Bau 12.08.2005, 18:39 Uhr

„Deutsche Ingenieurkompetenz ist ein Wettbewerbsvorteil“

VDI nachrichten, Mannheim, 12. 8. 05 – Mit fast 50 000 Mitarbeitern weltweit und einer Leistung von über 6 Mrd. € im Jahre 2004 gehört Bilfinger Berger zu den Giganten der Baubranche. Der Mannheimer Baukonzern setzt vor allem auf qualifizierte Dienstleistungen und auf boomende Auslandsmärkte. Fragen an Herbert Bodner, den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens.

Bodner: Ganz so pessimistisch bin ich nicht. Tatsache ist, es muss endlich wieder mehr investiert werden. Sorge bereitet vor allem der öffentliche Bau. Von der Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand hängt schließlich in hohem Maße die Standortqualität Deutschlands ab.

VDI nachrichten: Aber der Staat hat kein Geld …

Bodner: Das ist richtig. Umso wichtiger ist es, dass der Staat endlich für ein vertretbares Verhältnis zwischen konsumtiven und investiven Ausgaben sorgt. Der Staat muss mehr investieren oder er muss in hohem Maße privatisieren – zum Beispiel die Autobahnen.

Der Investitionsstau im öffentlichen Bereich ist jedenfalls ganz erheblich, das zeigt sich täglich auf den Fernstraßen – aber auch bei Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und Universitäten.

VDI nachrichten: Wie sehen Sie die Beschäftigungssituation am Bau?

Bodner: Im Rahmen des Kapazitätsabbaus in der Bauwirtschaft hat auch die Zahl der Arbeitsplätze kräftig abgenommen. Dennoch wird der Druck auf deutsche Beschäftigungsverhältnisse weiter anhalten. Die Verdrängung durch Billiglohnanbieter aus Osteuropa nimmt zu. Der gegenwärtige Schutz durch Übergangsregelungen wird nicht ewig währen.

VDI nachrichten: Trotz aller Widrigkeiten am deutschen Markt ist Bilfinger erfolgreich. Wie kommt das?

Bodner: Mit Blick auf unser deutsches Baugeschäft haben wir natürlich die gleichen Sorgen wie unsere Mitbewerber. Wir leiden unter dem Preisdruck und unter der mangelnden Nachfrage. Aber wir haben uns früher als andere am deutschen Markt Selbstbeschränkung auferlegt.

Schon seit langem reduzieren wir unsere Kapazitäten zielgerichtet und zwar so, dass die verbliebenen Ressourcen einen zusätzlichen Qualitätsschub erfahren. Zudem haben wir mit dem Dienstleistungsgeschäft ein zweites Standbein aufgebaut.

VDI nachrichten: Nur noch 20 % Ihrer Konzernleistung entfallen auf das inländische Baugeschäft. Kann Ihnen da die Baukonjunktur in Deutschland nicht relativ egal sein?

Bodner: Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Markt, auch wenn sich der überwiegende Teil unserer Bauaktivitäten im Ausland abspielt. Unsere deutsche Ingenieurkompetenz ist dort ein bedeutender Wettbewerbsvorteil. Nur damit kommen wir im Ausland bei anspruchsvollen Infrastrukturprojekten zum Zuge.

VDI nachrichten: Worin liegt der Reiz des Auslandsgeschäfts – im niedrigeren Risiko und in höheren Margen?

Bodner: Im Ausland wird besser verdient. Das Risiko ist aber nicht generell niedriger als im Inland. Sicherlich gibt es in manchen Ländern Vertragsformen, die weniger auf Konfrontation angelegt sind als hierzulande. Aber wir sind auch in Ländern wie Nigeria oder Libyen tätig, die als ausgesprochen schwierig gelten.

VDI nachrichten: Wie operieren Sie im Ausland – überwiegend mit Tochtergesellschaften?

Bodner: Das ist sehr unterschiedlich. Australien ist ein typischer Markt, den man nicht von außen bearbeiten kann. In anderen Regionen – vor allem in Europa – machen wir eher Direktgeschäfte. Wir kennen die Märkte, haben dort Erfahrung und picken uns Projekte heraus, bei denen wir aufgrund unserer technischen Kompetenz Wettbewerbsvorteile haben.

VDI nachrichten: Neben einem starken internationalen Baugeschäft haben Sie sich mit Dienstleistungen ein zweites Standbein geschaffen. Wie kam es dazu?

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Bodner: Die wachsenden Anforderungen des Kapitalmarkts an die Ertragskraft haben uns Ende der neunziger Jahre zur Neuausrichtung des Konzerns bewogen. Der systematische Aufbau unseres Dienstleistungssegments verringert die Abhängigkeit vom eher zyklischen Baugeschäft und verbessert mit guten und stabilen Margen unsere Ergebnisstruktur.

