Ein Jahrhundertbauwerk feiert Richtfest 03.09.1999, 17:23 Uhr

Freie Fahrt von Gibraltar bis zum Nordkap

Das letzte Teilstück der Öresund-Brücke wurde verankert, die erste Landverbindung zwischen Schweden und Dänemark geschaffen. Neben kürzeren Fahrzeiten erhoffen sich die Skandinavier vor allem wirtschaftliche, aber auch kulturelle Impulse durch die neue Nähe.

Mit dem Brückenschlag über den Sund, der am 14. August unter großem öffentlichen Interesse erfolgte, wird nicht nur ein jahrhundertealter Traum der Dänen und Schweden Realität, es finden auch die seit November 1995 andauernden Arbeiten ein vorläufiges Ende. Vorläufig, weil mit dem Schließen der letzten Lücke in der Öresund-Brücke zwar die Landverbindung hergestellt ist, aber der Verkehr erst ab Mitte des kommenden Jahres über die Brücke rollen kann. Bis dahin werden die noch erforderlichen Asphaltarbeiten ebenso zu erledigen sein, wie die Gleisbauarbeiten im Bereich der Eisenbahnbrücke. Für das Publikum – vermutlich anders als für die bauausführende Arbeitsgemeinschaft „Sundlink Contractors“, ein Zusammenschluß der Firmen Hochtief, Essen, des schwedischen Unternehmens Skanska sowie der dänischen Baukonzerne Hajgaard & Schultz sowie Monberg & Thorsen, – stellt die Öresund-Brücke über das Flintrinne-Fahrwasser den spektakulärsten Teil der Sund-Querung dar. Dabei bildet diese Brücke mit einer Länge von 7,8 km nur einen Teil der insgesamt rund 16 km langen Landverbindung. Die restliche Strecke verteilt sich auf zwei weitere, kaum weniger spektakuläre und technisch aufwendige Bauwerke, einen 3,7 km langen, in Senkkastenbauweise erstellten Unterwassertunnel und eine über 4 km lange künstliche Insel. Dennoch scheint die Hochbrücke mit ihren zwei 204 m hohen Pylonpaaren als sichtbares Zeichen einer neuen Ära im Verkehr zwischen Dänemark und Schweden das meiste Interesse auf sich zu ziehen. Bei dieser Brücke handelt es sich um eine Schrägseilkonstruktion, deren Hauptseile im klassischen Parallel-Schrägmuster angeordnet und im Überbaufachwerk in 20 m Abstand zueinander verankert sind. Zwei Pylonpaare bilden die Haupttragwerke der Brücke, in dem die Mitte des Hauptfelds das symmetrische Zentrum bildet. Die Pfeiler der Seitenfelder fangen die vom 490 m weiten Hauptfeld aufkommende Durchbiegung der Konstruktion ab. Die Gesamtlänge der Schrägseilbrücke zwischen den Dehnungsfugen an den Übergängen beträgt 1092 m. Der Verkehr über die Brücke wird in zwei Etagen abgewickelt: Auf dem Oberdeck des Überbaus fließt der Straßenverkehr, während auf dem Unterdeck die Geleise für Hochgeschwindigkeits- und Güterzüge verlegt sind. Dabei besteht die Autobahntrasse aus einer vor Ort gegossenen Betondecke, die mit dem Fachwerkbalken aus Stahl im Verbund steht, während eine Stahlkastenkonstruktion das Unterdeck bildet. Die Zufahrt zur eigentlichen Brücke erfolgt von Westen über eine rund 3 km lange Zufahrtsbrücke, die aus insgesamt zweiundzwanzig 120 m bzw. 140 m langen Feldern besteht. Die östliche Zufahrtsbrücke ist 3739 m lang und besteht aus insgesamt 27 Feldern von 140 m bzw. 120 m Länge. Der Überbau trägt ein oberes Betondeck für die Autobahn und steht im Verbund mit dem Stahlfachwerk. Das untere Brückendeck besteht aus einer Betonkastenkonstruktion für die Trasse der Hochgeschwindigkeitszüge und steht ebenfalls im Verbund mit der übrigen Brückenkonstruktion. Der Überbau ist in Dehnungsteilstücke von 1270 m Länge aufgeteilt, die 9 Felder mit Dehnungsfugen am Übergangspfeiler von Teilstück zu Teilstück umfassen. Die Zufahrtsbrücken werden von vorgefertigten Einfachschenkelpfeilern gestützt, die auf vorgefertigten Betoncaissongründungen in bis zu 15 m Tiefe unter dem Meeresspiegel ruhen. Die Pfeiler, die am dichtesten an der Hochbrücke stehen, werden durch unterseeische Schutzwälle gegen Schiffskollisionen geschützt. Die Herstellung aller Brückenteile erfolgte an Land: In Malmö wurden die Caissons und die Pfeiler-Unterbauten erstellt, der Überbau für die Hochbrücke entstand im schwedischen Karlskrona, die Überbauten für die Zufahrtsbrücken sogar im spanischen Cadiz. Die fertigen Teilstücke wurden mit hochseetüchtigen Lastkähnen zum Brückenstandort gebracht und dort von Schwimmkränen an Ort und Stelle gehoben. Auch wenn die lange erwartete feste Verbindung zwischen Dänemark und Schweden seit dem vergangenen Wochenende faktisch besteht, wird es, wie bereits erwähnt, noch fast ein Jahr dauern, bis die Öresund-Querung offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Dann allerdings werden täglich rund 10 000 Fahrzeuge durch den Tunnel und über die Brücke rollen und mit den zu entrichtenden Mautgebühren, die sich im übrigen an den bisherigen Fährpreisen über den Öresund orientieren, die Kosten des auf 818 Mio. Euro (1,6 Mrd. DM) veranschlagten Bauwerks finanzieren. Unter Berücksichtigung aller vorhersehbaren Faktoren wird sich die Öresund-Querung nach Berechnung des Bauherrn, der Öresund Konsortied, 27 Jahre nach der Eröffnung selbst finanziert haben. T. HANSEN

Von T. Hansen

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