Bau 25.02.2005, 18:37 Uhr

Der Wiederaufbau kommt nur schleppend voran

VDI nachrichten, Sri Lanka, 25. 2. 05 -Zwei Monate nach der Flut ist die Verteilung von Wasser, Reis und Zelten auf Sri Lanka abgeschlossen. Doch der Wiederaufbau der zerstörten Städte läuft nur langsam an. Die Menschen werden ungeduldig. Und die Hoffnung, die sie in ihre Regierung gesetzt hatten, schwindet langsam.

Mohammed Iswer hat als erstes den Taubenschlag wieder aufgebaut. Als die Flut kam, konnten die Tiere einfach davonfliegen. Und als Iswer sich wieder nach Hambantota gewagt hat, haben sie auf ihn gewartet – in einer Landschaft aus Trümmern.
Hambantota an der Südküste Sri Lankas liegt auf einem flachen Streifen Sand zwischen dem Meer und einer Lagune. Die Welle ist über den Ort hinweggeschossen und hat den gesamten Stadtteil zermalmt, es sieht aus, als hätte die Armee Panzer und Planierraupen kreuz und quer durch die Siedlung geschickt.
Viele Ruinen und Wege sind auch zwei Monate nach der Flut immer noch kniehoch voll Sand und Müll.
Fast 4500 Menschen sind in Hambantota gestorben. Was Mohammed Iswer und seine Frau außer ihrem Leben geblieben ist, sind die drei Tauben. Also hat er als erstes einen Taubenschlag aus Trümmerholz gebaut, das Fundament seines Hauses freigeschaufelt, und sich bei einer der Hilfsorganisationen ein Zelt besorgt.
Auf Sri Lanka haben Regierung und Hilfsorganisationen die ersten Phasen der Fluthilfe für beendet erklärt. Nach der Flut hatte ein Heer von Helfern die Insel überschwemmt. „Teilweise waren die Hilfsorganisationen sich gegenseitig im Weg“, klagt Dietmar Bleistein.
Auch Bleistein, Leiter einer Einsatztruppe des Technischen Hilfswerkes, hat seine Arbeit auf Sri Lanka fast beendet. Sein Team aus 13 Leuten hat sich mit Paletten voller Wasserreinigungs-Equipment und Analysegeräten in einem ehemaligen Ayurveda Hotel an der Westküste eingerichtet.
Das Technische Hilfswerk war zwei Tage nach dem Tsunami vor Ort, hat Wassertanks aufgestellt, das Salzwasser aus den Brunnen gepumpt und zusammen mit Einheimischen die Brunnen gereinigt. Sri Lanka ist ein wasserreiches Land. „Doch das Problem ist die Verteilung“, sagt Bleistein, „wir mussten sicherstellen, dass die Leute sauberes und keimfreies Wasser bekommen.“
Nach der gelungenen Ersthilfe ist der Wiederaufbau jetzt ins Stocken geraten. Viel Geld wartet darauf, im Land wirksam zu werden. Im Galle Face Hotel in Colombo, dem besten Hotel der Stadt mit Marmorböden und Säulengängen im Stil der englischen Kolonialzeit, treffen sich die Repräsentanten der großen Hilfsorganisationen und streiten darüber, wer sein Geld in welches Projekt stecken darf.
Ob Arbeiter Samariter Bund, Welthungerhilfe oder Caritas: Jede Organisation will Schulen oder Waisenhäuser betreuen. Denn Kinder machen sich bei den eigenen Spendern am besten. Allerdings wurden auf Sri Lanka „nur“ 163 Schulen zerstört. Da verlieren die Helfer im Streit um die prestigeträchtigen Projekte schon mal die Contenance: „Dann schreien die Vertreter der Hilfsorganisationen sich im Kampf um die besten Projekte gegenseitig an“, so ein Mitarbeiter einer deutschen Organisation.
Doch die Vielzahl der Helfer ist das kleinste Problem beim Wiederaufbau Sri Lankas.
Die singhalesische Regierung scheint wenige Wochen nach der Katastrophe in eine Art Apathie verfallen zu sein. Nach lauten Ankündigungen ist nicht mehr viel geschehen. „Von der Regierung ist immer noch niemand hier gewesen“, sagt Tuan Zaron Samsudeen, eine Frau aus Mohammed Iswers Viertel.