VDI nachrichten: Und welche Dienstleistungen bieten Sie Ihren Kunden konkret an?

Bodner: Wir unterscheiden bei den Dienstleistungen zwischen den Sparten Industrial Services und Facility Services. Letzteres beinhaltet Verwaltung und Instandhaltung von Gebäuden. Typische Kunden sind Immobilienbesitzer wie institutionelle Investoren, die von uns ihre Bestände betreuen lassen. Aufgrund unserer Erfahrung bei Erstellung, Verwaltung und Betrieb sind wir über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie ein kompetenter Ansprechpartner.

Bei den Industrial Services handelt es sich um Wartung und Instandhaltung von Industrieanlagen und Kraftwerken auf der Basis lang laufender Rahmenverträge. Wir sind auch im Projektgeschäft aktiv und erstellen Anlagenteile. Allerdings meiden wir den mit hohen Risiken behafteten Bau von Großanlagen. Dagegen übernehmen wir das Instandhaltungsmanagement ganzer Produktionsstandorte wie kürzlich in den Industrieparks Höchst und Griesheim.

VDI nachrichten: Was können Sie besser als das Unternehmen, das Leistungen fremd vergibt?

Bodner: Bei uns stehen die ausgegliederten Geschäftsteile im Zentrum der Tätigkeit, während sie beim angestammten Unternehmen eher periphere Bedeutung hatten. Dadurch entwickeln die Mitarbeiter erheblich mehr Engagement. Zudem schaffen wir Synergien zwischen einzelnen Standorten und können deshalb zu günstigeren Konditionen arbeiten.

VDI nachrichten: Sie profitieren vom allgemeinen Trend, Dienstleistungen fremd zu vergeben. Nimmt die Konkurrenz nicht auch in diesem Segment zu?

Bodner: In der Tat sind einige Bereiche wie Reinigung oder Sicherheit leicht zugänglich und damit wettbewerbsintensiv. Doch wir konzentrieren uns auf die technische und kaufmännische Seite. Hier ist Know-how gefragt, die Zugangsbarrieren sind hoch. Nicht jeder kann große Immobilienobjekte oder den Betrieb ganzer Industrieanlagen professionell managen. Bei diesen anspruchsvollen Aufgaben ist der Wettbewerb geringer.

VDI nachrichten: Sie setzen besonders auf´s Ausland und Dienstleistungen. Zahlt sich Ihre Geschäftsstrategie aus?

Bodner: Wir haben im vergangenen Jahr einen Gewinn von 50 Mio. € ausgewiesen. Den wollen wir bis 2007 verdoppeln. Unsere Planung ist anspruchsvoll, aber wir haben gute Chancen, unser Ziel zu erreichen.

VDI nachrichten: Dienstleistungen bieten neue Chancen im Inland. Auch bei Private-Public-Partnership könnte der Durchbruch gelingen. Wird das Deutschland-Geschäft künftig wieder wichtiger?

Bodner: Das ist heute schon der Fall. Durch unser Engagement im Dienstleistungsgeschäft hat sich der Inlandsanteil erhöht. Und wenn die Prognosen zutreffen, dann wird der deutsche Markt auch auf der Bauseite für uns wieder mehr Gewicht bekommen.

VDI nachrichten: Die Dresdner Bank hat ihre 25 %ige Beteiligung an Bilfinger Berger verkauft. Gibt es derzeit Aktionäre, die mehr als 5 % der Anteile halten und damit meldepflichtig sind?

Bodner: Hierüber liegen uns keine Meldungen vor. Wir gehen davon aus, dass keiner unserer Aktionäre mehr als 5 % an unserem Unternehmen hält. Die Anteile der Dresdner Bank wurden überwiegend im Ausland platziert, sodass unsere Aktionärsstruktur jetzt noch internationaler ist.

VDI nachrichten: Also keine Gefahr einer feindlichen Übernahme?

Bodner: Auch wenn das Unternehmen zu 100 % im Streubesitz ist, kann man Übernahmen grundsätzlich nicht ausschließen. Am besten schützen eine gute Performance, ein hoher Aktienkurs sowie ein intensiver Kontakt zu den Aktionären.

VDI nachrichten: Der Kurs der Bilfinger-Berger-Aktie markiert mit etwa 44 € ein 52-Wochen-Hoch. Gibt es noch Kursspielraum?

Bodner: Der Kapitalmarkt vertraut darauf, dass wir unseren Gewinn bis 2007 verdoppeln. Honoriert wird aber auch unsere konsequente strategische Ausrichtung, die eine erfolgreiche Entwicklung in der Zukunft erwarten lässt. Ich bin optimistisch, dass dies auch den Kurs unserer Aktie weiter beflügeln wird. DIETER HEUMANN

Die Serie „Insight: Technologieunternehmen im Fokus“ wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Von Dieter Heumann

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