Bauprojekte 17.08.2012, 11:00 Uhr

Der neue Hauptbahnhof in Wien soll Ende 2012 in Betrieb gehen

Bau: Ohne laute Begleiterscheinungen ist in der österreichischen Bundeshauptstadt innerhalb weniger Jahre ein Hauptbahnhof gebaut worden. Schon im Dezember werden die ersten Züge einfahren, ab 2014 sollen alle Strecken dort verknüpft sein.

Wie in zahlreichen europäischen Großstädten endeten auch in Wien, historisch bedingt, die Eisenbahnstrecken in mehreren getrennten Bahnhöfen. Nur in Richtung Süden und Osten lagen sie nahe beieinander: im Südbahnhof, der im rechten Winkel eine gleich große „Ostseite“ hatte. Am 12. Dezember 2009 gegen Mitternacht endete dort der Bahnbetrieb, für immer.

Danach rückten die Bagger an und hinterließen eine abgeräumte Fläche von über 100 ha. Für die Züge nach Osten war in der Nähe ein Provisorium geschaffen, für die nach Süden der benachbarte Bahnhof Wien-Meidling runderneuert worden. Dazwischen breitete sich bald Österreichs bedeutendste Baustelle aus.

Hauptbahnhof Wien symbolisiert Drehscheibe in der Mitte Europas

„Der Hauptbahnhof Wien ist ein Schlüsselprojekt für unsere Stadt und symbolisiert ihre Drehscheibenfunktion in der Mitte Europas“, erklärt Michael Häupl, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. In dieser Lage sieht sich die Stadt, seit der Eiserne Vorhang gefallen ist und der Verkehr nach Osten wieder den gleichen Stellenwert erreicht hat wie auf den übrigen Magistralen.

Zuvor war der gelegentlich diskutierte Plan eines zentralen Durchgangsbahnhofs eher Theorie geblieben. Doch als ihn die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) 2003 erneut auf die Tagesordnung setzten, schlossen sich noch im selben Jahr der Bund und die Stadt Wien an und vereinbarten, das Vorhaben gemeinsam zu verwirklichen. Nicht weniger als drei Umweltverträglichkeitsprüfungen, bei denen Lärm und Klimabelastung, Grundwasser, Luftschadstoffe und zahlreiche weitere Gesichtspunkte untersucht und bewertet wurden, gingen der Genehmigung voraus.

Wien blieb bisher ein zweites Stuttgart 21 erspart

Im Gegensatz zu Stuttgart, wo der bevorstehende Bau eines Durchgangsbahnhofs die Bürger auf die Straße trieb, blieb es in Wien friedlich. Dort liegen die Bahnsteige nicht unter, sondern über der Erde, was eben „das Stadtbild prägt“. Und statt nur eines Seitenflügels wie in Stuttgart musste in Wien der gesamte Südbahnhof abgerissen werden. Der Zweckbau stammte allerdings aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und stand nicht unter Denkmalschutz. Doch von dem Gelände fuhr schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Südbahn über den Semmering in die Steiermark und nach Kärnten.

Hier entsteht nun der künftige Hauptbahnhof, in dem die Züge nicht mehr enden, sondern nach allen Richtungen weiterfahren können. So führt die Westbahn von München über Salzburg – Linz durch den kürzlich bereits fertiggestellten, 13 km langen Lainzer Tunnel direkt in den Hauptbahnhof und weiter Richtung Budapest. Eine vorübergehend in weitem Bogen über die Baustelle gelegte Verbindungsstrecke wird nun wieder abgebaut, auch der provisorische „Ostbahnhof“ verschwindet Ende dieses Jahres, wenn die Züge durch in den Hauptbahnhof einfahren können.

Dann beginnt nördlich des fertigen Teils die zweite Etappe. In zwei Jahren könnten die Züge von Berlin über Prag oder von Warschau durch den Hauptbahnhof auf die Südbahn nach Graz und Klagenfurt, ja sogar bis Mailand oder Rom weiterfahren. Ein genaues Betriebsprogramm dafür gibt es noch nicht, die Fahrpläne werden erst 2014 definitiv feststehen.

Von den später zehn Gleisen mit fünf Inselbahnsteigen sind jetzt fünf Gleise benutzbar. Die restlichen folgen bis 2014. Zwei Gleise ohne Bahnsteig werden für Güterzüge und den Dienstverkehr verlegt.

Hauptbahnhof Wien soll als Durchgangsbahnhof  den Fernverkehr beschleunigen

In erster Linie soll der Hauptbahnhof jedoch den Anachronismus der Kopfbahnhöfe beseitigen und den Fernverkehr mit einem zeitgemäßen Durchgangsbahnhof erleichtern und beschleunigen. „Für die Reisenden bringt er wesentlich mehr Komfort und Bequemlichkeit“, unterstreicht ÖBB-Chef Christian Kern. Barrierefreiheit werde es gemäß den neuesten Standards nicht nur innerhalb der Verkehrsstation geben, sondern auch beim Übergang zur unterirdischen S-Bahn und den übrigen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die eigentliche Bahnhofsanlage mit dem Bahnhofsgebäude und den Bahnsteigen wird rund 480 m lang und bis zu 180 m breit. Für die Arbeiten hat sich die ÖBB zu einer schonenden Bauweise verpflichtet: Verwertbares Material, vor allem Beton aus dem Abbruch und Schotter aus den stillgelegten Gleisen, wird an Ort und Stelle aufbereitet. Der Rest wurde auf der Schiene abtransportiert, wofür ein eigenes Ladegleis bestand.

Den enormen Bedarf an Beton deckt eine baustelleneigene Mischanlage, die bis zu 180 m³ Beton pro Stunde liefern kann. Der Baustellenverkehr durch die Nachbarschaft wurde damit minimiert. Außerdem sind nur emissionsarme Lastwagen und Baumaschinen mit Partikelfilter eingesetzt. Brecher und dazugehörige Förderanlagen wurden eingehaust, um die Anwohner vor Staub und Lärm zu schützen.

„Der Einsatz nachhaltiger Materialien und hohe Energieeffizienz der Gebäude haben gleichermaßen Priorität“, ergänzt Gesamtprojektleiter Karl-Johann Hartig. Kürzlich sei noch die Entscheidung gefallen, auf den Bahnsteigdächern Photovoltaikpaneele zu installieren. Auch Geothermie, Fernkälte, Fernwärme sowie ein integriertes CO2-gesteuertes Lüftungssystem würden genutzt, um den künftigen Hauptbahnhof zu einem energieeffizienten, umwelt- und ressourcenschonenden Vorzeigeprojekt zu machen.

Von Ralf Roman Rossberg

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