Bau 11.02.2005, 18:36 Uhr

Größe allein bietet keine Erfolgsgarantie

Was läuft schief in der Branche?

Die Insolvenz des viertgrößten deutschen Baukonzerns, der Augsburger Walter Bau AG, wirft ein Schlaglicht auf die deutsche Bauindustrie. Der gnadenlose Preisdruck und die Investitionszurückhaltung der öffentlichen Hand gepaart mit einer schlechten Zahlungsmoral sowie eine schwache konjunkturelle Entwicklung machen allen Unternehmen zu schaffen, die wie Walter Bau hauptsächlich in Deutschland ihre Geschäfte machen. „Sie werden kein großes Bauunternehmen finden, dass ein gutes Deutschlandgeschäft hat,“ heißt es in Branchenkreisen. Die Baukonjunktur liegt am Boden. Erholung ist nicht in Sicht.
Im Gegenteil, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (BI) hat erst kürzlich seine Prognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert. „Wir erwarten nun ein Umsatzminus am Bau von 3,5 % auf 76 Mrd. € und einen Verlust von bis zu 40 000 Arbeitsplätzen“, sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Bauverbands. Zuvor war der Verband noch von einem Minus von maximal 3 % ausgegangen.
Für die deutsche Bauwirtschaft, die seit dem relativ kurzen Wiedervereinigungs-Boom in Schwierigkeiten steckt, ist dies das elfte Krisenjahr in Folge. Doch der Verlust von Arbeitsplätzen, Firmenpleiten, der Druck zu Zusammenschlüssen und der Trend zu Investitionen im Ausland wird noch weitergehen, meint Andreas Geyer vom mittelständisch geprägten Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB): „Nur wer sich spezialisiert und auf seine Stärken besinnt, wird überleben“.
Als Gründe für die schlechte Entwicklung nennen die Verbände neben der anhaltenden Konjunkturschwäche die Kürzung der Eigenheimzulage, die Überkapazitäten auf dem Markt für Büroimmobilien und die Finanzschwäche bei Bund, Ländern und Gemeinden.
Und trotzdem ist dies nicht der einzige Grund für die Pleite der Augsburger Walter Bau, und auch nicht die angebliche Halsstarrigkeit von Firmengründer und Mehrheitsaktionär Ignaz Walter. Das zeigt das Beispiel der beiden größten deutschen Bauunternehmen Hochtief und Bilfinger Berger. Während Walter Bau immer tiefer in die Krise rutschte, schreiben beide Konzerne schwarze Zahlen. Ist Walter Bau heute an der Börse ein so genannter „Pennystock“, für den sich nur noch die Zocker interessieren, erlebten die Papiere von Hochtief und Bilfinger Berger zuletzt einen Höhenflug.
Viele Gründe für die Pleite von Walter Bau sind hausgemacht. Zwar glänzte das Unternehmen in den letzten Jahren mit Prestigeprojekten wie dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche oder der Modernisierung des Berliner Olympiastadions. Doch an anderer Stelle hat das Unternehmen seine Hausaufgaben nicht gemacht. Viel zu lange hat sich Firmenpatriarch Ignaz Walter, der auch als Aufsichtsratschef noch die Fäden im Hintergrund zog, auf den kriselnden deutschen Markt konzentriert, statt wie die Konkurrenten die Internationalisierung voranzutreiben.
Während Hochtief und Bilfinger Berger im Ausland auf Einkaufstour gingen, hat Walter Bau die deutschen Konkurrenten Heilit+Woerner und Dywidag übernommen. Damit wurde der Augsburger Baukonzern zwar zum Marktführer in Deutschland. Doch das machte das Unternehmen erst recht anfällig für die schwache Konjunktur auf dem Heimatmarkt.
Hochtief, Deutschlands Nummer eins, hat dagegen rechtzeitig auf das Auslandsgeschäft gesetzt. Die US-Tochter Turner ist in den USA Marktführer im Hochbau. Die australische Tochter Leighton ist größter Baudienstleister des fünften Kontinents und im boomenden Asiengeschäft aktiv. Gleichzeitig wurde das deutsche Baugeschäft saniert. In diesem Jahr erwartet Hochtief in Deutschland schwarze Zahlen. „Unser Ergebnis wird nachhaltig positiv sein“, sagte Friedel Abel, Vorstandschef von Hochtief Constructions. Konsequent hat sich Hochtief aus verlustreichen Projekten verabschiedet. Bei Ausschreibungen von Bauprojekten werde nicht mehr in erster Linie auf das Auftragsvolumen, sondern auf den Return geschaut, sagt WestLB-Analyst Ralf Dörper.
