Bau 18.01.2008, 19:32 Uhr

Happening mit leichtgewichtigen Dämmstoffen  

VDI nachrichten, Essen, 18. 1. 08, rok – Von voreiligen Kritikern gerne als Regionalmesse abqualifiziert, wusste die Deubau in diesem Jahr Themenbereiche zu besetzen, die geradezu internationales Interesse hervorriefen. Mit Ideen zur Energieeinsparung im Gebäude reagierte das Messekonzept auf Klimawandel, wachsende Energiepreise und die schwächelnde Konjunktur im Wohnungsbau.

Baumessen sind Foren der Zulieferindustrie. Bei der nach fünftägiger Dauer am 12. Januar in Essen zu Ende gegangenen Deubau 2008 wurde der Besucher aber nicht nur mit Baustoffen konfrontiert, sondern auch von Präsentationen überrascht, die sich aktuellen Themen öffneten. Beispiele: Energieeinsparung im Gebäude, innovatives Bauen und Sanieren im Bestand. Diese Techniken wecken nicht nur beim Umweltschutz Hoffnungen, sondern auch in der Bauwirtschaft, da für den Wohnungsneubau in 2008 die Konjunkturaussichten nicht mehr so rosig aussehen.

Jenseits reiner Präsentation von Baustoffen und -systemen wartete die Landesregierung Nordrhein-Westfalen auf der Deubau mit einem Firmengemeinschaftsstand auf, der das Bauen und Wohnen im Zusammenhang schilderte. Vorgeführte Projekte: „50 Solarsiedlungen in NRW“, die Aktion „Wärmepumpenmarktplatz NRW“ und die Gemeinschaftsaktion Gebäudesanierung NRW „Mein Haus spart“. Es ging um das Vermitteln von Rat und Hilfe rund um die energetische Gebäudesanierung. Hauptthemen: alternative Wärmeerzeugung und -verteilung sowie bauphysikalische Maßnahmen zur Schaffung einer dichten Gebäudehülle.

Bei ausreichender Außendämmung ist eine dichte Gebäudehülle in der Lage, Wärmeverluste derart zu reduzieren, dass konventionelles Heizen überflüssig wird. Das „konsequent weiterentwickelte Niedrigenergiehaus“ benötige im Jahr bei üblicher Nutzung nicht mehr als etwa 1,5 l Öl oder 1,5 m3 Erdgas pro m2 Wohnfläche, versicherte in Essen die Informationsgemeinschaft Passivhaus Deutschland.

Um auf die Bedeutung des Stellenwerts von Dämmstoffen für das Weltklima hinzuweisen, kreierte der Fachbereich Architektur der Hochschule Bochum Bekleidung aus leichtgewichtigen Baustoffen, die Studentinnen des ersten Semesters auf der Deubau wie auf einer Modenschau vorführten. „Wir wollen Baustoffe neu denken, die Grenzen des Einsatzbereiches bewusst überschreiten,“ so Karin Lehmann, Professorin im Fachbereich Gestaltung der Hochschule. Tatsächlich regte das Happening mit Dämmstoffen zum Nachdenken an, schließlich wird etwa ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland für Raumwärme und Warmwassererzeugung in Gebäuden benötigt.

Der Bau eines Passivhauses bleibt bei den Bemühungen um CO2-Reduktion indes eher ein punktuelles Ereignis. Um in großem Stil Energie einsparen zu können, bedarf es – so die Themenschau „Marktplatz Bauen im Bestand“ – einer massierten Altbaumodernisierung. „Wir müssen die Sanierungsrate bei Althäusern von derzeit 1 % auf 3 % steigern,“ betonte in Essen NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben. „In der energetischen Verbesserung von Altbauten liegen mit die größten Einsparpotenziale.“

Doch nicht nur die Umwelt, auch Hausbesitzer profitierten von einer energetischen Modernisierung, so die NRW-Ministerin. „Durch den Einspareffekt bei der Heizenergie amortisieren sich die Investitionen schon nach einigen Jahren.“ Überdies könnten durch das Bauen im Bestand 100 000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Neben konkreten Antworten zu baulichen und technischen Fragen ging es auf der Deubau aber auch um finanzielle Unterstützung, denn die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet zinsgünstige Kredite und Zuschüsse an. Mehr als 30 000 Wohnungen habe man 2007 in Nordrhein-Westfalen auf diese Weise energetisch auf Vordermann gebracht, so ein Sprecher auf dem Stand der NRW-Landesregierung.

„Die Baumaßnahmen an bestehenden Wohngebäuden prägen die aktuelle Wohnungsbautätigkeit,“ unterstrich Prof. Karl Robl, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Angesichts eines Wohnungsbestandes von mehr als 39 Mio. Wohnungen in Deutschland liege das Potenzial sanierungsbedürftiger Wohnungen bei rund zwei Dritteln. Insofern komme der Instandsetzung und energetischen Modernisierung vorhandener Wohngebäude zukünftig maßgebliches Gewicht zu.

