Bau 17.12.1999, 17:23 Uhr

Hightech über den Dächern von Berlin

Nur in Ausnahmefällen wirken die Regierungsbauten in Berlin rein äußerlich hypermodern. Doch in ihnen steckt Technik vom allerfeinsten, bei der auch die Ökologie Berücksichtigung fand.

Viele Bauwerke im Berliner Regierungsviertel nähern sich ihrer Fertigstellung. Wann immer das der Fall ist, egal ob Bundespräsidialamt oder Abgeordnetenbüros, ist ein Berliner Unternehmen im Spiel – Solon. Denn in den äußerlich manchmal bieder wirkenden Bauten steckt eine Menge Hightech unterm Dach – und wenn die Lichter im Haus zum ersten Mal angehen, dann ist das auch den Berliner Solarstrom-Spezialisten zu verdanken. Erst kürzlich hat das Unternehmen wieder einen lukrativen Auftrag in der Hauptstadt an Land gezogen. „Für die Bundesbaugesellschaft Berlin werden wir die geplante Schadow-Voltaik-Anlage auf dem Jakob-Kaiser-Haus – den sogenannten Dorotheenblöcken – im Regierungsviertel errichten“, sagt Solon-Sprecher Thomas Keup. Das Auftragsvolumen beziffert er mit rund 875 000 DM.
Nach seinen Worten wird das im Berliner Bezirk Kreuzberg angesiedelte Systemhaus für Photovoltaik den künftigen Gebäudekomplex des Deutschen Bundestages mit einer kombinierten Anlage für Solarstrom und Sonnenschutz ausstatten. „Besonderheit dieser von uns geplanten kombinierten Anlage zur Solarstromerzeugung und Verschattung ist der integrierte Sonnenschutz für die Abgeordnetenbüros“, erklärt Keup. Vorgesehen ist, dass die Solon-Tochter Solarwerk GmbH, Teltow, 140 Hochleistungsmodule für die Solarstromerzeugung herstellen und für den Großauftrag zuliefern wird. Die geplante Gesamtleistung der Anlage beträgt 45 Kilowatt Peak (kWp).
„Voraussichtlich im April kommenden Jahres werden wir mit dem Bau beginnen“, so Keup, „Die Inbetriebnahme soll dann im Mai erfolgen.“ Mit dem Auftrag für das Jakob-Kaiser-Haus baut Solon seine Marktführung bei Solarstromanlagen für Bundesbauten auf mehr als 60 % aus. Gegenwärtig produziert das Unternehmen die Module für die neue 123 kW-starke Solaranlage auf dem Paul-Löbe-Haus (Alsenblöcke) in der Nähe des Reichstagsgebäudes im Berliner Bezirk Tiergarten. Hier beträgt das Auftragsvolumen rund vier Mio. DM. In der Hauptstadt werden bereits das Bundespräsidialamt, das Auswärtige Amt sowie die Ministerien für Wirtschaft, Verkehr, Bildung und Landwirtschaft im Bezirk Mitte mit Solar-Strom aus Solon-Anlagen versorgt.
Auf dem neuen Presse- und Informationsamt des Bundes errichtet die Solon-Tochter Energiebiss GmbH eine Solarthermieanlage. Auftragswert: 400 000 DM. „Damit wird erstmals im Rahmen der neuen Bundesbauten in der Hauptstadt eine thermische Solaranlage zur Klimatisierung von Diensträumen eingesetzt“, so Keup. Im Juni 2000 wird die Anlage mit einer Kollektorfläche von 260 m2 in Betrieb genommen.
„Solon befindet sich auf Erfolgskurs“, ist Keup überzeugt. In den ersten neun Monaten 1999 hat die Gruppe den Auftragsbestand auf 9,3 Mio. DM gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt. „Eine gute Ausgangsposition für die künftige Geschäftsentwicklung“, meint er und verweist darauf, dass darin noch nicht der Großauftrag für das Jakob-Kaiser-Haus enthalten ist. Rechnet man diesen „Brocken“ hinzu, ergibt sich ein Auftragsbestand von rund 10 Mio.n DM. Den Gruppenumsatz beziffert Keup mit 10,5 Mio. DM (Vorjahr 4,27 Mio. DM), der Verlust lag zum 30. 9. bei 3,2 Mio. DM. Dabei hatte es im vergangenen Jahr noch sehr ungünstig ausgesehen. Der gesamte Jahresverlust 1998 betrug immerhin 4,9 Mio. DM.
Es sind aber nicht nur die Großaufträge für die Bundesbauten, die bei der Solon-Geschäftsleitung für sonnige Stimmung sorgen. Keup: „Durch die künftige sechsfach höhere Vergütung von Solarstrom erwarten wir eine deutliche Ausweitung unseres Geschäfts. Auf Grund der Vereinbarung zur Einspeisungsvergütung geht das Systemhaus von einem deutlichen Wachstum aller Geschäftsbereiche aus. „Die Solarstromregelung sehen wir als einen entscheidenden Schritt zum Marktdurchbruch für Photovoltaik in Deutschland an“, meint er.
