Bau 13.12.2002, 18:23 Uhr

Hightech macht Geschichte lebendig

Das bewies die Firma Metamatix mit Software von Autodesk, Discreet und Virtools. „München 4D“, eine interaktive Simulation, erlaubt Rundgänge durch die Bayernmetropole der Jahre 1600 bzw. 1908. Im Moment bleibt die Zeitreise wegen der Datenmengen auf den Bereich um Stachus und die Frauenkirche beschränkt – noch.

Bereits 1998 wurde mit der Software von Autodesk eine historische Computersimulation von Schloss Falkenstein erstellt. Dies war aber „nur“ eine automatisch ablaufende Außen- und Innenansicht des Schlosses ohne Einwirkungsmöglichkeiten des Betrachters. Eine interaktive Simulation wäre mit der damaligen Rechenleistung noch nicht möglich gewesen.
Im Juli 2001 war die Zeit reif für eine Neuauflage: Erstmals sollte der Wandel einer Stadt über einen längeren Zeitraum dokumentiert werden. Zunächst war die Visualisierung des gesamten Münchner Altstadtkerns in zwei Epochen geplant, doch stellte sich bald heraus, dass der Arbeitsaufwand für das vier-, manchmal fünfköpfige Team nicht zu bewältigen gewesen wäre.
So wurden als Schauplätze die Orte ausgewählt, die den höchsten Wiedererkennungswert haben: der Karlsplatz (Stachus) als historisch interessantester Platz der Altstadt und das Münchner Wahrzeichen, die Frauenkirche. Aufgrund des Sandtner-Modells aus dem 16. Jahrhundert – das erste Stadtmodell Münchens – und der guten Quellenlage Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Jahre 1600 und 1908 ausgewählt.
Gerade beim Stachus wird die Veränderung besonders augenfällig. Er wandelte sich vom bewehrten Eingangstor in die Stadt um 1600 bis zum verkehrsreichsten Platz Europas im Jahr 1908. Um dem Betrachter einen Überblick über 400 Jahre Münchner Geschichte zu ermöglichen, wurden Realaufnahmen aus dem Jahr 2002 der Simulation gegenübergestellt.
 Ein Ziel von München 4D war die historisch korrekte Darstellung von Stachus und Frauenkirche in zwei vergangenen Epochen. Um dieses Vorhaben realisieren zu können, waren aufwändige Recherchen notwendig, die fast die Hälfte der Realisierungszeit von etwas über einem Jahr in Anspruch nahmen. Hilfe bekam das Team von Metamatix dabei auch von der Stadt München. So wurde für Texturen und Farben ein städtischer Archäologe als Berater hinzugezogen und auch das Stadtarchiv bot Einblick in seine Unterlagen. Zudem verfügte ein privater Sammler über zahlreiche Bücher mit zeitgenössischen Fotografien und eine Vielzahl an Originalpostkarten aus dem Jahr 1908.
Besondere Schwierigkeiten bereitete die Suche nach Material aus dem Jahr 1600. Die wichtigste Quelle der Arbeiten war das Sandtner-Modell von 1572. Auch Zeichnungen, die von dem Sandtner-Modell gefertigt wurden, dienten als Vorlage.
Die Quellenlage für das Jahr 1908 war dagegen vergleichsweise gut. Da sich die Proportionen von Stachus und Frauenkirche im letzten Jahrhundert nicht mehr grundlegend verändert hatten, konnten die Entwickler anhand von eigenen Messungen und Digitalfotos die Plätze relativ einfach rekonstruieren. Neben den Materialien des privaten Sammlers fanden sich auch in alteingesessenen Lokalen, Bäckereien und Metzgereien historische Bilder, die als stumme Zeitzeugen für das alte München dienten.
Doch auch die Vielzahl an Quellen und sorgfältige Recherche konnten nicht vor unliebsamen Überraschungen schützen. So stellte z.B. ein Freund der Münchner Trambahn klar, dass die Vorlage für den Nachbau der Tram von 1908 offenbar falsch gewesen war…
Die eingesetzte Technologie stammt von den Firmen Autodesk, Discreet und Virtools. Für den Nachbau der Objekte und Oberflächen wurden mit Autodesk Architectural Desktop Gitternetzmodelle erstellt. Die Texturen wurden mit Graphiksoftware wie Photoshop, Illustrator und Freehand entwickelt. Die Visualisierung der Gitternetzmodelle geschah mit 3ds max von Discreet und das Rendering in Echtzeit mit der Software von Virtools.
Jürgen Dudowits von Metamatix zu den benutzten Programmen: „Wir benutzen die Lösungen von Autodesk, Discreet und Virtools schon sehr lange und haben damit gute Erfahrungen gemacht, auch dieses Mal. Ein besonderes Highlight war der Export von 3ds max zu Virtools, der unkompliziert und schnell möglich war.“
Im Vergleich zu linearen Computeranimationen, bei denen nur der Vordergrund der Szenen wie eine Filmkulisse perfekt dargestellt wird, war der Realisierungsaufwand um ein Vielfaches höher. Da sich der Betrachter in dem Modell frei bewegen kann, musste ein Großteil der Szenerie detailgetreu rekonstruiert werden.
Da Echtzeitsimulationen nur mit einer begrenzten Datenmenge möglich sind, durften die in der Simulation verwendeten Objekte nicht zu aufwändig gestaltet werden. Andererseits sollten die Gebäude aber möglichst realistisch aussehen. Um dieses Problem zu lösen, wurden die Objekte und Oberflächen in Autodesk Architectural Desktop zunächst in hoher Qualität produziert und anschließend für die Echtzeitsimulation optimiert.
Alle verwendeten Grafiken wurden am Touchtablett per Hand entworfen, da ein Scannen der historischen Vorlagen nicht möglich war. Bei der abschließenden Optimierung wurden Details wie Türen, Fenster, Dachgauben sowie die Häuserfassaden so reduziert, dass für den Betrachter auch geringste Unterschiede zwar noch sichtbar sind, aber die Datenmengen deutlich verringert werden konnten.
Anschließend wurden die Texturen für Gebäude, Menschen und Fahrzeuge detailgetreu entworfen und mit Hilfe der Visualisierungssoftware von discreet auf die Gitternetzmodelle gelegt. Zum Schluss lernten die so entstandenen Bilder „laufen“, indem sie in die Software von Virtools importiert wurden. München 4D ist weiter ausbaubar. Durch die Internetfähigkeit dieser Technologie und den modularen Aufbau der virtuellen „Zeitmaschine“ lassen sich dem Projekt weitere Plätze und Zeitepochen hinzufügen. Geplant ist eine Erweiterung der Simulation auf die gesamte Münchener Altstadt. wip

Der Stachus genannte Münchener Karlsplatz war
um 1600 noch ein beschaulicher Markt an einem der wehrhaften Stadttore. Um 1908 war der Stachus einer der belebtesten Plätze Europas und bot schon ein Bild, das
dem heutigen stark ähnelt. Auch die dargestellte Tram ist
mittlerweile historisch korrekt: Modell-Liebhaber hatten kritisiert, dass die ursprünglich in der Simulation dargestellte Bahn einen kleiderbügelförmigen Stromabnehmer hatte – diesen gab es 1908 aber noch nicht. Der Stromabnehmer hatte damals noch Räderform.

Von Wip

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