„Wir begrüßen daher, dass die KfW-Bankengruppe für die Finanzierung derartiger Baumaßnahmen spezielle Angebote bereitstellt,“ so Robl auf der Deubau. Die monatlich zugesagten Kreditvolumina in 2007 ließen jedoch erkennen, dass die Nachfrage nicht stetig wachse, sondern auf hohem Niveau stagniere. „Das heißt zugleich auch, dass hieraus noch keine Kompensation für eine rückläufige Neubaunachfrage erwächst.“

Generell sei das Baujahr 2007 mit einer ungewöhnlich regen Bautätigkeit während des ersten Quartals gestartet, erläuterte der ZDB-Hauptgeschäftsführer. „Auslöser waren noch nicht abgeschlossene Aufträge aus dem Vorjahr, eine lebhafte Baunachfrage, überaus günstige Witterungsbedingungen und ein vergleichsweise hoher Beschäftigtenstand zum Jahreswechsel 06/07.“ Im Verlauf des Jahres sei die Dynamik spürbar zurückgegangen, dennoch fiel im Jahr 2007 das Volumen der gesamtwirtschaftlichen Bauinvestitionen größer aus als im Jahr zuvor. Bis einschließlich September des Vorjahrs betrug der reale Zuwachs der Bauinvestitionen 4,1 %, die Wirtschaftsforschungsinstitute gingen in ihrem Herbstgutachten für das gesamte Jahr von einem realen Zuwachs um 2 % aus. Diese erfreuliche Gesamtentwicklung verdecke jedoch – so Robl – sehr differenzierte Verläufe in den drei Bausparten: Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau.

Für den Wohnungsbau, die volumenstärkste Bausparte, zeichne sich sowohl für das abgelaufene Jahr 2007 als auch für das neue Jahr 2008 die ungünstigste Entwicklung ab, bedauerte auf der Deubau der ZDB-Hauptgeschäftsführer. Die schwache Konjunktur begründe sich vorrangig in einem rückläufigen Wohnungsneubau, und hier vor allem dem Eigenheimbau. „Nahezu flächendeckend sprechen die baugewerblichen Mitgliedsunternehmen von einem gravierenden Auftragsmangel,“ so Robl. Das wiege umso schwerer, als dass 90 % des Wohnungsbaus von den Unternehmen des Baugewerbes realisiert würden.

Hochgerechnet auf das Jahr lassen die Genehmigungen bis Oktober 2007 eine Zahl von 156 000 Wohnungen in neuen Wohngebäuden erwarten. Das wären im Vergleich zu den Vorjahren rund 43 000 Wohnungen in Einfamilienhäusern, 10 000 Wohnungen in Zweifamilienhäusern und 9000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern weniger. Für 2008 könnte daraus ein Ausfall an Aufträgen für 30 000 bis 35 000 neue Wohnungen resultieren.

Seit Mitte 2005 wachsen die Investitionen in gewerbliche Bauten. „Bis einschließlich Oktober 2007 lag das neue Auftragsvolumen real um 7,2 % über der Vorjahresgröße,“ so Robl, wobei auf den Wirtschaftsbau gegenwärtig gut 30 % der gesamtwirtschaftlichen Bauinvestitionen entfielen. Gut sehe es auch beim öffentlichen Bau aus. Aufgrund hohen Steueraufkommens habe er seine langjährige Talfahrt beendet.

Die öffentlichen Bauinvestitionen betreffen zu etwa zwei Dritteln Tiefbauleistungen. Diese seien ein Leistungsschwerpunkt der Betriebe des Bauhauptgewerbes, erläuterte der ZDB-Hauptgeschäftsführer auf der Messe. „Daher haben Aufträge der öffentlichen Hand mit 30 % am Umsatz des Bauhauptgewerbes ein höheres Gewicht als die öffentlichen Bauinvestitionen mit 12 % an den gesamtwirtschaftlichen Bauinvestitionen.“

Bis einschließlich Oktober 2007 sei für den öffentlichen Bau ein um 1,56 Mrd. € höheres Auftragsvolumen als im Vorjahreszeitraum bei den Betrieben eingegangen, so Robl. Allerdings resultierten 780 Mio. € davon allein aus der Auftragsvergabe im Oktober. Real bedeutete dies kumulativ einen Zuwachs um 4,8 %, bis einschließlich September seien es lediglich 0,5 % gewesen. Bis einschließlich Oktober hätten die Betriebe des Bauhauptgewerbes im öffentlichen Bau ein Umsatzvolumen von 19,4 Mrd. € realisiert. Das sei ein Zuwachs um 3,8 %.

ELMAR WALLERANG

Eigenheimbau bleibt auch 2008 rückläufig

Von Elmar Wallerang

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