Bau 02.02.2001, 17:28 Uhr

Keine Angst vor der EnEV

Eine technische Überfrachtung der Neubauten wird nicht vorgeschrieben. Übliche Bau- und Heiztechniken dürften genügen.

Seit drei Jahren werkeln Bau-, Wirtschafts- und Forschungsministerium des Bundes an der Energie-einsparverordnung. Sie erhielt schon den Titel „EnEV 2000“, schaffte aber bisher nicht den Sprung vom Referenten zum Gesetzesentwurf, geschweige denn zur Verabschiedung. Dass dieses Jahr die Abstimmungsschwierigketen gemeistert werden und die EnEV Gesetzeskraft erlangt, bezweifeln Insider. Schafft sie das Gesetzgebungsverfahren, dann dürfte der max. zulässige Heizölverbrauch bei Neubauten irgendwo bei 7 l Heizöl je Quadratmeter Fläche und Jahr angesiedelt sein.
Um die EnEV zu erfüllen, müsse man sich aber nicht etwa auf Solarhäuser oder Hightech-Gebäude beschränken, versichert ein Bauträger, der sich auf Niedrigenergiehäuser für schmale Budgets spezialisiert hat. Es genüge in vielen Fällen eine ganz gewöhnliche Baukonstruktion, die ein Architekt schon vor 50 Jahren mit den damaligen Kenntnissen und Baustoffen hätte verwirklichen können. Wichtigste Faktoren: eine sachgemäße Wärmedämmung, eine dichte Gebäudehülle und eine sparsame Wärmeerzeugung, etwa mit Niedertemperaturheizkesseln.
Mit der EnEV, die die Wärmeschutzverordnung von 1995 ablöst, will die Bundesregierung bei Neubauten den Heizölverbrauch auf unter 10 l/m2 drosseln. Es gibt aber auch Entwürfe für „5-l- und 3-l-Häuser“, deren Mehrkosten – wegen entsprechenden technischen Beiwerks – den Bauherrn freilich schaudern lassen. Auch wenn sich der Mehraufwand für aufwendige Regelungen, für Vakuum-Sonnenkollektoren, Wärmerückgewinner oder Langzeitspeicher binnen fünf bis zehn Jahren amortisieren sollte: „Wer weiß, ob diese Komponenten überhaupt so lange halten“, argwöhnt Thomas Euwens, Chef der Bauträgergesellschaft Repp in Kleve.
Die wichtigsten Sparmaßnahmen bekommt der Bauherr eines neuen Eigenheimes übrigens umsonst: Hat das Haus eine kompakte Form (keine Erker, Vorsprünge oder Türmchen), bleibt die Verlustwärme nach außen gering. Grundsätzlich sollten Räume mit höheren Raumtemperaturen wie Wohn- und Kinderzimmer auf der Südseite liegen. Räume mit niedrigem Wärmebedarf wie Schlafzimmer, Diele und Treppenaufgang gehören auf die Nordseite. Auf diese Weise wird die Sonneneinstrahlung durch die Fenster genutzt und ein unnötiger Wärmetransport vermieden.
Gleichwohl genügt es vollauf, wenn die Fensterfläche der Fassade 15 % der Größe der dahinter liegenden Räume misst. Das stellt das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Stuttgart fest. Fenster und Türen seien immer energetische Schwachstellen, auch wenn Isoliergläser als Wärmebremse eingesetzt würden.
An dritter Stelle sollte der sparwillige Bauherr auf Materialauswahl und fachgerechte Ausführung achten, auf doppelte oder dreifache Verglasungen und auf die Art der Wärmedämmung, betonen die Bauphysiker. Noch wichtiger als eine extreme Isolierdicke sei aber die fugendichte Ausführung der Dämmhülle. Hier werde oft geschludert.
Quellen für Wärmeverluste sind auch Löcher in der Dämmung, wie sie beim Rollladeneinbau vorkommen. Anstelle der Versenkung in das Mauerwerk sollten die Rollladenkästen außen aufmontiert werden, meinen die Fraunhofer-Spezialisten aus Stuttgart, die Rollläden am liebsten ganz verbannen würden, weil sie wärmetechnisch ohnehin nichts bringen, sofern die Fenster solide ausgeführt und fugendicht eingebaut sind.
Erst jetzt, an vierter Stelle also, kommt die Technik als Sparmaßnahme ins Spiel, will man die 10-l-Verbrauchsgrenze unterschreiten. Ein moderner Heizkessel mit hohem Wirkungsgrad – es muss kein teurer Brennwertkessel sein – sei indes unabdingbar, betont der Klever Bauträger. Hilfreich könne eine solare Brauchwasseranlage mit gewöhnlichen Flachkollektoren sein, räumt selbst Kollektorbauer Helmut Engelhorn aus dem badischen Altlußheim ein. Vakuumkollektoren rechneten sich kaum und seien obendrein wartungsbedürftig, weil das Vakuum nicht ewig halte.
Ist das Haus wirklich fugendicht gebaut, was sich messen lässt, empfiehlt sich eine mechanische Lüftung, damit die Bewohner nicht unkontrolliert durchs Fenster lüften. Wichtig dabei: die Wärmerückgewinnung. Sie entzieht der verbrauchten Fortluft einen Teil der Wärme und heizt damit die einströmende kalte Außenluft vor. „Die Fenster können also geschlossen bleiben, trotzdem wird dosiert gelüftet“, unterstreicht Dipl.-Ing. Sylvia Will, technische Leiterin des Lüftungsspezialisten Heinemann im Bayerischen Schondorf. Das beuge auch der Schimmelpilzbildung vor. PETER GÖHRINGER

Von Peter Göhringer

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