Bau 29.03.2002, 18:33 Uhr

Holzmann-Pleite bringt keine Entspannung für den Markt

Vergangenen Donnerstag meldete die Philip Holzmann AG Konkurs an, Freitag nahm der Insolvenzverwalter seine Tätigkeit auf. Löhne und Gehälter seien vorerst gesichert, sagt er. Doch eine Entlastung für die Baubranche bringt diese Marktbereinigung nicht, denn die Bau-Nachfrage sinkt weiter in ungeahnte Tiefen.

Filetstückchen gefällig? Die sind bei der Philip Holzmann AG gerade im Angebot.Und die Konkurrenz habe auch schon ein Auge auf Konzernsegmente geworfen, wird in der Branche gemunkelt: So interessiere sich Hochtief ganz allgemein für den Kauf von „Firmenteilen“, die Strabag für die Holzmann-Tochter Deutsche Asphalt und Bilfinger Berger u.a. für die US-Firma J.A. Jones. Letzteres wurde zwar sofort dementiert – doch gab es bereits vor dem Insolvenzantrag durch Holzmann vergangenen Donnerstag hartnäckige Gerüchte, die Mannheimer interessierten sich für den gesamten Konzern.

Im Grunde, da sind die Analysten nahezu einig, seien das Aus für Holzmann und die damit verbundene Marktbereinigung längst überfällig gewesen. Manche Konkurrenten verbergen eine gewisse Schadenfreude nur unzureichend, denn Holzmanns relativ aggressive Preispolitik der letzten Jahre war in der Branche umstritten. Eine Preispolitik, so der hinter vorgehaltener Hand an Berlin gerichtete Vorwurf, die vielleicht nur Dank der Subventionen möglich geworden war.

Der vorläufige Insolvenzverwalter, der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann, möchte die Schnäppchenjagd der Konkurrenz in geordnete Bahnen lenken. Er bemühe sich gerade um einen Massekredit der Banken, damit das operative Geschäft weiterlaufen könne und wolle „alle Mittel ausschöpfen, um die Überlebensmöglichkeiten des Traditionsunternehmens Philip Holzmann im Ganzen oder in Teilen“ zu ermöglichen. Branchenkenner bewerten diese Aussage allerdings als Beruhigungspille für die Beschäftigten.

Denn auch ein noch so kompetenter Insolvenzverwalter kommt an der Tatsache nicht vorbei, dass die Branche – im Rausch der deutschen Vereinigung – den Bauboom Ost enorm überschätzte und Überkapazitäten aufbaute, die noch heute schwer belasten. Es kann, so Experten, nur darum gehen, die Filetstücke so teuer wie möglich zu verkaufen, um mit deren Erlös die Ansprüche von Beschäftigten und Gläubigern wenigstens teilweise zu befriedigen. Analysten gehen genau von diesem Szenario aus: Die profitablen Bereiche werden veräußert, der einst größte Baukonzern Deutschlands wird zerschlagen. Allerdings zielt der Insolvenzverwalter darauf ab, die unkontrollierte Zerschlagung, sprich Teilverkauf vor Einleitung des Insolvenzverfahrens, zu vermeiden.

Die rund 10 600 in Deutschland beschäftigten Holzmänner sehen sich erneut von Arbeitslosigkeit bedroht. Zwar sind Löhne und Gehälter wohl vorerst gesichert, denn das Arbeitsamt tritt für die nächsten drei Monate für die Löhne ein, doch in ihrer Not greifen sie zu einem Mittel, das schon einmal geholfen hat: Sie wenden sich an den Bundeskanzler. Und so appelliert Betriebsrats-Vizechef Willi Röll in einem Brief an Gerhard Schröder: „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und um die vielen Tausend in den kleinen und mittelständischen Betrieben, die mit uns auf den Baustellen zusammen arbeiten. Bitte stehen Sie deshalb weiterhin zu Holzmann.“ Denn es wurden bereits Aufträge gekündigt. Doch eine erneute Kanzler-Intervention wird es wohl nicht geben.

Indessen haben einige der auf den Holzmann-Baustellen beteiligten Unternehmen begonnen, ihren Material- und Maschinenpark zu entfernen. Manch einem dieser klein- und mittelständischen Unternehmer wird es wie Hohn in den Ohren klingen, wenn Bundeswirtschaftsminister Müller vorsorglich darauf verweist, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Deutschen Ausgleichsbank für die betroffenen Betriebe Liquiditätshilfen bzw. Betriebsmitteldarlehen mit günstigen Zinssätzen zur Verfügung stellen. Die IG Bau jedenfalls rechnet mit einer Reihe von Nachfolge-Konkursen.

Hauptursache für das erneute Scheitern des Holzmann-Konzerns sehen die Fachleute in der branchenweiten Fehleinschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung: Die Holzmann-Sanierungspläne gingen 2000, wie die gesamte Branche, davon aus, dass die Talsohle der Baukonjunktur erreicht sei: Ein für manche tödlicher Trugschluss.

Auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sieht in dem Holzmann-Konkurs keine Entlastung für den deutschen Baumarkt. Man rechnet dort mit einem weiteren Wegfall von ca. 60 000 Stellen in diesem Jahr – da fallen die Holzmänner leider kaum ins Gewicht. Zudem hätte Überkapazitäten-Abbau oft nicht die gewünschte Wirkung, da die Baufirmen im Bedarfsfall problemlos Kapazitäten aus dem Ausland zukaufen könnten, heißt es aus Berlin. Doch das ist wohl gar nicht nötig, denn das Statistische Bundesamt meldete Ende vergangener Woche einen weiteren Rückgang der Nachfrage nach Bauleistungen: Im Januar 2002 lagen die Aufträge im Bauhauptgewerbe um 5,2 % unter Vorjahresmonat. Vor allem der Hochbau sei eingebrochen. Das große Zittern geht weiter. wip

Von Wip

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