Samsudeens Familie und die ihres Mannes haben in Hambantota Wohnhäuser und zehn Verwandte verloren. Die Regierung hat 15 000 singhalesische Rupien oder 120 € Soforthilfe für jeden verlorenen Angehörigen ausgelobt – gerade zwei durchschnittliche Monatslöhne und nicht einmal genug für eine buddhistische oder muslimische Bestattung.
Aber selbst dieses wenige Geld – so musste die Regierung eingestehen – hat Mitte Februar gerade drei von zehn betroffenen Familien erreicht. Zeitungen berichten von Korruptions-Fällen und von Missmanagement.
Dazu kommt, dass Samsudeens Familie aus dem vom Tsunami bedrohten Stadtteil Hambantota umziehen soll – in eine neue Siedlung 5 km entfernt im Inland. „Die Regierung will einen Streifen von mindestens hundert Metern von der See freihalten. Aber wir wollen unsere Häuser hier wieder aufbauen“, sagt Samsudeen.
Im Hambantota und in anderen Orten entlang der zerstörten Küste wollen nur wenige in die geplanten Satelliten-Städtchen ziehen. Für die Fischer ist es zu weit zum Hafen, Hoteliers und Touristenführer finden im Hinterland keine Urlauber, die Händler und Handwerker keine Kunden.
Die Opposition nennt die Enteignungen eines 100-Meter-Streifens an der Küste schlicht illegal und fordert zum Bleiben auf.
Außerdem haben die Menschen in Hambantota Angst vor den Elefanten in ihrem geplanten Domizil: Wenn denen im benachbarten Nationalpark die Nahrung ausgeht, dann überfallen sie Dörfer und drücken Hauswände ein, um an die Vorräte von Reis und Sesam heranzukommen.
Dabei geht es auch anders: In der Stadt Tangalle, rund 25 km von Hambantota entfernt, steht Juwana Hanadige Sunil vor einer frisch gerodeten Fläche im Wald und sagt: „Ich bin glücklich.“ Sunil zeigt ein Bild von seinem zerstörten Haus: Die Welle hatte jeden Stein, der auf dem 30 cm hohen Betonfundament stand, sauber abrasiert.
Die Flut haben er und seine Frau überlebt, weil sie nicht zum Meer, sondern die Berge hinaufrannten. Von dort aus mussten sie zusehen, wie ihr Haus weggespült wurde. Jetzt gehören sie zu den Ersten, die in einer kleinen Siedlung 1,5 km von der See entfernt neu angesiedelt werden sollen die Regierung hat das Land am Rande des Dorfes Hettiyapokuma bereitgestellt, der Wald wurde gerodet und jetzt werden 21 provisorische Häuser gebaut: mit fließendem Wasser, Strom und guten Wänden. Die künftigen Bewohner arbeiten als Handwerker und Planer an der neuen Heimat mit.
Das Geld – rund 4000 € je Domizil – kommt von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ): „Wir werden in dieser Region zwei Dörfer mit insgesamt 50 Häusern entwickeln“, so Peter Seibert, der die Projekte der GTZ im Süden der Insel koordiniert. „Unser Vorteil ist, dass wir schon sieben Jahre in diesem Land arbeiten und wissen, wer hier für was zuständig ist“, sagt Seibert mit dem Blick auf die chaotisch anmutenden Bemühungen vieler Tsunami-Helfer.
Juwana Hanadige Sunil lächelt zuversichtlich. Zu den Ausländern hat er ganz offensichtlich mehr Vertrauen als zu seiner eigenen Regierung. Zumindest ein bisschen mehr. „Noch sind die neuen Häuser nicht da“, sagt Sunil vorsichtig. „Und bevor sie nicht stehen, glaube ich nicht richtig dran.“
MARCUS FRANKEN

Von Marcus Franken

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