Green Building 21.05.2010, 19:46 Uhr

„Den Bauherrn einen Schritt weiter bringen“

Gebäude verschlingen rund 40 % des deutschen Primärenergiebedarfs und sehr viel Trinkwasser. Nachhaltiges Bauen ist deshalb eine Notwendigkeit. Der Stuttgarter Immobiliendienstleister für Projektmanagement, Immobilienberatung und Engineering, Drees & Sommer, leistet bei der Neuausrichtung des Bauwesens Pionierarbeit.

Manchmal sagen Gebäude viel über die Menschen, die sie besitzen, aus. So ist es auch mit der Zentrale des Stuttgarter Ingenieurbüros Drees & Sommer: Die sanfte Rundung der Außenfassade, die hellen Räume und der begrünte Innenhof erzeugen eine Wohlfühlatmosphäre, die sich von den meisten Bürogebäuden wohltuend unterscheidet. Mindestens genauso wichtig ist aber die Nachhaltigkeit des 1999 konzipierten Gebäudes, bescheinigt durch ein Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB): Geheizt und gekühlt wird es mittels Geothermie. Heizkörper gibt es nicht. Bauteile werden für die Wärmeleitung genutzt. „Das Zertifikat der DGNB kam erst so spät, weil es vorher in Deutschland keine entsprechenden Zertifikate gab“, erklärt Prof. Dr.-Ing Michael Bauer, Geschäftsführer der Drees & Sommer Advanced Building Technologies GmbH.

Bauer, der eher handfest-pragmatisch als akademisch-abgehoben wirkt, interessierte sich schon während seines Gebäudetechnikstudiums für regenerative Energiesysteme. In seiner Doktorarbeit erarbeitete er eine Methode zur Berechnung des bedarfsgerechten Wärmeübergabeverhaltens von Heizflächen in beheizten Räumen. „Diese Arbeit“, erinnert er sich, „hat zum ersten Mal das Zusammenspiel von Raumheizsystem, Regelung, Nutzung der inneren Wärmequellen, passiver Solarenergienutzung und Wärmedämmung detailliert aufgezeigt und eine intensive Diskussion über die tatsächlichen Energieeinsparpotenziale bei Heizsystemen in Niedrigstenergiehäusern ausgelöst.“ Deshalb fand er 1999 bei Drees & Sommer ein ideales Umfeld. Hier wurde einerseits technologisch und ökologisch nach vorn gedacht, andererseits darauf geachtet, dass alles praktikabel und bezahlbar blieb.

Bereits Anfang der 80er begann man bei Drees & Sommer, sich mit Studien zum Thermoverhalten von Gebäuden zu beschäftigen. Die Studien wurden zu einer der Grundlagen des nachhaltigen Bauens. „Mit den computergestützten Simulationsmethoden konnte man nun z. B. die Kühlung von Gebäuden oft ein Drittel kleiner dimensionieren, einfach, weil genauer gerechnet wurde“, erklärt Bauer.

Potsdamer Platz: Durchbruch fürs nachhaltige Bauen

Ein wichtiges Projekt für dieses Denken war das Milliardenvorhaben Potsdamer Platz, dessen Konzept und Realisierung Drees & Sommer als General Manager verantwortete. Realisiert wurde dort bereits in den 90er-Jahren beispielsweise eine Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung, wobei die Kälte aus der Abwärme des Gas- und Dampf-Kraftwerks per Absorption erzeugt wird. Ausgewählt wurden zudem ausschließlich möglichst ökologische, emissionsfreie Materialien. Themen, die heute bei den Green-Building-Ansätzen auch verfolgt werden.

2003 übernahm Bauer seine jetzige Aufgabe als Geschäftsführer: sich mit seinem multidisziplinären Team immer neue Verbesserungen auszudenken, die Gebäude hinsichtlich Ökologie und Ökonomie nachhaltig optimieren. Er nennt seine Tätigkeitsfelder Energiedesign, Energiemanagement, Green Building und Gebäudetechnik. Das Team berät Architekten und Bauherren bei Konzeption, Planung und Umsetzung ihrer Gebäude sowie bei der darauf folgenden Bewirtschaftung oder bei der nachhaltigen Optimierung ihres Immobilienbestandes. Hierzu werden Simulationsverfahren eingesetzt, um die technischen Lösungen so früh wie möglich visualisieren zu können und Wirtschaftlichkeit oder Lebenszykluskosten fundiert zu berechnen. Gepaart mit den anderen Leistungsbereichen des Unternehmens, zum Beispiel der Fassadentechnik, der Bauphysik, dem Facility Management Consulting, der Immobilienberatung und dem Projektmanagement entstehen Synergien und Optimierungen für den Kunden.

