Bau 29.08.2003, 18:26 Uhr

Gesünder bauen ohne Mehrkosten

Jeder möchte gesund wohnen, doch nach wie vor werden beim Bauen viele Chemikalien benötigt. Zwar gibt es schadstoffarme Spezialprodukte, aber die sind teuer. Aber auch ohne Mehrkosten lässt sich mit normalen Baustoffen der Chemikalienbedarf um bis zu 90 % senken, wie die Donau-Universität Krems jetzt nachwies.

Bauherren und Planer legen immer häufiger Wert auf „gesunde“ Baustoffe und schadstofffreie Innenraumluft. Eine große Unbekannte in diesem Zusammenhang stellen jedoch Bauchemikalien und deren Zusammensetzung dar. Am Zentrum für Bauen und Umwelt der Donau-Universität Krems wurde ein Leitfaden zur Chemikalienreduktion im großvolumigen Wohnbau entwickelt, der nun den Praxistest bestanden hat.
Anhand eines repräsentativen Wohnbauvorhabens wurden Arten und Mengen von üblicherweise eingesetzten Lösungsmitteln ermittelt und mit den im Leitfaden vorgeschlagenen Alternativen verglichen, die schließlich zum Einsatz kamen: Um bis zu 90 % kann der Chemikalienbedarf bei gleichen Produktkosten reduziert werden.
An der Errichtung eines Gebäudes sind etwa 40 – 50 Gewerke beteiligt. Diese wurden von der Uni Krems nach ihrem negativen Einfluss auf die Umwelt bzw. die Gesundheit der Handwerker und der Bewohner durch den Einsatz von lösungsmittelhaltigen Bauprodukten untersucht. Als die mit Abstand relevantesten identifizierte Projektleiter Dr. Thomas Belazzi die vier Gewerke Parkettleger, Teppichleger, Maler-Tapezierer-Anstreicher und Schwarzdecker.
Bei den Parkettlegern ist vor allem die Menge der verwendeten Mittel relevant. Die eingesetzten, meist lösungsmittelhaltigen Chemikalien (Kleber, Kitte, Versiegelung) sind einerseits ausgesprochen mengenrelevant, andererseits belasten sie Umwelt, Handwerker und Bewohner. Bereits in der Ausschreibung sollten daher emissionsarme Voranstriche und Klebstoffe sowie doppelseitige Klebebänder für Leisten und lösungsmittelfreie Holzkitte vorgeschrieben werden.
Zum Schutz der Oberflächen von Parkett und anderen Holzfußböden gegen das Eindringen von Schmutz und Flüssigkeiten werden Lacke aufgetragen. Es gibt keine 100 % lösungsmittelfreien Produkte. Je nach Oberflächensiegel kommen daher mehr oder weniger lösungsmittelhaltige Produkte zum Einsatz.
Eine Alternative ist das Ölen der Oberflächen. Überall dort, wo keine starke mechanische Beanspruchung oder die Gefahr des Kontakts mit öligen Materialien zu erwarten ist (also z. B. im Wohnbereich außerhalb der Küche) kann die Parkettoberfläche auch durch Ölen hergestellt werden.
Die vom Teppichleger eingesetzten, lösungsmittelhaltigen Chemikalien sind gesundheitlich bedenklich und belasten sowohl kurz- als auch langfristig die Innenraumluft. Lösungsmittelfreie Voranstriche und Klebstoffe, technisch und preislich gleichwertig, sind am Markt erhältlich. Auch hier gilt: Bereits in der Ausschreibung sind emissionsarme Kleber vorzuschreiben und nach Möglichkeit auch doppelseitige Klebebänder für die Befestigung der Sockelleisten.
Beim Tapezieren und Anstreichen werden die unterschiedlichsten Chemikalien aller Berufsgruppen am Bau eingesetzt. Da alle Arbeiten in Innenräumen durchgeführt werden und die Bauchemikalien sehr oft lösungsmittelhaltig sind, können Beeinträchtigungen für Handwerker und Nutzer entstehen. Die Umweltbelastung dagegen ist aufgrund der geringen Mengen eher klein. Die Produktpalette reicht dabei von lösungsmittelfreien Dispersionsfarben bis hin zu stark lösungsmittelhaltigen Grundanstrichen für Metallflächen.
Lösungsmittelfreie Dispersionsfarben bzw. Naturharzfarben sind erhältlich, derzeit gibt es aber noch keine lösungsmittelfreien Produkte bei Lacken oder Grundanstrichstoffen. Für diese Bereiche sollten daher in der Ausschreibung Lösungsmittelhöchstgehalte vorgeschrieben werden – z. B. jene, die Bedingung für die Verleihung des Umweltzeichens „Blauer Engel“ sind.
Beim Gewerk Schwarzdecke kommen – insbesondere bei Gebäuden mit Flachdächern – große Mengen an lösungsmittelhaltigen Voranstrichen zum Einsatz. Die Umweltbelastung ist daher sehr groß. Da die Anwendung durchwegs im Freien erfolgt, kann eine Innenraumluftbelastung nur durch ein Diffundieren des Voranstrichs in das oberste Gebäudegeschoss erfolgen (Lösungsmitteldämpfe sind schwerer als Luft.) Die Belastung für Umwelt und Handwerker muss aufgrund der großen eingesetzten Mengen und der Gefährlichkeit der Stoffe als erheblich betrachtet werden.
Dafür verantwortlich ist ausschließlich ein Arbeitsschritt: der Voranstrich. Als Alternativen zu den stark lösungsmittelhaltigen Bitumenlösungen können lösungsmittelfreie Emulsionen eingesetzt werden. Diese werden am Markt von verschiedenen Anbietern offeriert, stellen derzeit jedoch mangels Sensibilität der Bauherrn und Firmen eine wenig verwendete, aber voll gebrauchstaugliche und preisgleiche Alternative dar.
Zwei Aspekte müssen allerdings beim Einsatz von Emulsions-Voranstrichen beachtet werden: Sie sind bei Frost nicht einsetzbar, da sie gefrieren. Und: Die Verwendung von Emulsionen erfordert die Entfettung von Metalloberflächen, auf die Bitumenbahnen geklebt und geflämmt werden.
Bei manchen „kritischen“ Gewerken ist also bereits heute eine völlige Vermeidung von lösungsmittelhaltigen Produkten möglich. Bei anderen – wie Metalllackiererarbeiten oder Parkettversiegelung – ist dies noch nicht der Fall. Die genaue Festlegung der Bauchemikalien als Bestandteil der Auftragsbestätigung ist Voraussetzung dafür, dass die gewünschten Chemikalien zum Einsatz kommen. Diese nur in der Ausschreibung zu definieren, reicht nicht aus. Stichprobenartige, nicht angekündigte Kontrollen erwiesen sich beim Praxistest im mehrgeschossigen Geschosswohnungsbau als sehr wichtig.
„Erfreulich für Bauherren ist die Tatsache, dass die Produktkosten bei der Verwendung schadstoffarmer Materialien nicht steigen. Lediglich der Qualitätssicherungsaufwand bei Ausschreibung und Baustellenkontrolle erhöht sich geringfügig“, zieht Thomas Belazzi das Resümee. wip

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