst hoher Stellenwert zugeschrieben wird. Hier wird regeneriert, hier wird erholt und entspannt. Die Do-it-yourself-Frischzellenkur für jedermann.“

„Wenn ich heute das Bad zu klein zeichne, bin ich bei meinem Bauherren draußen“, konstatiert denn auch Sergei Tchoban. Der Architekt hat für Duravit eine neue Badserie gestaltet. Sie umfasst Badewannen, Keramik sowie Möbel und wird in Anlehnung an das französische Wort für Prachtstraßen „Esplanade“ genannt. Die Serie steht für die neue Opulenz im Bad, nicht protzig, sondern großzügig und genussvoll“, erklärt Albrecht von der Groeben, Vertriebsleiter International bei Duravit.

Die Eigenschaften dieser modernen Opulenz seien denn auch nicht mehr „üppig“ oder „überladen“, sondern stattdessen „großzügig“ und „genießerisch“. Luxus sei gewünscht, aber nicht mehr in Form goldener Wasserhähne, sondern als neuer, freierer Umgang mit Formen, Oberflächen und Raum. Oder wie Tchoban es ausdrückt: „Zeitgemäße Opulenz ist, wenn man sich ein bisschen mehr erlaubt und doch auf dem Boden bleibt.“

Bei Hansgrohe hebt Philippe Grohe (Leiter der Marke Axor) die Bedeutung von Mineralguss hervor. Das Material sei Schlüssel zum Konzept der neuen Kollektion „Bouroullec“, die man gemeinsam mit den Brüdern Ronan und Erwan Bouroullec entwickelt hat. Für die neue Freiheit, die Armaturenelemente frei zu positionieren, brauche es Waschtische, die der Sanitärhandwerker nach den individuellen Wünschen des Kunden leicht und sicher bohren kann. So können die Armaturenelemente frei am Waschplatz positioniert werden. Schlauchverlängerungen erlauben auch weit voneinander entfernte Platzierungen. „Die Beratung gewinnt enorm an Bedeutung“, betont Grohe. Eine Chance und Herausforderung für Fachhändler, Planer und Installateure.

Der Badplaner wird zum Regisseur. Raumkonzepte bestimmen die Zukunft des Bades. Bad, Dusche, Waschbecken oder Toilette werden zu einem Raum im Raum – allein stehend, in Kombination mehrerer zusammengefasster Ausstattungselemente oder als bewusst hintereinander geschaltete Stationen täglicher Routinen und ritueller Entspannungsstunden. Immer öfter wird die Toilette gänzlich ausgegliedert oder zumindest deutlich abgesetzt. Breite Glastüren einer bodengleich eingebauten Dusche helfen im Alter. Abgerundete Kanten oder rutschhemmende Bodenbeläge schützen alle Altersstufen vor Verletzungen. ROBERT DONNERBAUER

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