Bau 21.05.2004, 18:30 Uhr

Holz ist längst nicht mehr nur zweite Wahl

Moderne Bauten aus Holz sind genau so wertbeständig wie Massivbauten.

Dirk-Uwe Klaas lacht verschmitzt: „Fertighäuser und berufstätige Frauen haben eines gemeinsam – beide müssen besser sein als der Standard, um überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden“. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau hat Grund zum Strahlen, denn die Nachfrage nach Fertighäusern ist im letzten Jahr deutlich gestiegen. Die Zahl der hierfür erteilten Baugenehmigungen im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser stieg bundesweit um 9 % auf 22 737. Im Jahr 2002 waren es noch rund 20 000 gewesen.
Klaas: „Diese enorme Steigerung liegt natürlich zum einen an der steigenden Beliebtheit der modernen Holz-Fertigbauweise mit ihren Vorteilen in punkto Preissicherheit, Terminsicherheit und Energieeinsparung. Zum anderen liegt der Zuwachs aber auch an den leidlichen Diskussionen um die Abschaffung bzw. Kürzung der Eigenheimzulage. Hier wollten viele Bauherren noch schnell auf Grundlage der alten Fördersätze ihren Traum vom eigenen Haus verwirklichen“.
Der Marktanteil des Fertigbaus liegt derzeit bei 13,1 %, womit jedes achte in Deutschland gebaute Haus in Fertigbauweise realisiert wird. Mittelfristig strebt die Branche einen Marktanteil von 20 % an.
Besonders beliebt ist die Fertigbauweise südlich des Mains, dort, wo traditionell der Anteil der Holzbauten ohnehin sehr hoch ist. In Hessen und Baden-Württemberg erreichen Fertighäuser bereits Marktanteile über 20 %. Den größten Zuwachs bei den Baugenehmigungen für Fertighäuser verzeichneten im Jahr 2003 das Saarland und Baden-Württemberg.
Denn moderne Fertighäuser aus Holz sind längst genauso wertbeständig wie Massivbauten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Leipzig. Die Wissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Stefan Winter und Dipl.-Ing. (FH) Daniel Kehl kommen in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass moderne Holzhäuser sich bei Lebensdauer und Wertbeständigkeit nicht von Häusern aus Stein unterscheiden. Holzhäuser in Fertigbauweise genügen demzufolge allen Anforderungen an Wärme-, Feuchte-, Brand- und Schallschutz oder übertreffen diese sogar. Die technische Lebensdauer von Holzbauten kann daher bei ordnungsgemäßer Instandhaltung mehrere hundert Jahre erreichen.
„Ein Holzhaus überdauert Jahrhunderte. Damit ist das alte Vorurteil endgültig widerlegt, Fertighäuser seien wegen einer geringeren Lebensdauer weniger wertbeständig als Massivbauten“, so Dirk-Uwe Klaas. „Moderne Fertighäuser aus Holz halten genauso lange wie Häuser aus Mauerwerk und Beton. Ein entscheidender Grund dafür ist die strenge Qualitätssicherung der Holzbauweise, zu der sich alle Mitglieder im Bundesverband Deutscher Fertigbau verpflichtet haben. In einem Holzhaus kann man ein Leben lang wohnen – und es auch noch an Kinder und Enkelkinder vererben.“
Die Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Stahl- und Holzbau der Uni Leipzig haben die Entwicklung der Holztafel- und Holzrahmenbauweise seit den 60er Jahren untersucht, dokumentiert und mit anderen Bauweisen verglichen. Dabei haben sie festgestellt, dass sich die entscheidenden bautechnischen Kriterien in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert haben.
Moderne Holzhäuser seien zukunftsorientierte und qualitätssichere Neubauten, denen zu Unrecht ein geringerer Wiederverkaufswert nachgesagt werde, so das Urteil der Forscher. Energieeffiziente High-Tech-Fertighäuser, wie sie heute gebaut würden, seien durch Sachverständige im Vergleich zu anderen Bauweisen nicht geringer zu bewerten. Deshalb schlagen die Wissenschaftler Anpassungen in der Beleihungswert- und Sachwertermittlung in Abstimmung mit Banken und Gremien zur Ermittlung von Verkehrswerten vor.
Unter „technischer Lebensdauer“ versteht man den gesamten Zeitraum von der Errichtung eines Gebäudes bis zu seinem Abriss. Die Höchstgrenze ist erreicht, wenn die statischen und bauphysikalischen Eigenschaften des Gebäudes den Anforderungen mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht mehr angepasst werden können. Sie hängt von der ordnungsgemäßen Wartung und Instandhaltung des Gebäudes ab. Den Zeitraum, in dem ein Gebäude bei normaler Instandhaltung wirtschaftlich nutzbar ist, nennt man Gesamtnutzungsdauer. Sie ist für die Wertermittlung des Gebäudes von Bedeutung.W. PREISS

  • Wilma Preiss

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Fernstraßen-Bundesamt-Firmenlogo
Fernstraßen-Bundesamt Ingenieurinnen/Ingenieure als technische Referentinnen/Referenten (m/w/d) Leipzig, Bonn
BELECTRIC GmbH-Firmenlogo
BELECTRIC GmbH Projektleiter (m/w/d) Solaranlagenbau Kolitzheim
Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg'-Firmenlogo
Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH Heidelberg' Bestandstechniker (m/w/d) für die Technische Gebäudeausrüstung Heidelberg
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Stadt Ratingen Dipl.-Ingenieurin / Ingenieur (m/w/d) (der Fachrichtung Brückenbau oder konstruktiver Ingenieurbau) Ratingen
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Stadt Ratingen Diplom-Ingenieur (w/m/d) Ratingen
Gemeinde Brieselang-Firmenlogo
Gemeinde Brieselang Tiefbauingenieur (m/w/d) für die Sachbearbeitung im Fachbereich Gemeindeentwicklung / Bauwesen, Sachgebiet "Öffentliche Infrastruktur", Bereich "Tiefbau" Brieselang
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in als Projektleitung im Kanalbau (w/m/d) München
BELECTRIC GmbH-Firmenlogo
BELECTRIC GmbH Bauingenieur (m/w/d) für die Tragwerksplanung – Bereich Stahlbau Kolitzheim
Gerber Architekten GmbH-Firmenlogo
Gerber Architekten GmbH Bauingenieur / Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt Bauleitung Hamburg
Gerber Architekten GmbH-Firmenlogo
Gerber Architekten GmbH Bauingenieur / Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt Ausschreibung und Vergabe Hamburg

Alle Bauwesen Jobs

Top 5 Bau

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.