Nach seinen Worten ist damit erstmals in Deutschland eine wirtschaftliche Produktion von Solarstrom möglich. So würden die neuen Rahmenbedingungen in Verbindung mit dem laufenden „100 000-Dächer-Kreditprogramm“ der Bundesregierung zum ersten Mal eine Kosten deckende Vergütung von Strom aus Photovoltaik bieten.
„Mit der Neufassung des Stromeinspeisungsgesetzes wird Solarstrom künftig mit mindestens 99 Pfennig pro Kilowattstunde (kWh) durch die Stromnetzbetreiber vergütet“, erläutert Keup. Bisher waren dies mindestens 16,5 Pfennig/kWh. Hinzu komme die Förderung durch das 100 000-Dächer-Kreditprogramm der Bundesregierung mit derzeit rund 36 % Finanzierung einer Anlage. Die Kosten für Solarstrom liegen nach seinen Angaben derzeit in Deutschland bei etwa 1,76 DM/kWh bei 15 Jahren Laufzeit bis zur Abzahlung der Investition.
Bei ihrer Technologie setzt die Solon AG auch in der Herstellung ihrer Produkte auf Ökologie. „Wir verwenden polykristalline Solarzellen, weil sie ökologisch günstiger sind“, meint Keup. So werde bei ihrer Herstellung 20 % weniger Energie verbraucht, als bei monokristallinen Zellen. Damit verkürze sich wiederum die Energierücklaufzeit, das heißt in kurzer Zeit sei die zu ihrer Herstellung aufgewendete Energie durch den Betrieb der Anlage zurückgewonnen.
Das Know-how des 1996 gegründeten Berliner Solar-Systemhauses ist inzwischen auch international bekannt. Erst vor knapp zwei Monaten ist das Unternehmen in das internationale Geschäft mit dezentralen Kraftwerken eingestiegen. „Im Oktober haben wir in Marokko eine Vereinbarung zum Bau des bislang weltweit größten Solarstrom-Inselnetzes geschlossen“, meint der Sprecher. Kernpunkt der Vereinbarung: die vollständige Stromversorgung eines neuen Touristik-Resorts in dem nordafrikanischen Land aus einer Photovoltaik-Großanlage. Das Investitionsvolumen für dieses erste dezentrale Inselnetz in der Bucht von Agadir liege bei rund 7,5 Mio. DM. Zur Realisierung des Projektes plant Solon mit dem marokkanischen Partner die Gründung einer gemeinsamen Betreibergesellschaft.
Das von der Systemgruppe „Engineering“ der Solon AG projektierte Energiekonzept umfasst die Ausstattung von rund 430 Bungalows mit Solaranlagen sowie eine Kraftwerksstation für Lastmanagement und Energie-Speicherung der Anlage. Die zu installierende Leistung beträgt Keup zufolge etwa 400 kWp. Er fügt hinzu, dass sein Unternehmen bei der Entwicklung und Planung der erforderlichen Systemtechnik durch die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft politisch und wirtschaftlich unterstützt wird: „Dabei stehen die Technologieentwicklung sowie die kreative Planungsleistung unseres Unternehmens im Mittelpunkt des Senatsengagements.“
Um seine Wettbewerbsfähigkeit weiter zu erhöhen, hat sich Solon im zu Ende gehenden Jahr strategisch verstärkt. Mit der im Juni erfolgten Übernahme der Solarwerk GmbH im brandenburgischen Teltow ist dies schon heute ganz offensichtlich gelungen. Mit den so hinzugekommenen Produktionskapazitäten im Bereich Spezialmodule können weitere Projekte gerade in der Hauptstadt anvisiert werden. Nicht zuletzt der jüngste Großauftrag für die Ausrüstung des Jakob-Kaiser-Hauses zeigt, dass Solon mit der Übernahme seine Marktposition gerade im Regionalmarkt Berlin-Brandenburg erheblich stärken konnte.
Die Zukunft für das Unternehmen erscheint nun in wesentlich günstigerem Licht als noch vor einem Jahr. Dieses Licht könnte künftig noch heller strahlen, wenn der Bundesverband Solarenergie in München Recht behält. „In zehn Jahren wird sich der Preis für Solarstrom halbieren“, meint Winfried Hoffmann vom Verband und prognostiziert Solarzellen ein jährliches Wachstum von 20 % bis 30 %. Bisher spielt Strom aus Sonnenkraft allerdings nur eine untergeordnete Rolle. T. SCHULZE/wip
Noch regieren in den Berliner „Dorotheenblöcken“ die Baukrane, doch bald werden die Abgeordnetenbüros an warmen Tagen durch Sonnenjalousien verschattet werden, deren Antrieb seinen Strom aus der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach bezieht.

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