Bau 07.09.2001, 17:30 Uhr

Leiser Beton macht Karriere

Selbstverdichtender Beton. Im Ausland steigt seine Verwen­dung stetig, hierzulande wird noch heftig diskutiert. Drei deutsche Firmen haben mittlerweile eine Zulassung für ihre Baustoffe erreicht.

Selbstverdichtender Beton (SVB) zählt zu den Top-Themen der Bautechnologie: Leise und einfach ist er in der Verarbeitung, stillschweigend wird er angewendet und viel und laut wird er wissenschaftlich diskutiert. Aber was leistet SVB in der Praxis?

Als selbstverdichtender Beton (SVB), oder „Self-Compacting-Concrete“ (SCC) gilt ein Frischbeton, der ohne zusätzlichen Verdichtungsaufwand mit Innen- oder Außenrüttlern, lediglich unter der Wirkung seines eigenen Gewichts, eine beliebig geformte Schalung hohlraumfrei ausfüllt, satt die Bewehrung umhüllt, sich entlüftet und ausnivelliert, ohne sich dabei zu entmischen.

Seine Festbetoneigenschaften gleichen denen eines konventionell verdichteten Rüttelbetons, beziehungsweise übertreffen diesen qualitativ. In bautechnologischer Hinsicht wird die gute Sichtbetonqualität und dichte Oberflächenstruktur von SVB geschätzt: Er gibt Schalungsstrukturen exakt wieder und vermindert ausführungsbedingte Fertigungstoleranzen, wie beispielsweise Lunker. Verfahrenstechnisch lassen sich mit SVB komplexe und auch großflächige Bauteile mit anspruchsvollen geometrischen Formen in einem Arbeitsgang herstellen.

Das Rütteln entfällt und somit auch eine wesentliche Lärmquelle, die von Baustellen durch die Vibrationsvorrichtungen ausgeht. Eine Humanisierung der Arbeitsbedingungen, denn das Vibrations-Syndrom gilt als ernsthafte Berufskrankheit. Häufig wird in einem Zuge der Vorteile von SVB auch die Reduktion der personellen Aufwendungen genannt. Dies sei, so warnen Experten, nur mit Vorbehalt möglich und nicht die vorrangige Legitimation einer neuen Technik.

Und mit der Legitimation hat es der SVB ohnehin schwer: Der Nachteil dieser Betone liegt in ihrer nicht normkonformen Zusammensetzung, die eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder eine Zustimmung im Einzelfall durch die jeweils zuständige Bauaufsichtsbehörde erforderlich macht. Die neuen Betonnormen DIN EN 206–1 und 1045 –2 schließen SVB explizit aus. Begründungen dafür sind die nicht normkonforme Konsistenz und der ggf. überhöhte Anteil an Feinststoffen (Mehlkorn). Zudem mangele es an baupraktischen Erfahrungen mit SVB in Deutschland.

Doch so neu ist SVB gar nicht. Weltweit reichen die Erfahrungen rund zehn Jahre zurück. Vorangetrieben wurde SVB durch die Weiterentwicklung der Fließmittel, durch die neue Betonzusatzmittel wie Hochleistungsverflüssiger in Form von oberflächenaktiven Polymeren (Polycarboxylat-Ether) entstanden sind. Vorreiter in der Anwendung sind Japan und Schweden. In Schweden stellte SVB 3 % des gesamten Betonumsatzes vom letzten Jahr, für 2001 wird mit 6 % gerechnet.

Als Forschungshochburg gilt Japan. „Die Japaner wissen Dokumentationen richtig zu lesen und darauf aufzubauen“, kommentieren dies Branchenkenner. 1966 wurde im Druckstollen des Sauerländischen Pumpspeicherwerks Rönkhausen ein Zwischenraum zwischen einem eingebrachten Druckstahlrohr und Fels homogen und ohne Verdichtungsaufwand verfüllt. Rund 800 m legte der Baustoff zurück. SVB kann es nicht gewesen sein, denn diesen Begriff gab es damals noch gar nicht.

Der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) erarbeitet derzeit eine Richtlinie, die den Einsatz von SVB erleichtern soll. Mit der bauaufsichtlichen Einführung der Richtlinie ist frühestens Anfang 2003 zu rechnen. Über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für ihre SVB-Produkte verfügen nur drei deutsche Anbieter: Dyckerhoff Beton, Wiesbaden, mit Liquidur Innovativ (SVB), das Fertigteilwerk Drössler, Siegen mit easyflow (SVB) und das Fertigteilwerk Wilhelm Siemsen im norddeutschen Schwarzenbeck mit RheoCon (SVB).

Es ist kein Geheimnis, dass das Erwirken einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung ein zum Teil kostenintensives Verfahren ist. Diese drei Anbieter leisten zweifelsohne Pionierarbeit hinsichtlich der Einführung von SVB in den deutschen Markt als auch der administrativen Legitimation, da es nun auch offiziell dokumentierte deutsche Praxiserfahrungen gibt. Ein Beispiel dafür ist der Dyckerhoff Verwaltungsbau.

Es ist davon auszugehen, daß SVB auf deutschen Baustellen viel weiter verbreitet ist, als dies die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Thema (SVB-Konferenzen an der FH Trier am 27./ 28.08.01, an der HTWK Leipzig am 29./30. 11. 01) vermuten lässt. Die entsprechenden Zusätze sind in der Dosierung so gering, dass sich von einem fertigen Bauteil später nicht mit Bestimmtheit sagen lässt, ob dies nun gerüttelt wurde oder nicht. Verräterisch ist, wenn Geometrie und Aussparungen so komplex und in hervorragender Qualität ausgeführt sind, dass es sich nur um SVB handeln kann. Aber auch Schadensfälle belegen, dass SVB nicht nur von denen angewendet wird, die es offiziell dürfen.

SVB sei leistungsstärker, erfordere aber in allen Arbeitsschritten eine sorgfältigere Handhabe, resümieren die Experten. So stellt der Einsatz von SVB hohe Anforderungen an die Logistik: Während man bei einem Fahrzeug mit Normalbeton in der Regel eine gute halbe Stunde zum Einbau auf der Baustelle kalkuliert, sind SV-Betone innerhalb von fünf bis zehn Minuten verbaut, d.h. die Mischfahrzeuge müssen in dichter Folge zur Verfügung stehen.

Ein weiteres bislang noch nicht geklärtes Problem in der Anwendung ist die zulässige Manipulation des Baustoffs vor Ort. Normalem Beton dürfen auf der Baustelle Fließmittel zugesetzt werden. Dies sei nicht problemlos auf SVB übertragbar, warnen Baufachleute. Er reagiere in Herstellung und Verarbeitung viel sensibler als Fließbeton, entsprechend größer sei also das Risiko, dass er sich bei falscher Dosierung entmische und unbrauchbar werde.

SVB fließt unaufhaltsam – er ist der neue Baustoff-Trend. Damit weist er auch die Entwicklungsrichtung für Verbesserungen konventioneller, d.h. genormter Materialien. C. RADWAN/wip

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