Regenerative Energien 09.10.2009, 19:43 Uhr

Frischer Wind für Bauingenieure  

Zehn Jahre Krise am Bau haben Spuren hinterlassen. Umsatz, Beschäftigte und Interesse an der Branche gehen zurück. Bauingenieure haben es schwer, in der Branche Fuß zu fassen. Wer aber bereit ist, auszuweichen, hat durchaus gute Chancen, etwa in den regenerativen Energien. VDI nachrichten, Ellwangen, 9. 10. 09, cha

Die Berufsaussichten für Bauingenieure waren in den vergangenen Jahren alles andere als gut. Während beispielsweise Ingenieure des Maschinenbaus am Arbeitsmarkt kaum zu bekommen waren, lag die Arbeitslosenquote von Bauingenieuren auf ingenieur-untypisch hohem Niveau. Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich fast 8000 Bauingenieure und Architekten arbeitslos. Bei etwa 120 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dieser Berufsgruppen ergibt sich daraus eine Arbeitslosenquote von 6,7 %. 2003 lag die Quote bei über 20 %, seitdem verbessert sich die Arbeitsmarktlage für Bauingenieure kontinuierlich.

Ein Grund dafür ist der so genannte Schweinezyklus: Ist eine bestimmte Berufsgruppe weniger gefragt, dann spricht sich das unter den jungen Leuten herum und das Interesse an dem Beruf sinkt. 2003 waren beispielsweise noch rund 40 000 Studenten in dem Fach eingeschrieben, bis zum vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der Immatrikulierten um ein Viertel verringert, teilte das Statistische Bundesamt auf Nachfrage mit. Es werden wohl wieder mehr, wenn die angehenden Abiturienten hören, dass den etwa 8000 arbeitslos gemeldeten Bauingenieuren und Architekten durchaus positives abzugewinnen ist: Das war nämlich ein Rückgang um fast ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr.

Der 37-jährige Bauingenieur Kai-Uwe Bornemann hat lange Jahre in der Baubranche gearbeitet, zuletzt als Projektleiter. Den Raubbau in der Branche hat er am eigenen Leib gespürt, der letztendlich in den Abbau von rund 100 000 Stellen im Baugewerbe seit 2003 geführt hat. „Neue Aufträge waren kaum mehr mit schwarzen Zahlen umzusetzen, der Druck wurde fast unerträglich“, blickt er zurück. Seit März 2008 geht es ihm deutlich besser. „Ich habe mich anderweitig umgeschaut und bin seitdem glücklich und zufrieden in den erneuerbaren Energien angekommen.“

Bauingenieur Kai-Uwe Bornemann findet, dass ein angenehmerer Wind weht

Bornemann arbeitet seitdem als Projektleiter beim dänischen Hersteller von Windkraftanlagen, Vestas, in Husum. Bornemann ist in der Projektierung tätig und beschäftigt sich mit der Projektabwicklung. „Gemeinsam im Team koordinieren wir Transport, Montage und was sonst noch zur Errichtung der Anlagen erforderlich ist.“ Zuletzt ging es um einen Windenergiepark mit 18 Anlagen in Buchholz-Maklendorf, direkt an der A7 gelegen, ziemlich genau in der Mitte zwischen Hannover und Hamburg. Die Anlagen waren Standard-Windräder von Vestas: 2 MW Leistung, bei einer Nabenhöhe von 105 m und einem Rotordurchmesser von 90 m. Das will alles sicher über Autobahnen transportiert werden. Zudem müssen standfeste Fundamente betoniert werden und der Kunde, ein Energieversorger, will die Anlage termingerecht ans Netz nehmen können.

„Der Druck ist nicht geringer als in der Baubranche“, hat Bornemann festgestellt. „Aber er ist anders, weil die Branche durchaus angenehmer ist. Vor allem herrscht ein anderer Umgangston als auf dem Bau“, zieht er den für ihn wesentlichen Vergleich. Für ihn war es nicht schwierig, die Branche zu wechseln, was er auch von anderen Bauingenieuren immer wieder hört. Denn die Aufgabe, für die sie im Studium vorbereitetet wurden, ist nach wie vor dieselbe: Es geht darum, ein Bauprojekt in einem vorgegebenen Kosten-, Qualitäts- und Zeitrahmen zu erstellen. In der Bauleitung ändert sich z. B. , dass die Kräne für den Transport größer sind als beim Bau eines Mehrfamilienhauses.

Bedeutender ist der Unterschied in der Fertigungsart. „In der Baubranche wird prototypisch gearbeitet, was heißt, dass jedes Bauwerk jedes Mal neu erstellt wird.“ Im Bereich der Windenergieanlagen herrscht Serienfertigung. „Deshalb ähneln sich die Projekte, weil sie aber gleichzeitig laufen, sind mehrere Arbeiten parallel zu organisieren.“ Ein wesentlicher Unterschied zur Baubranche sei auch die Internationalität in den erneuerbaren Energien. Produziert werden die Anlagen an mehreren Standorten Europas, aufgestellt werden sie auf der ganzen Welt.

Etwa 15 % des in Deutschland produzierten Stroms wurden durch erneuerbare Energien erzeugt. Den größten Anteil mit mehr als der Hälfte und das stärkste Wachstum hat dabei die Windenergie. „Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien steigt auch die Nachfrage nach Bauingenieuren“, meint Björn Klusmann, Geschäftsführer vom Bundesverband Erneuerbarer Energien, kurz BEE. Nach seinen Angaben spielen sie eine wichtige Rolle für die Branche.

Laut Bundesverband Erneuerbare Energien wird der Bedarf an Bauingenieuren steigen

„Denn alle neuen Kraftwerke sind zunächst einmal mehr oder weniger große Bauprojekte, ob nun Biogasanlagen, Windräder, Bohrungen zur Geothermienutzung, großflächige Solaranlagen oder Wasserkraftanlagen.“ Im Zuge steigender Arbeitsplatzzahlen wird nach Analysen des BEE auch der Bedarf an Bauingenieuren steigen.

Und das nicht nur durch das Erneuerbare Energien Gesetz, das den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien regelt, sondern auch durch das Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz, das zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist und allen Neubauten einen Mindestanteil ihrer Wärmegewinnung aus erneuerbaren Energien vorschreibt. Klusmann geht davon aus, dass die Kernkompetenzen von Bauingenieuren im Bereich der erneuerbaren Energien zunächst in der Bauplanung und -betreuung genutzt werden, also Statik, Standorte, Bauanträge und Projektierung.

Susanne Ludmann, Personalleiterin Vestas Deutschland, sagt: „Wir machen keinen Unterschied in der Bezahlung, ob nun jemand als Bauingenieur oder Maschinenbauingenieur bei Vestas einsteigt, entscheidend ist der Einsatzbereich.“ PETER ILG

Von Peter Ilg

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