Bau 21.11.2008, 19:38 Uhr

Hoch auf den gelben Riesen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 11. 08, sta – Die Streif Baulogistik GmbH hat in Essen einen Spielplatz für große Jungs eingerichtet. Wem es nicht mehr reicht, kleine Modellautos durch das Wohnzimmer zu schubsen, kann dort mit schwerem Gerät echte Berge versetzen. Natürlich dürfen auch Frauen versuchen, die stählernen PS-Giganten zu zähmen. Im Geschlechtervergleich sind sie mitunter sogar die besseren Bauarbeiter.

Antje Hericks möchte baggern. Nicht in der Disko, sondern im Dreck. Die Marketing-Managerin eines holländischen Bauprojekt-Entwicklers ist es leid, immer nur mit kleinen Architekturmodellen zu jonglieren. Heute will sie mal richtig was bewegen. Dafür ist sie in den Essener „Blue Site Park“ gekommen. Hier darf Jedermann – und jede Frau – sich auf schwerem Gerät bewähren. Das offizielle Motto: „Tob Dich aus!“

Unerschrocken steuert die Düsseldorferin als erstes auf einen Kettenbagger zu. Noch ist sie davon überzeugt, den 35 t schweren und rund 340 PS starken Stahlkoloss mit leichter Hand bändigen zu können. „So ein Teil hatte ich schließlich auch in meiner Spielzeugbox – nur etwas kleiner.“

Die Fahrerkabine ist schnell erklommen: Ein beherzter Sprung auf die Ketten, eine geschmeidige Drehung am Lehrlauf-Hebel vorbei – und dann fallenlassen. Die leichtgewichtige Rheinländerin versinkt in einem kunstlederbezogenen Schwungsessel. „Wow!“, ruft sie begeistert, „sowas will ich auch für mein Auto. Da wird ja jede Buckelpiste zur gefühlten Autobahn!“

„Gefahren wird heute aber nicht“, bremst Ausbilder Martin Holtmanns den Elan seiner Schülerin. „Die Fußpedalen lassen wir ganz außer acht“, so der 68-Jährige. „Wir wollen lediglich etwas Kies mit dem Tieflöffel aufnehmen, den Ausleger anheben, den Bagger drehen und die Fracht dann wieder fallen lassen.“ Alles, was es dazu brauche, seien die beiden Joysticks links und rechts. Deren Bedienung sei ganz einfach. Routiniert spult Holtmanns eine Betriebsanleitung ab: „Drücken Sie den linken Hebel nach links, schwenkt der Bagger nach links. Wollen Sie nach rechts schwenken, drücken Sie den Hebel nach rechts. Drücken Sie den linken Hebel nach vorn, bewegt sich der Löffelstiel vom Bagger weg. Ziehen Sie ihn nach hinten, bewegt sich der Löffelstiel auf Sie zu. Um den Löffel zu öffnen, drücken sie den rechten Hebel nach rechts. Um den Löffel zu schließen, drücken Sie den rechten Hebel nach links. Drücken Sie den rechten Hebel nach vorne, geht der Ausleger nach oben, drücken Sie ihn nach hinten, geht der Ausleger runter. Das ist doch ganz einfach.“

Ungläubig schaut die Bürokraft ihren Instruktor an. Ihr Tatendrang ist verflogen. Vorsichtig nimmt sie ihre Hände von den Joysticks und vergräbt sie in ihren Taschen. „Das kann sich ja kein Mensch merken“, protestiert sie. „Da ist ja eine Mondlandefähre einfacher zu bedienen.“

Holtmanns reagiert geduldig. „Wir machen das jetzt Schritt für Schritt. Als erstes senken wir mit der rechten Hand den Ausleger.“ Die Schülerin traut sich. Der Löffel schwebt im Zeitlupentempo gen Kiesberg. „Etwas fester dürfen Sie schon zugreifen“, ermuntert der erfahrene Tiefbaugeräteführer die 39-Jährige. Diese gehorcht umgehend – und zieht den Hebel voll durch. Schnaubend und ruckelnd erwacht der Caterpillar C 325 L aus seiner Lethargie. Leicht geschüttelt und geschockt lässt die junge Mutter den Bedienhebel sofort wieder los. Holtmanns verkneift sich ein Lachen. Damit seine Schülerin zumindest noch ein kleines Erfolgserlebnis hat, lässt er sie fortan in ihrem individuellem Tempo arbeiten.