Ausgebaut wurde dagegen das Geschäft mit den vergleichsweise lukrativen Baudienstleistungen, wie zum Beispiel das Management von Immobilien und der Betrieb von Flughäfen und Mautautobahnen. Für den Landkreis Offenbach managt der Baukonzern sogar 49 Schulen und für die Stadt Gladbeck künftig das neue Rathaus. Heute entfallen nur noch 15 % der Bauleistung von 11,5 Mrd. € auf Deutschland. Die Zahl der Mitarbeiter ist in den vergangenen Jahren zehn Jahren von 20 000 auf 6000 gesunken.
Auftragsbestand auf Rekordniveau, hohe Liquiditätsreserven, dynamische Gewinnentwicklung, so titelt Ralf Dibbern, Analyst von M.M. Warburg, seine Studie über Bilfinger Berger, die Nummer zwei in Deutschland. Dibberns Anlageempfehlung lautet „Kaufen“. Die Mannheimer erzielen heute rund 65 % ihres Umsatzes im Ausland. Bilfinger verfügt mit den Tochtergesellschaften Fru-Con in den USA und Abigroup in Australien über feste und profitable Standbeine in den wirtschaftlich wichtigsten Regionen der Welt. Durch den stetigen Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts hat auch Bilfinger in den letzten Jahren das Ergebnis auf Konzernebene weiter verbessert und die Abhängigkeit der Ergebnisentwicklung von den Zyklen der Bauwirtschaft reduziert.
Ganz ohne Risiken ist allerdings auch das Auslandsgeschäft nicht. Das mussten sowohl Hochtief als auch Bilfinger im vergangenen Jahr erfahren. Hochtiefs Tochter Leighton verkalkulierte sich beim Umbau des Melbourner Bahnhofs „Spencer Street Station“. Der Essener Konzern musste daraufhin seine Gewinnprognose deutlich nach unten korrigieren. Der Kurs der Hochtief-Aktie büßte zeitweise fast ein Drittel seines Wertes ein. Bilfinger erlitt wegen einer Panne bei einem Brückenbauprojekt in Ohio ebenfalls nach einer Korrektur der Risikovorsorge einen Gewinneinbruch.
Ein Rezept für die Krisenbewältigung besitzt in Deutschland indessen niemand. Die Verbände suchen die Schuld immer bei den anderen, vor allem bei der Politik und öffentlichen Auftraggebern wie der Deutschen Bahn. Doch sollte sich die Baubranche einmal an die eigene Nase packen. Auf dem stark fragmentierten und kleinteiligen deutschen Baumarkt ist dringend eine Bereinigung erforderlich. Walter Bau ist nur die Spitze des Eisbergs. Viele kleine Unternehmen stehen ebenfalls vor der Pleite. „Der deutsche Baumarkt braucht große Unternehmen“, rufen Branchenexperten dann auch zu Zusammenschlüssen auf. Im Ausland, zum Beispiel in Spanien, sei die Konzentration innerhalb der Branche bereits viel weiter fortgeschritten.
Begrüßt werden daher auch Überlegungen, zum Beispiel Walter Bau mit der österreichischen Strabag zusammenzuführen, deren deutsche Tochter mit Sitz in Köln noch an der Börse notiert ist. Dadurch würde der nach Hochtief zweitgrößte deutsche Baukonzern entstehen. Großes Interesse wird der im Straßenbau starken Strabag ohnehin an der Verkehrswegesparte von Walter Bau (ehemals Heilit+Woerner) nachgesagt. Auch in Sachen Internationalisierung könnte der neue Konzern einen Sprung nach vorne machen. Die Strabag ist stark im Zukunftsmarkt Osteuropa vertreten. Zudem bekäme Walter Bau nach dem Ausscheiden des Firmengründers Ignaz Walter aus der operativen Führung und als Großaktionär wieder eine handlungsfähige unternehmerische Führung und eine stärkere Eigenkapitalbasis.
In der Größe also liegt ein Schlüssel zum Erfolg, vor allem im internationalen Geschäft. Dies zeigt ein Blick auf die Rangliste europäischer Baukonzerne. Hochtief und Bilfinger Berger verdienen ihr Geld längst in dieser Sparte. Hochtief liegt auf Rang vier der europäischen Rangliste (Quelle: Le Moniteur, Dez. „04) hinter den französischen Bauriesen Vinci und Bouygues sowie der schwedischen Skanska-Gruppe. Bilfinger Berger folgt bereits etwas abgeschlagen, aber noch mit einiger Tuchfühlung auf Platz 14. Walter Bau liegt weit hinten auf Platz 26. Die Kölner Strabag noch davor auf Platz 22. Mit der Stuttgarter Ed. Züblin folgt ein weiteres deutsches Bauunternehmen weit abgeschlagen auf Platz 53.KAI HASE/wip

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