Tiefbau 24.04.2009, 19:40 Uhr

Jetzt beaufsichtigen freie Ingenieure den Kölner U-Bahn-Bau  

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), deren U-Bahn-Arbeiten das Historische Archiv zum Einsturz brachten, überwachten sich selbst. Das war bislang juristisch sauber. Um die KVB zu entlasten, kam es jetzt zu einer „vertrauensbildenden Maßnahme“. Der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow entzog der KVB die Bauaufsicht, die nun eine Düsseldorfer Ingenieurgesellschaft ausübt. VDI nachrichten, Düsseldorf/Köln, 24. 4. 09, rok

Das Düsseldorfer Unternehmen Spiekermann habe, so Büssow, bereits für zahlreiche Projekte Planung und Überwachung wahrgenommen. Unter anderen gehören die ICE-Neubaustrecke Köln – Rhein/Main, der Neubau des Hauptbahnhofs Berlin und der Wesertunnel Dedesdorf zu ihren Referenzen. Auch die Stadtbahnen in Duisburg, Mülheim und Karlsruhe wurden von ihnen betreut.

Seit mehr als 30 Jahren arbeiten die erfahrenen Diplomingenieure Walter Neumaier und Herbert Meerkamp bei der Spiekermann AG. Die beiden 56-Jährigen sollen nun die Aufsicht über den Rohbau der Kölner Nord-Süd-Bahn verantworten. Dazu gehört auch die ausreichende Sicherung des durch den Bau berührten Fahrbetriebes, etwa bei Anschlüssen des schon bestehenden U-Bahn-Netzes. Die gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle beschränkt sich zwar auf Stichproben, die allerdings bei Bedarf täglich zu machen sind. So sieht es der Vertrag vor. Vermutlich werden Neumaier und Meerkamp wenigstens zwei Jahre lang mit dem kniffligen Projekt beschäftigt sein.

Neumaier ist zuversichtlich. Man werde sich „relativ kurzfristig einen Überblick“ über die Baustelle und das 28 m tiefe Trümmerloch verschaffen.

Die Kosten der neuen Bauaufsicht schätzt Regierungspräsident Büssow auf 150 000 € „oder mehr“ pro Jahr. Die werde das Land Nordrhein-Westfalen übernehmen.

Ob es später zu einer Regressforderung an die KVB kommt, sei fraglich. Das hänge auch vom Ermittlungsergebnis der Staatsanwaltschaft ab. Die hat noch niemanden namentlich einer Straftat beschuldigt. Es werde noch immer, so hieß es bei Redaktionsschluss, „gegen Unbekannt ermittelt“. Erschwerend kommt hinzu: Die rechtliche Situation ist vertrackt.

Zuständig für die behördliche U-Bahn-Bauaufsicht ist in ganz Nordrhein-Westfalen nach dem Personenbeförderungsgesetz der Düsseldorfer Regierungspräsident. Er hat sie aber nicht ausgeübt („Wir müssten bei laufenden Projekten ja sonst intern ein Unternehmen wie Spiekermann vorhalten“), sondern durfte sie an die Stadt Köln delegieren. Die übertrug sie – Kritiker sprechen von einer Verquickung – an den Bauherrn, eben die Kölner Verkehrsbetriebe. Auch beim Bau der Düsseldorfer U-Bahn „Wehrhahnlinie“ kontrolliert sich die Stadtverwaltung selbst: durch ihr Bauaufsichtsamt. Das darf so sein.

Jürgen Büssow prophezeit indessen eine einschneidende Änderung der rechtlichen Regeln: „Nach dem Flughafenbrand in Düsseldorf ist in ganz Deutschland die Brandschutzordnung neu geschrieben worden.“ Bei der Flughafen-Katastrophe 1996 starben 17 Menschen. Beim Einsturz des Kölner Archivs Anfang vorigen Monats wurden 2 Menschen getötet. E. Ph. Liliensiek

Ein Beitrag von:

  • Eberhard Ph. Liliensiek

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