Nach fünf Minuten eines eigenwilligen Baggerballetts verirrt sich tatsächlich eine Hand voll Steine in den Löffel. Nach drei weiteren Minuten kullern sie an einer anderen Stelle wieder heraus. Geschafft! Antje Hericks atmet tief durch. „The Eagle has landet“, murmelt sie erleichtert. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für die Marketingfrau.

„Auf zu anderen Abenteuern“, ruft die mit neuem Selbstbewusstsein gestärkte Möchtegern-Geräteführerin. Sie steuert einen Radlader an. Erst aus der Nähe erkennt sie die wahren Dimensionen des Gefährts. Die Reifen sind mit einer Höhe von rund 1,70 nur ein wenig kleiner als sie selbst. Und die 5 m3 fassende Schaufel kann problemlos all ihre Balkonpflanzen auf einmal aufnehmen – inklusive Balkon.

„Wenigstens hat das Monster ein Lenkrad“, stellt die junge Frau erleichtert fest, als sie den Aufstieg ins Führerhaus beginnt. Oben nimmt sie Edmund Holtmanns, ein Bruder des Bagger-Chefs, in Empfang. Mit der Weisheit aus 40 Jahren Tiefbauerfahrung erklärt er die Basisfunktionen des Kaelble SL 22. „Mit dem Lenkrad bedienen Sie die Knick-Lenkung in der Mitte des Fahrzeugs. Die Schaufel wird mit dem Joystick auf Ihrer rechten Seite bewegt. Das funktioniert genau wie beim Baggerlöffel. Damit sind Sie ja schon vertraut. Um zu fahren, nutzen Sie die Fußpedale. Mit rechts geht“s nach vorne, mit links fahren Sie zurück. Kuppeln müssen Sie gar nicht.“

Gestärkt durch das frischerworbene Baggerdiplom und den gut 20 Jahre alten Führerschein der Klasse 3 hält die Marketing-Frau auf einen Schotterberg zu. Kurz vor dem Ziel senkt sie den Hubrahmen. Leider aber öffnet sich das gewaltige Maul des gelben Riesen eher gen Himmel denn gen Schotter. „Hier hilft uns die Technik“, erklärt Holtmanns. „Drücken Sie einfach mal auf den mittleren Knopf auf dem Joystick.“ Gesagt, getan. Wie von Geisterhand richtet sich die Schaufel exakt am Erdboden aus.

Ohne weitere Anweisung treibt die Nachwuchsbauarbeiterin den 8,40 m langen und 20 t schweren Radlager nach vorne. Mit heftigem Scheppern taucht der Stahlschlund in die Geröllmassen ein. Das 3,6 m hohe Fahrzeug geht zusehends in die Knie. Seine Bedienerin aber ist unnachgiebig. Sie lässt ihre weißen Turnschuhe noch einen Moment auf dem Gaspedal stehen. Der Motor mit 9 l Hubraum prustet eine dunkle Dieselwolke aus dem Auspuff. „Reicht!“, ruft Holtmanns. „Die Schaufel ist voll!“

Antje Hericks greift zum Joystick und wuchtet die Fracht in den Essener Himmel. „Jetzt haben Sie 6 t Material auf die Schüppe genommen“, erklärt Holtmanns anerkennend. Auch beim Entladen muss er nicht eingreifen. Selbstständig lässt seine Schülerin den Schotter wieder zu Boden prasseln. „Oft sind Frauen geschickter auf dem Radlader als Männer“, so der 71-Jährige. „Sie gehen die Arbeit mit mehr Überlegung und weniger Übereifer an.“

Voller stolz möchte die Düsseldorferin nun noch hoch hinaus. Trotz Höhenangst lässt sie sich bereitwillig einen Klettergurt anlegen und beginnt die Besteigung eines 40 m hohen Turmdrehkrans. Doch von Stufe zu Stufe verliert sie Mut und Kraft. Schon im ersten „Basislager“ auf etwa 8 m Höhe endet der Gipfelsturm. Sie kehrt um. Kranführer Andreas Steindorf wartet rund 25 m höher vergebens auf seine Schülerin. „Das kommt oft vor“, erklärt er. „Der Wind, die Höhe, das Schaukeln – das verträgt nicht jeder. Außerdem ist es sehr anstrengend, die senkrechte Leiter zu bezwingen. Da können die Arme schon mal lang werden.“

Antje Hericks ist trotzdem glücklich. Auf der Heimfahrt in ihrem Kleinwagen spricht sie zu sich selbst: „Wenn Sie den Wagen starten wollen, drücken Sie sowohl den rechten Hebel als auch das rechte Pedal nach vorne und führen Sie den linken Fuß zum Körper hin. Das ist doch ganz einfach.“ S. ASCHE

Von S. Asche

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