Einige Beispiele zeigen, was ökologisches Bauen heute bedeutet: Beim Bau der neuen Messehallen in Stuttgart, den Drees & Sommer mit Projektmanagement und Engineering-Leistungen verantwortete, entwickelte Bauers Team ein preisgekröntes Schichtlüftungskonzept. Dabei wird die kalte Luft nicht von oben, sondern seitlich in die Hallen eingeschichtet, während die Warmluft von selbst nach oben steigt. „Das bedeutet auf Anhieb 30 % weniger Anlagentechnik, 30 % weniger Energieverbrauch für die Klimatisierung plus bessere Luft im Ausstellungsbereich“, freut sich Bauer. Darüber hinaus verfügt die Messe Stuttgart über die sechstgrößte Aufdach-Solaranlage der Welt.

Die sanierten Bürotürme der Deutschen Bank sparen durch eine dichte Gebäudehülle aus Dreifachglas, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und andere Maßnahmen die Hälfte der bisher benötigten Klimatisierungsenergie ein. Die Deutsche Bank strebt mit diesem Vorhaben eine LEED-Platin-Zertifizierung und eine DGNB-Gold-Zertifizierung an. Neben dem Projektmanagement und der Fassadenplanung ist Drees & Sommer verantwortlich für die ganzheitliche Organisation der Green-Building-Themen.

Auch das neue VDI-Haus in Düsseldorf, wo die VDI Nachrichten geschrieben und gestaltet werden, stammt hinsichtlich der Engineeringleistung von Drees & Sommer. Es ist ein sehr wirtschaftliches Haus mit Pelletheizung, thermisch aktivierten Bauteilen und Nachtkühlungstechniken. Auch das Tageslicht wird in der Fassade so gelenkt, dass auch innen gelegene Räume keine künstliche Beleuchtung benötigen.

Bei der HUK Coburg Versicherung regte Drees & Sommer an, einen groß angelegten Energieverbund mit den bestehenden Liegenschaften aufzubauen. So wurde ein Sprinklerwassertank zum zentralen Energieverschiebebahnhof. Er sorgt nun dafür, dass die Blockheizkraftwerke der verschiedenen Liegenschaften im Anlagenverbund optimal genutzt werden. Der Energieverbund enthält zudem ein solares Kühlsystem.

Vor allem im Bestand gibt es viel zu tun. „Gebäude mit schlechten Energiewerten lassen sich kaum noch vermarkten. Gerade bei umfangreichen Portfolios muss eine nachhaltige Immobilienstrategie entwickelt werden. Oft wisse der Eigentümer nämlich gar nicht, welche Qualität seine Gebäude haben.

„Wir sehen uns als ganzheitlichen Berater von nachhaltigen Bauprojekten – angefangen bei Konzeption Planung und Kalkulation über Bau, Betrieb bis hin zum Rückbau“, sagt Bauer. Energieeffizienz und Bauökologie gehören dabei genau wie Methoden zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit und zur ökonomischen Bestandserhaltung zum selbstverständlichen Handwerkszeug. „Diejenigen, die ausschließlich nur auf die Investitionskosten schauen, werden weniger“, sagt Bauer. Immerhin wollten heute schon rund 80 % der Gebäudeeigner und Bauherren von sich aus ökologische Aspekte auch über gesetzliche Vorgaben hinaus berücksichtigen. Trotzdem verlieren Bauherren die Lebenszykluskosten nicht aus den Augen. Hier kann die Beratung von Drees & Sommer etwas ausrichten: „Wir versuchen immer, den Bauherren immer noch einen Schritt weiter zu bringen.“ ARIANE RÜDIGER

Von Ariane Rüdiger

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