Baubetrieb 12.06.2009, 18:28 Uhr

Kostensparende A-8-Verbreiterung dank prozessorientierter Produktion  

Im Bewusstsein deutscher Politiker vollzieht sich ein Wandel. Nach langer Bauabstinenz sollen jetzt bessere Straßen und Autobahnen her. Zum Abfangen der gleichzeitig zu beobachtenden Baukostensteigerung glückte auf der Autobahn A 8 in Baden-Württemberg ein neues Verfahren zur Rationalisierung des Schwarzdeckeneinbaus. VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 6. 09, rok

Im Rahmen aktueller Konjunkturprogramme soll die Verkehrssituation auf deutschen Straßen und Autobahnen verbessert werden. Teurer werdende Kraftstoffe und Preissteigerungen bei Baustoffen wie dem Schwarzdeckenmischgut erweisen sich aber als Hemmschuh für derlei Ideen. Grund genug, den Straßenbau zu rationalisieren. Bei der Verbreiterung der A 8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart wurde im Rahmen eines Pilotprojekts das Schwarzdeckenmischgut für den Fahrbahnbelag nach Methoden der prozessorientierten schlanken Produktion eingebaut. Die entsprechenden Kosten verringerten sich um 40 %.

Nach Argumenten, die für die Notwendigkeit einer Verbesserung des deutschen Straßennetzes sprechen, brauchen Politiker nicht lange zu suchen. Einer Studie zufolge werden täglich im Stau 30 Mio. l Kraftstoff im Wert von 50 Mio. € verbrannt.

Als preiswerteste Lösung zur Verbesserung der Situation auf deutschen Straßen gilt das Verbreitern von Autobahnen, was unlängst auf der A 8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart praktiziert wurde und auf Fernstraßen wie der A 5 zwischen Baden-Baden und Basel sowie der A 3 zwischen Aschaffenburg und Erlangen bevorstehen dürfte.

Eine der letzten Maßnahmen in diesem Zusammenhang: die Verbreiterung der A 8 bei Wurmberg zwischen Heimsheim und Pforzheim-Ost von vier auf sechs Fahrstreifen. Zu dem Ausbauprojekt, das für eine Gesamtsumme von 12 Mio. € verwirklicht wurde, gehörten die Umtrassierung (Vergrößerung von Bögen, Verringerung von Höhenunterschieden bis zu 8 m), eine neu zu verlegende Kanalisation und der Bau neuer Brücken.

Besonders hervorzuheben an dieser Maßnahme: die Rationalisierung des Einbaus von rund 100 000 m2 Asphaltdecke – ein Pilotprojekt der F. Kirchhoff Straßenbau, Niederlassung Stuttgart, wofür sich das ausführende Unternehmen Rat von der Porsche Consulting, Stuttgart, eingeholt hatte. Die 100 %ige Tochter des Stuttgarter Sportwagenherstellers „analysiert und optimiert branchenübergreifend Arbeitsabläufe nach Wertschöpfung und Verschwendung“, so Consulting-Chef Eberhard Weiblen.

Die Beratungsfirma hat die Arbeitsabläufe auf Autobahnbaustellen unter die Lupe genommen, von der Herstellung des Asphaltbetons in der Mischanlage über den Transport zur Baustelle bis zum Einbau per Fertiger. „Dabei konnte die Arbeitsleistung von 180 t Asphalt je Stunde auf über 300 t je Stunde gesteigert werden“, rechnet Porsche-Geschäftsbereichsleiter Jörg Kaiser vor: „Die Bauzeit verkürzte sich dadurch von 12,2 auf 7,3 Tage, die Kosten für die Einbaukolonne und den Fertiger wurden um 40 % gesenkt.“

Die Berater verfolgten die Idee, die Arbeitsabläufe einer Großbaustelle mit Methoden der prozessorientierten schlanken Produktion zu beflügeln, die sich in der Automobilindustrie bereits bewährt hat. Um ein solches Verfahren auf eine andere Branche zu übertragen, gelte es – so Kaiser – nach Analyse und Konzept die praktische Arbeit zunächst auf einer Pilotbaustelle zu erproben. Am Wurmberg habe man sich deshalb auf den Bau der Schwarzdecke konzentriert.

„Die Analyse der Fahrwege und Fahrdauer der Lkw sowie der Abläufe in der Asphaltmischanlage und am Fertiger machten die Probleme sichtbar“, betont der Unternehmensberater. Bedingt durch die Leistungsfähigkeit des Mischwerks und den dadurch eher unregelmäßigen Lkw-Verkehr zur rund 15 km entfernten Baustelle sei der Asphaltfertiger nicht ausgelastet gewesen.

Wartezeiten hemmten mithin den Baufortschritt beim Schwarzdeckeneinbau. „Mal waren Lkw mit frischem Mischgut nicht schnell genug da, mal stauten sich die Lkw auf der Baustelle“, erinnert sich Kaiser. Der gesamte Arbeitsprozess wurde konsequent an der Leistungsfähigkeit des Fertigers ausgerichtet, denn dieser sorge „für die Wertschöpfung auf der Baustelle“.

Um also genügend Schwarzdeckenmaterial zur Verfügung zu haben, musste ein Zweischicht-Betrieb an der Mischanlage durchgesetzt werden. Dadurch war es möglich, über einen Zehn-Stunden-Tag hinweg genau festzulegen, wie viele Lkw in welchem Rhythmus pendeln müssen, um einen kontinuierlichen Arbeitsablauf zu garantieren.

Kaiser: „Analog der Just-in-time-Anlieferung in der Automobilproduktion resultiert auch am Bau ein wichtiger Erfolgsfaktor aus einem kurzen, schnell zu kontrollierenden Takt.“

Auf diese Weise kann die Maschine ihre Aufgaben ohne Unterbrechung erfüllen. „Unsere Leute hatten ständig und regelmäßig zu tun“, erinnert sich Gunther Mai, bei Kirchhoff verantwortlich für das Prozess-Management.

Damit das auch so blieb, wurde jeder Lkw-Fahrer mit einer sogenannten Taktkarte ausgestattet – eine Art Fahrplan, den er sich an den Zielpunkten stets gegenzeichnen lassen musste. Kaiser: „Die Karte ist ein zentraler Punkt für die Stabilisierung und Verbesserung einer Baustelle.“ An der A 8 hätte man keine großen Investitionen gebraucht, sondern im Grunde „nur ein simples Blatt Papier“. ELMAR WALLERANG

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  • Elmar Wallerang

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Hoch- und Tiefbau, Bautechnik.

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