Bau 30.05.2008, 19:35 Uhr

Die neuen Schmuckstücke der Alpen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 5. 08, rb – Größe ist nicht alles – zumindest nicht für die Gastgeber der Fußball-EM Schweiz und Österreich. Die acht Austragungsstätten der „Euro 08“ setzen auf eher mittelgroße Stadien mit einem Fassungsvermögen von um die 30 000 Zuschauern. Diese aber sind echte Schmuckstücke. In Sachen Ökologie und Rückbau werden teilweise neue Maßstäbe gesetzt.

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihre beiden Vorrunden-Spiele in Klagenfurt austrägt, hat sie ein besonderes Privileg: Sie spielt in einem Stadion, das nach der EM nicht mehr so aussehen wird. Derzeit fasst das schmucke Wörthersee-Stadion rund 30 000 Zuschauerplätze, nach der „Euro“ soll es auf 12 000 Ränge zurückgebaut werden. Die Tribünen sollen in anderen Stadien Österreichs aufgestellt werden.

Die Stadion-Architekten haben frühzeitig eine solche Verkleinerung in ihrer Planung berücksichtigt: „Das absenkbare Dach lässt einen Rückbau problemlos zu“, sagt Thomas Schneider, Leiter des städtischen Tourismusamts.

Doch in der Bevölkerung regt sich Widerstand gegen den Rückbau. Laut einer jüngsten Medienumfrage sprechen sich 76 % der Klagenfurter gegen die Stadion-Schrumpfung aus. Die Politik ist sich uneinig.

Die Kritik entzündet sich besonders an den zusätzlichen Kosten. Der Rückbau würde über 15 Mio. € kosten. Für den Bau des Stadions mussten das Land Kärnten und der Bund bereits 66 Mio. € aufbringen.

Dafür verfügt Klagenfurt aber über eines der schönsten der acht EM-Stadien mit Blick auf die malerische Bergkulisse am Dreiländereck zwischen Österreich, Italien und Slowenien und auf den Wörthersee. Über 20 000 t Beton und 10 000 t Stahl wurden für den Fußball-Tempel verwendet. Abends leuchtet das Stadion wie ein „Ufo“.

In Salzburg sind die Rückbaupläne des Stadions ebenfalls heftig umstritten. Die Anrainer hatten der Erweiterung nur zugestimmt, wenn die Arena nach der EM wieder auf ihre alte Kapazität zurückgeführt wird.

Die Vergrößerung des Stadions war eine enorme technische Herausforderung. Dazu musste das Dach mithilfe von zwölf großen und 56 kleinen Stützen um 10,50 m hydraulisch angehoben werden. Die Last entsprach einem Gewicht von 270 Elefanten. Im europäischen Stadionbau war diese Technik bisher noch nicht angewendet worden, erklären die Stadionbetreiber. Auch in Innsbruck musste das Tivoli-Stadion erweitert werden.

Die größte EM-Arena Österreichs, das Wiener Ernst-Happel-Stadion, wurde ebenfalls schrittweise für 36,5 Mio. € zu einer Fünf-Sterne-Arena ausgebaut. Hier finden das Finale und sechs weitere Spiele statt.

Über vier Sterne verfügt das St. Jakob-Stadion in Basel, das 2001 neu errichtet wurde. 250 Mio. sFr kostete der Neubau. Konzipiert haben das „Joggeli“, in dem das EM-Eröffnungsspiel stattfindet, die Architekten Herzog & Meuron. Sie haben auch die Münchner Allianz-Arena geplant.

Nur das Stade de Suisse Wankdorf in Bern hat in der Schweiz dieselbe hohe Klassifizierung wie das St. Jakob-Stadion. Die Arena wurde 2005 dort eröffnet, wo einst das legendäre Wankdorf-Stadion stand, in dem Deutschland 1954 das „Wunder von Bern“ feierte und sensationell Weltmeister wurde.

Heute spricht man eher vom „Solar-Wunder von Bern“. Das neue Stade de Suisse verfügt nämlich über das weltweit größte stadionintegrierte Solarkraftwerk der Welt. Die Solarenergie trägt mit dazu bei, dass während der „Euro“-Spiele das Stadion komplett mit Öko-Strom versorgt wird. Auch die Fanzone wird mit Ökostrom versorgt. Bern will sich so als ökologischste Host City präsentieren.

Preiswürdig ist auch das Stadion in Zürich. Der Letzigrund, der für rund 110 Mio. sFr umgebaut und im September 2007 eingeweiht wurde, erhielt jüngst den Stahlbau-Preis „Prix Acier“. Das Stadion, das für sein Leichtathletik-Meeting „Weltklasse Zürich“ bekannt ist, gilt als der beste Stahlbau der Schweiz im vergangenen Jahr. Die Multifunktionsarena fällt von außen nicht besonders auf, da sie teilweise in den Boden versenkt wurde. Damit fügt sich der Letzigrund gut in das umliegende Stadtviertel ein.

Ähnlich eingebettet ist das Stadion von Genf in die Vorortgemeinde Lancy. Vom Einkaufszentrum führt direkt ein Weg ins Stade de Genève. Das 2003 eingeweihte Stadion, das sich auf dem einstigen Areal des Schlachthofs befindet, fasst 30 000 überdachte Plätze. Mit einer zweiten Attraktion versucht Genf die Besucher in die Innenstadt zu locken. Auf der Wasserfontäne am Genfer See wird während der „Euro“ ein überdimensionaler Fußball platziert. Derzeit liegt der Ball nur neben der Fontäne. Der Wind hat den Ball nach unten gedrückt.

Insgesamt sind für die „Euro“ acht Stadien vorgesehen. Die Schweiz hat aber noch ein neuntes Stadion: die UBS-Arenen. Im Kleinformat hat die Bank Stadien nachbauen lassen, die EM-Atmosphäre vermitteln sollen.

NOTKER BLECHNER

Bislang erschienen: „Siemens, Swisscom und Telekom Austria fiebern Euro 2008 entgegen“ (23. 5. 08). Die Serie wird fortgesetzt.

Von Notker Blechner

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